Ukraine-Krieg
Ein Irrweg nach Moskau: Der Besuch von Kanzler Nehammer nutzt nur Kriegstreiber Putin

Österreichs Regierungschef Karl Nehammer trifft heute Wladimir Putin – als erster westeuropäischer Regierungschef seit Russlands Invasion in der Ukraine. Warum er damit dem Kremlchef in die Karten spielt.

Fabian Hock
Fabian Hock
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Trifft heute als erster westeuropäischer Regierungschef seit Kriegsbeginn auf Wladimir Putin: Österreichs Kanzler Karl Nehammer.

Trifft heute als erster westeuropäischer Regierungschef seit Kriegsbeginn auf Wladimir Putin: Österreichs Kanzler Karl Nehammer.

Georg Hochmuth / APA

Dieser Besuch ist nicht nur sinnlos, sondern gefährlich. Und er ist ein absurdes Beispiel westlicher Fehleinschätzungen gegenüber dem Kriegstreiber im Kreml.

Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer reist heute zum russischen Präsidenten nach Moskau. Er will dort «Brücken bauen», wie er sagt. Ein Versuch sei es ja wert, glaubt Nehammer. Nun gilt für viele Konflikte: Reden ist besser als Nichtreden. Wer sollte das besser wissen als die Schweiz, die mit ihren Guten Diensten half, unzählige scheinbar ausweglose Krisen aufzulösen.

Der Fall Putin jedoch liegt anders. Er will die Ukraine in die Knie zwingen, koste es was es wolle. Der Westen sollte sich nichts vormachen: Putin ist nicht an ernsthaften Gesprächen oder gar Abkommen interessiert. Um das zu verstehen, reicht der Blick in die jüngere Geschichte: Im Syrienkrieg war die Angst der Menschen immer dann besonders gross, wenn Russland mal wieder eine Waffenruhe vorgeschlagen hatte. Denn sie wussten: das Bombardement, das auf die Ankündigung folgt, wird besonders schlimm.

Die Ukraine braucht Waffen - und zwar schnell

Der Herrscher im Kreml wird den Krieg gegen die Ukraine nicht durch gutes Zureden beenden. Es gibt nur einen Weg, wie Putin zurückgebunden werden kann: Russland muss militärisch geschlagen werden. Den Frontalangriff auf Kiew gab Putin nicht auf, weil ihn irgendjemand dazu überredet hatte, sondern weil die Ukrainerinnen und Ukrainer den scheinbar übermächtigen Russen standhielten.

Nun zieht Putin seine Truppen in der Ostukraine zusammen. Sobald seine Armee bereit ist, dürfte ein alles entscheidender Grossangriff folgen. Bis dahin braucht Putin Zeit. Vorstösse wie jener des österreichischen Kanzlers dürften ihm da gerade recht kommen. Darüber hinaus liefert ihm Nehammer mit seinem Besuch Bilder, die der Kreml genüsslich für Propagandazwecke ausschlachten kann.

Statt dem Kremlchef das Antlitz eines verhandlungswürdigen Gegenübers zu verleihen, sollte Westeuropa alles daransetzen, die Ukraine mit schlagkräftigen Waffen zu beliefern. Das ist der einzige Weg, Putin zu stoppen. Noch tut Europa hier zu wenig. Die Truppenbewegungen im Osten zeigen: viel Zeit dafür bleibt nicht mehr.

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