Spanien
Die Coronalage auf Mallorca spitzt sich zu – sind die Sommerferien in Gefahr?

Auf der Mittelmeerinsel greift die Delta-Variante um sich. Trotz steigender Zahlen soll es aber keine neuen Einschränkungen geben.

Ralph Schulze aus Madrid
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Touristen sonnen sich auf Mallorca: Die Insel will trotz steigender Coronazahlen keine neuen Einschränkungen verhängen.

Touristen sonnen sich auf Mallorca: Die Insel will trotz steigender Coronazahlen keine neuen Einschränkungen verhängen.

Francisco Ubilla / AP

Die Flugzeuge auf Mallorcas Airport Son Sant Joan landen und starten im Minutentakt. Mehr als 1000 Flüge werden an diesem Wochenende abgefertigt. Die meisten Maschinen kommen aus Deutschland, dem wichtigsten Reisemarkt der Mittelmeerinsel. Aber auch die Schweizer und Österreicher fliegen wieder in dieses Mittelmeerparadies. Die Zahl der Flüge ist schon fast wieder so hoch wie vor der Pandemie.

Aber nun, mitten in der Hochsaison, schieben sich plötzlich doch wieder dunkle Wolken vor Mallorcas Reisehimmel: Die Infektionsrate steigt steil an. Angetrieben durch die hochansteckende Delta-Variante, die inzwischen, so bestätigt die Inselregierung, auf den Balearen vorherrschend ist: 56 Prozent aller neuen Corona-Infektionen werden inzwischen durch Delta verursacht.

Am Freitag meldeten die Gesundheitsbehörden für die gesamten Balerarischen Inseln Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera eine mittlere 7-Tage-Inzidenz von 169 Fällen pro 100'000 Einwohnern. Auf Mallorca, der grössten Insel, lag die wöchentlich Fallrate bei 140. Die Zeiten, als Mallorca damit werben konnte, «das sicherste Ferienziel am Mittelmeer» zu sein, scheinen damit also zunächst vorbei zu sein.

Hohes Risiko auf den Ferieninseln

Den aktuellen Zahlen zufolge ist das Ansteckungsrisiko auf den Inseln derzeit um ein Vielfaches grösser als in den meisten Herkunftsländern der Touristen. Auch Frankreich und Italien stehen besser da. Nur Grossbritannien, zweitwichtigster Tourismusmarkt Mallorcas, meldet höhere Infektionszahlen.

Wegen dieser bedenklichen Entwicklung erklärte Deutschland nun die Baleareninseln und zugleich ganz Spanien von Sonntag an wieder zum Risikogebiet. Bisher galten nur einige spanische Regionen als Risikozonen, darunter die Urlaubshochburgen Andalusien (Costa del Sol) und Katalonien (Costa Brava).

Die Mallorca-Regierung reagiert momentan mit erstaunlicher Gelassenheit auf die Zuspitzung der Lage. Sie versucht, die Touristen mit einer kostenlosen Covid-Versicherung zu locken, die vom 22. Juli an gilt. Diese Covid-Police soll Extrakosten übernehmen, zum Beispiel für einen verpassten Rückflug oder einen unfreiwillig verlängerten Aufenthalt wegen einer Infektion.

Lage in Spitälern unter Kontrolle

Die Inselpolitiker wollen jedoch vorerst nicht nennenswert die Coronaregeln auf Mallorca verschärfen, um nicht den Neustart des Tourismus abzuwürgen. «Wir müssen jetzt lernen, mit dem Virus zu leben», sagt die regionale Regierungschefin Francina Armengol. Diese Welle sei anders als frühere Ausbrüche. Die Lage in den Spitälern sei nicht kritisch:

«Die Impfungen haben alles geändert.»

Portugal, das noch vor Spanien von der neuen Viruswelle erwischt wurde, geht einen anderen Weg und beschränkt nun wieder die Freiheiten. Touristen müssen von diesem Wochenende an bei der Ankunft in einem portugiesischen Hotel einen Impfnachweis oder ein negatives Testergebnis vorlegen.