SHELDON ADELSON (†87)
Multi-Milliardär und Casino-Mogul: Einer der reichsten Männer der Welt ist tot

Der Casino-Milliardär Sheldon Adelson ist am Montag im Alter von 87 Jahren gestorben. Adelson war ein Glücksspiel-Pionier, der in Las Vegas das «Venetian» eröffnete und später in Asien Luxushotels baute, die alles bisher Gesehenes übertrafen.

Renzo Ruf aus Washington
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Sheldon Adelson bei einem Interview 2007 im Venetian Macao Resort Hotel, Macao, China.

Sheldon Adelson bei einem Interview 2007 im Venetian Macao Resort Hotel, Macao, China.

Keystone

Als Sheldon Adelson erstmals in der Glücksspiel-Metropole Las Vegas (Nevada) den Jackpot knackte, da schrieb man das Jahr 1979. Adelson, 1933 in einfachen Verhältnissen in Boston (Massachusetts) geboren und von Kindesbeinen an ein begnadeter Verkäufer, lancierte zusammen mit seinen Geschäftspartnern eine Computer-Messe. Die Computer Dealers Exposition oder Comdex traf den Nerv der Zeit: gegen 4000 Personen tauchte auf, um sich über die rasanten Fortschritte bei der Entwicklung von Computern zu informieren.

Bald einmal reisten Hunderttausende von Menschen an die Messe nach Vegas. Und Adelson, dessen Verwandte einst aus Litauen und Grossbritannien eingewandert waren, wurde zu einem Platzhirsch in der Wüste von Nevada. 1988 riss er sich das Sands Hotel and Casino unter den Nagel, ein heruntergekommener Komplex, dessen Namen Erinnerungen an die «Roaring Sixties», Frank Sinatra und Sammy Davis Junior weckte. 1996 schloss er das «Sands» und baute an seiner statt das «Venetian». Das Hotel, das 1999 seine Türen öffnete und mit seiner Replikation des Markusplatzes (Gondoliere inbegriffen!) Erinnerungen an Venedig weckte, war umgehend ein Hit und festigte den Ruf von Las Vegas als Stadt der Illusionen.

So richtig Geld verdiente der Casino-Magnat aber erst mit seiner Expansion nach Macau, der chinesischen Sonderverwaltungszone in der Nähe von Hong Kong. Dort eröffnete Adelsons Firma — Las Vegas Sands Corp — Luxusbauten wie das «Venetian Macao» oder das «Parisian Macao». Er verwandelte das einst verschlafene Nest, das lange eine Kolonie Portugals war, quasi in Eigenregie in eine höchst lukrative Glücksspieloase. (Später stellte sich heraus, dass es Adelson bei dieser Expansion mit Vorschriften und Gesetzen nicht immer ganz genau genommen hatte.) 2010 folgte die Expansion nach Singapur, wo Adelson das «Marina Bay Sands» eröffnete — dessen drei Türme auf der 57. Etage mit einem Freiluft-Schwimmbad verbunden sind. Der Bau des Hotels kostete mehr als 5,5 Milliarden Dollar.

Gönner der Republikanischen Partei und Freund Israels

Den neu gewonnen Reichtum von rund 35 Milliarden Dollar nutzte Adelson, um seinen politischen Interessen nachzugehen. So festigte er die Bande zwischen Amerika und Israel; Adelson spendete Millionen von Dollars für den Ausbau der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Auch stand er dem Likud-Politiker Benjamin Netanyahu treu zur Seite, als dieser am Ende der Nullerjahre ein Comeback anstrebte.

Später wurde der Casino-Milliardär während der Präsidentschaft des Demokraten Barack Obama zu einem der spendierfreudigsten Gönner der Republikanischen Partei in Amerika. So unterstützte Adelson kantige Figuren wie Newt Gingrich, in der Neunzigerjahren Speaker des Repräsentantenhauses, der sich 2012 erfolglos um die Nomination zum Präsidentschaftskandidaten bemühte. Vier Jahre später unterstützte er Donald Trump, der in Las Vegas ebenfalls ein Casino besitzt.

Mit seinen Spenden beeinflusste Adelson nicht nur den Wahlkampf, sondern auch den Marktplatz der Ideen. So verwirklichte Präsident Trump eine Vision Adelsons und zügelte die amerikanische Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem. Im May 2018, als die neue Botschaft (in einem alten Konsulat) ihren Betrieb aufnahm, befand sich Adelson, zusammen mit seiner zweiten Gattin Miriam, in der ersten Reihe.

Im Wahlkampf 2020 allerdings spielte Adelson keine dominante Rolle mehr, obwohl er Trump mit gegen 75 Millionen Dollar unterstützte. Geschwächt durch eine Krebserkrankung unternahm er zuletzt den Versuch, sein Imperium zu retten, das wirtschaftlich von der Coronapandemie stark betroffen war. Am Montag starb Sheldon Adelson, der sich einst als «der reichste Jude der Welt» bezeichnet hatte, im Alter von 87 Jahren.