Tagebuch aus Cancún
Klimawandel wartet nicht

Bis zum Ende der Klimakonferenz schreibt an dieser Stelle jeden Tag ein Experte, was in Cancún vor sich geht.. Heute Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik Greenpeace.

Martin Kaiser
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Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik Greenpeace.

Martin Kaiser, Leiter Internationale Klimapolitik Greenpeace.

Nach einem Jahr mit verheerenden Extremwetterereignissen, Hitzerekorden, Brand- und Flutkatastrophen ist eins klar: Der Klimawandel wartet nicht. Nach dem missglückten Gipfel von Kopenhagen müssen die Verhandlungen in Cancún nun unbedingt die Weichen für den Klimaschutz im 21. Jahrhundert stellen. Die Staaten sind verantwortlich für das Wohl ihrer Bevölkerung, und das kann schon bald vom Klimawandel heftig bedroht werden. Das Sorgenkind bei den Verhandlungen sind und bleiben die USA – nach dem krachenden Scheitern ihrer eigenen Klimagesetzgebung ist die Grossmacht blockiert. Ein weiteres Warten auf die USA aber führt unabwendbar in die Katastrophe.

In Cancún sind die USA durch die Interessen ihrer Öl- und Kohleindustrie absorbiert und lähmen dadurch die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen. Auch die anderen Industriestaaten, auch Europa, haben in der ersten Verhandlungswoche Geschick und Umsicht vermissen lassen. Denn nur die Zustimmung zu harten und realen Treibhausgasreduktionen kann die Erde davor bewahren, sich weit über 2Grad zu erwärmen und den Planeten in einen Strudel von extremsten Wetterlagen zu führen.

Japan hat mit seiner Ankündigung, das Kyoto-Protokoll nicht fortzusetzen, einen Schock bei den armen und ärmsten Staaten ausgelöst. Dieser Vertrag regelt bisher verbindlich, wie viele Treibhausgase weniger die einzelnen Staaten verbrauchen dürfen. Platzt dieser Vertrag, ist ungewiss, wie die Weltgemeinschaft den Klimawandel überhaupt noch handhabbar machen kann. Japans Provokation nutzt nun vor allem der Öl- und Kohleindustrie: In den Verhandlungen werden riesige Schlupflöcher für die Treibhausgasemissionen der Industrie eingebaut, um die reichen Länder bei der Stange zu halten.

Die Welt kann und muss sich jetzt aus ihrer Schockstarre lösen und in Cancún verbindliche Vereinbarungen für die Bewahrung unseres Lebensraums beschliessen. Die Physik der Atmosphäre wartet nicht.

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