Great Barrier Reef
Kampf um die Korallen: Australien fürchtet die Rote Liste der Unesco – und die Rache der Chinesen

Experten wollen das Great Barrier Reef stärker schützen. Australien käme das teuer zu stehen.

Urs Wälterlin, Canberra
Drucken
Teilen
Wunderschön – und arg bedroht: Das australische Great Barrier Reef ist ein Tourismusmagnet – noch.

Wunderschön – und arg bedroht: Das australische Great Barrier Reef ist ein Tourismusmagnet – noch.

Jemma Craig / Getty Images

Seit letzter Woche tagt das Welterbekommittee der Unesco im chinesischen Fuzhou. Folgt die Organisation der Empfehlung ihrer Experten, könnte das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens am Freitag auf die Rote Liste der gefährdeten Kulturgüter gesetzt werden.

Die Folgen des Klimawandels hätten zum Absterben von rund 50 Prozent der Korallen geführt, sagt ein Vorbericht. Der Zustand des Riffs müsse deshalb von «schlecht» auf «sehr schlecht» korrigiert werden. Wenn Australien nicht besser zu diesem Naturwunder schaue, sei der grösste Teil des Riffs bis 2050 abgestorben.

Seit der Veröffentlichung des Vorberichts tobt zwischen der Unesco und der australischen Regierung ein Verbalkrieg. Australische Politiker vermuten hinter der angedrohten Rückstufung einen Racheakt der Chinesen im schwelenden Handelskonflikt zwischen Peking und Canberra. Der Vorsteher des Welterbekommitees dieses Jahr: ausgerechnet China.

Um die Welt vom «guten Zustand» des Great Barrier Reefs zu überzeugen, lud die australische Regierung die Botschafter von 13 Ländern zu einem Schnorchelausflug ein. Die Diplomaten sollten sich selbst einen Eindruck verschaffen können, wie es um das Naturwunder steht, das den Australiern nicht nur viel Stolz, sondern auch viel Cash einbringt. Das Riff spült jährlich mehr als fünf Milliarden Franken in die Tourismuskassen des Landes. 63'000 Arbeitsplätze hängen von ihm ab.

Australiens Politiker geben sich uneinsichtig

Doch ein immer grösser werdender Teil des 348 700 Quadratkilometer grossen Gebiets gleicht einer Wüste aus grauem Korallenschrott. Korallen sind extrem temperaturempfindlich: Wenn die Wassertemperaturen steigen, kommt die fragile Symbiose aus Korallen und den Algen aus dem Gleichgewicht. Die Korallen bleichen aus und sterben ab. Grund für die Temperaturanstiege sei die von Menschen verursachte Klimaveränderung, sagen Wissenschaftler.

Mehrere Meeresbiologen haben in den letzten Tagen die Unesco deshalb in einem Schreiben aufgefordert, dem Druck Canberras nicht nachzugeben und das Riff auf die Rote Liste zu setzen. Dieser drastische Schritt könne die Regierung vielleicht zu einem Richtungswechsel in der Klimapolitik veranlassen. Denn bislang will die konservative Regierung unter Premierminister Scott Morrison nur das absolute Minimum an Emissionen reduzieren.

Und obwohl Australien eine der höchsten CO2-Emissionsraten pro Kopf hat, sollen auch im Land selbst die Kohle- und Gasindustrien massiv ausgebaut werden. Mehrere neue Minen sind geplant oder im Bau.

Aktuelle Nachrichten