USA
Jen Psaki ist Sprecherin des Weissen Hauses – und Bidens Waffe der Wahrheit

Die Sprecherin des Weissen Hauses möchte alles ganz anders machen als ihre Vorgänger. Muss sie auch, wenn sie ernstgenommen werden will.

Samuel Schumacher
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Jen Psaki wird fünfmal pro Woche vor die Kameras treten, nur am Wochenende nicht. «Ich bin schliesslich kein Monster», sagt die 42-Jährige.

Jen Psaki wird fünfmal pro Woche vor die Kameras treten, nur am Wochenende nicht. «Ich bin schliesslich kein Monster», sagt die 42-Jährige.

AP

Während der Präsidentschaft von Donald Trump glichen die Pressekonferenzen im Weissen Haus politischen Inszenierungen, bei denen die jüngsten Entgleisungen des Weissen Hauses gerechtfertigt werden mussten. Trumps Pressesprecher machten dabei selten eine rühmliche Figur. Sean Spicer, der erste der vier Trump-Sprecher, begann seine kurze Karriere mit der Falschinformation, dass «viel mehr Menschen der Amtseinsetzung von Trump beigewohnt haben als bei Barack Obama». Und Spicers Nachfolgerin Sarah Sanders wollte sich partout nicht von der Behauptung ihres Chefs distanzieren, die Medien seien die «Feinde des Volkes».

Stephanie Ann Grisham, die den Job 2019 übernahm, führte in ihren neun Monaten im Amt keine einzige Pressekonferenz durch und Kayleigh McEnany, Trumps letzte Pressesprecherin, weigerte sich standhaft, Fragen von CNN-Journalisten anzunehmen, weil sie «nicht mit Aktivisten kommunizieren» wollte. Zuletzt überging Trump seine kommunikativen Helfer kurzerhand und trat oft selbst ans Mikrofon im Presseraum des Weissen Hauses – etwa um zu behaupten, eine Bleichmittel- Injektion könnte allenfalls gegen Covid-19 helfen.

Die 42-Jährige ist vieles, aber «kein Monster»

Trumps Nachfolger Joe Biden kündigte bei seiner Antrittsrede an, dass er mit dieser Politik der Fehlinformation brechen und in Zukunft mit allen nötigen Mitteln «die Lügen besiegen» wolle. Bidens sichtbarste Waffe in diesem Kampf ist Jen Psaki. Als Pressesprecherin des Weissen Hauses ist die 42-jährige Soziologin sowas wie das Gesicht der Biden-Regierung. Und bereits bei ihrem ersten Auftritt am Mittwochabend machte sie klar, dass die Dinge unter ihrer Ägide wieder so werden sollen, wie sie in der Ära vor Trump mal waren:

Es wird Zeiten geben, in denen wir die Dinge nicht alle genau gleich sehen. Aber so soll das ja auch sein in einer Demokratie», sagte Psaki.

Die zweifache Mutter will in Zukunft fünfmal wöchentlich vor die Medien treten – ausser am Samstag und Sonntag. Sie sei schliesslich «kein Monster», witzelte Psaki und strich sich während des halbstündigen Auftritts rund 20 Mal die roten Haare aus dem Gesicht. Ansonsten war bei ihr nichts von Nervosität zu spüren. Kein Wunder: Psaki hat viel Erfahrung im Pressetrupp der US-Regierung und übernahm bereits in Obamas Weissem Haus verschiedene Kommunikationsaufgaben.

180'000 Dollar für ihre Zielscheibenfunktion

Nach Obamas Auszug übernahm die einstige Wettkampfschwimmerin einen Kommentatorenposten bei CNN. Dass sie in ihrem neuen Amt zur Zielscheibe aller Biden-Kritiker werden wird, ist sich Psaki offenbar bewusst. Sie hat ihrer Familie geraten, keine Nachrichten über sie in den Sozialen Medien zu lesen. Sie selber befolgt den Ratschlag eisern. Auf Twitter hat Psaki bereits mehr als 650'000 Follower, folgt aber selber niemandem – nicht mal ihrem Chef.

Die kommenden Wochen wird Psaki mehrheitlich damit verbringen, die amerikanische Öffentlichkeit von Bidens neuem Pandemie-Kurs zu überzeugen. Der US-Präsident will binnen 100 Tagen 100 Millionen Amerikaner gegen Covid-19 impfen lassen. Ein guter Drittel der Amerikaner sagt allerdings nach wie vor, dass sie sich nicht impfen lassen wollen. Für Psaki heisst das: dranbleiben, Fakten vermitteln, Konsequenzen aufzeigen. Ein harter Brocken Arbeit. Mit 180'000 Dollar Jahresgehalt ist der Job aber immerhin ganz anständig bezahlt.