«Panama Papers»
Islands Ministerpräsident tritt wegen Briefkastenfirma zurück

Die Enthüllung Tausender Briefkastenfirmen in Panama hat in Island eine Regierungskrise ausgelöst. Im Mittelpunkt: Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson. Er ist nach den Enthüllungen in den Panama Papers zurückgetreten.

Merken
Drucken
Teilen
Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson

Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson

Keystone/EPA

Am Nachmittag beantragte er noch die Auflösung des Parlaments, um Neuwahlen durchzuführen. Nun scheint der Druck auf seine Person zu gross geworden zu sein. Der Vizechef von Gunnlaugssons Partei bestätigte dies gegenüber Medien.

Die am Wochenende von einem internationalen Journalistenkonsortium veröffentlichten Daten einer Anwaltskanzlei in Panama belegen nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung», dass Gunnlaugssons Frau eine Briefkastenfirma betrieb, die Anteile an den 2008 zusammengebrochenen Banken des Landes hielt. Gunnlaugsson sei bis 2009 an der Firma beteiligt gewesen.

Am Montagabend hatten Tausende vor dem Parlament Gunnlaugssons Rücktritt gefordert. Für Dienstag war eine erneute Demonstration angekündigt. Die Opposition strebte ein Misstrauensvotum an. Er hatte betont, seine Frau habe stets korrekt Steuern bezahlt.

Aus gutem Haus

Um Geld musste sich Gunnlaugsson nie Gedanken machen. Er entstammt einer wohlhabenden Familie, genau wie seine Frau Anna. Dass ihm die Millionen einmal zum Verhängnis werden dürften, hat er wohl nicht geahnt.

Nachdem er als Fernsehjournalist gearbeitet hatte, eroberte der 1975 geborene Gunnlaugsson die politische Bühne im Sturm. Wie auch schon sein Vater trat er der liberalen Fortschrittspartei bei und wurde 2009 ihr Vorsitzender.

Vier Jahre später gewann der studierte Wirtschafts- und Politikwissenschaftler mit nur 38 Jahren die Parlamentswahl gegen die mehr als 30 Jahre ältere Sozialdemokratin Jóhanna Sigurðardóttir. Bei den Bürgern punktete er nach dem Bankenkollaps mit der Ankündigung von Schuldenerlassen für Privathaushalte.

Andere warfen dem Politiker Populismus vor und sahen in seiner Machtübernahme eine Rückkehr zu dem, wovon sie sich nach der Finanzkrise verabschiedet hatten: dem «alten Island», in dem mächtige Eliten und Clans den Ton angeben.

Damals hatte sich Gunnlaugsson gerade auch als Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit im Schatten der Finanzkrise präsentiert. Dass die Briefkastenfirma seiner Frau jetzt auf der Gläubigerliste der Krisenbanken auftaucht, nehmen ihm seine Landsleute übel.