Österreich
Kommt endlich Licht in die Affäre? «Ibiza»-Drahtzieher vor der Auslieferung

Der Detektiv Julian H. scheitert mit einem Antrag vor dem deutschen Verfassungsgericht. Jetzt darf er nach Österreich überstellt werden.

Stefan Schocher aus Wien
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Stolperte über die «Ibiza-Affäre»: Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

Stolperte über die «Ibiza-Affäre»: Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

Foto: Keystone

Julian H. ist der Mann in der gebügelten weissen Hose und dem legeren blauen Hemd, den man eigentlich immer nur von hinten sieht. Er liefert die Stichworte in jenem Video, das eine Regierung sprengte, eine Rechts-aussen-Partei zerlegte und einen Kanzler in grosse Schwierigkeiten brachte. «Die Novomatic (ein Glücksspielkonzern, Anm. d. Red.) zahlt alle», hatte Heinz-Christian Strache im Ibiza-Video gesagt. Julian H., hatte Strache diese Worte entlockt.

H. sitzt seit Dezember 2020 in Deutschland in Auslieferungshaft. Noch. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat einen Antrag gegen eine Abschiebung nach Österreich abgelehnt. Vorgeworfen werden dem Privatdetektiv Erpressung und Drogenhandel. Julian H. spricht von konstruierten Vorwürfen.

So richtig eindeutig ist nichts in der Sache. Und auch Julian H. ist alles andere als eindeutig: Ein Detektiv, der in Allianz mit einem Anwalt ein Video anfertigt - angeblich aus altruistischen Motiven. Ein Detektiv notabene, der viel weiss über Verbindungen zwischen Geschäftswelt und der Politik in Österreich. Zuletzt hatte Julian H. in Berlin etwa vor einem Untersuchungsausschuss zur Wirecard-Affäre ausgesagt.

Mit «ein paar Drinks» soll es angefangen haben

Dass Julian H. das Ibiza-Video mit dem Ziel produziert habe, Leute zu erpressen, will der Beschuldigte nicht so stehen lassen. Er bezeichnet das Video als Aktion, die «bei ein paar Drinks» zusammen mit dem Anwalt Ramin M. ihren Anfang genommen habe. Es sei darum gegangen, Strache wegen seines Drogenkonsums (Strache hat das immer zurückgewiesen) auffliegen zu lassen. Ramin M. war bereits damals mit einem Leibwächter Straches in Kontakt, der Informationen über den Oppositionspolitiker zusammentrug.

Daraus, so sagt Julian H., sei schliesslich die Idee entstanden, das Video zu produzieren. Und es sei «unglaublich leicht» gewesen, Strache in die Finca auf Ibiza zu locken. Aber die Tragweite des Materials habe er damals noch nicht richtig eingeschätzt, sagt Julian H.

Tatsächlich ist die Rechtslage, was das Video angeht, klar. Und zuweilen wirkt eher das Vorgehen der Behörden in Wien fragwürdig: Da wurde etwa die vermeintliche Oligarchen-Nichte, der Lockvogel in dem Video, per Foto zur Fahndung ausgeschrieben. Der Frau kann aber nichts vorgeworfen werden. Auch die Produktion des Materials auf spanischem Gebiet war legal. Der Vorwurf der Dokumentenfälschung scheint haltlos. Die Frau hatte die Fotokopie eines Passes gezeigt. Eine Fotokopie ist aber kein Dokument.

Julian H. will erpresst worden sein

Und der Vorwurf der Erpressung? Julian H. gibt an, nach Bekanntwerden des Videos von Seite erpresst worden zu sein, gegen Geld einzelne Personen anzuschwärzen. Letztlich, so Julian H., habe man sich entschieden, das Video an die Medien zu geben, weil die Sache mit dem Regierungseintritt der FPÖ zu heikel geworden sei.

Bleibt der Vorwurf des Drogenhandels. Julian H. spricht von konstruierten Vorwürfen, die auf den Aussagen «zweifelhafter Zeugen» beruhten. Bis zu seiner Festnahme hatte Julian H. jedenfalls in Berlin offen gelebt, Ärzte besucht, Medienvertreter getroffen. Die österreichische Polizei, so sagte er erst im Januar gegenüber der Zeitung «Standard», habe ihn bis dahin nicht zu kontaktieren versucht.