Gipfeltreffen
US-Präsident Biden will sich mit seinem russischen Amtskollegen aussprechen – die Schweiz wäre ein guter Austragungsort

Der amerikanische Präsident schlägt Wladimir Putin vor, sich zu einer Aussprache zu treffen – vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen im bilateralen Verhältnis. Das Treffen solle in einem «Drittstaat» stattfinden, sagt das Weisse Haus.

Renzo Ruf aus Washington
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Der damalige Vizepräsident und heutige Präsident der USA Joe Biden trifft den russischen Präsidenten Wladimir Putin (r.). (Archivbild 2011)

Der damalige Vizepräsident und heutige Präsident der USA Joe Biden trifft den russischen Präsidenten Wladimir Putin (r.). (Archivbild 2011)

Zemlianichenko/AP

Der Krieg der Worte zwischen den USA und Russland spitzt sich zu. Am Dienstag sagte der stellvertretende russische Aussenminister Sergei Rjabkow, Washington sei Russlands «Gegenspieler» und setze alles daran, um die Position Moskaus in der Welt zu schwächen. US-Aussenminister Antony Blinken wiederum verurteilte während eines Aufenthalts in Brüssel die russischen «Provokationen» an der Ostgrenze der Ukraine. Er sagte: Washington sei «tief besorgt» über den aktuellen russischen Truppenaufmarsch, dem grössten an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine seit dem Jahr 2014.

Nun unternimmt US-Präsident Joe Biden den Versuch, die Wogen etwas zu glätten. Während eines Telefongesprächs forderte Biden am Dienstag seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin dazu auf, die Situation zu deeskalieren. Auch schlug Biden «ein Gipfeltreffen in den nächsten Monaten in einem Drittstaat» vor. Eine solche Aussprache wäre geeignet, über die zahlreichen Probleme im bilateralen Verhältnis der beiden Länder zu sprechen, verkündete das Weisse Haus sinngemäss in einer Medienmitteilung. (Eine Antwort des Kremls auf den Vorschlag des US-Präsidenten war ausstehend.)

Washington habe Interesse an «stabilen Beziehungen» mit Moskau, heisst es in der Stellungnahme weiter. Über den Status der Ukraine allerdings will Biden nicht verhandeln. Das Engagement Washingtons «für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine» sei «unerschütterlich», heisst es in der Mitteilung des Weissen Hauses weiter. Eine ähnliche Zusicherung hatte Biden kürzlich auch dem ukrainischen Präsidenten abgegeben.

Erinnerungen an das Treffen zwischen Reagan und Gorbatschow

Über den Austragungsort eines Treffens von Biden und Putin, in das Russland natürlich erst noch einwilligen müsste, lässt sich bisher nur spekulieren. Tatsache ist, dass die Schweiz immer wieder Schauplatz hochrangiger Gespräche war. So trafen sich im Herbst 1985 der damalige amerikanische Präsident Ronald Reagan und Michail Gorbatschow, Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, in Genf zur Aussprache vor dem Kamin in einem historischen Bootshaus. (Während sich Reagan und Gorbatschow übrigens während ihres ersten Treffens ausgesprochen gut verstanden, entwickelten sich zwischen ihren Gattinnen eine tiefe Feindschaft.)

US-Präsident Ronald Reagan (l.) und Michail Gorbatschow beim amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen im November 1985 in Genf.

US-Präsident Ronald Reagan (l.) und Michail Gorbatschow beim amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen im November 1985 in Genf.

Keystone

Hinzu kommt: Gemäss der aktuellen Liste des Bundesamtes für Gesundheit sind aktuell weder Russland noch die USA als «Risikoländer» eingestuft. Dies würde die Einreise der Delegationen aus den beiden Staaten erleichtern.