Ungarn
Gelingt Peter Marki-Zay die Sensation? Dieser 49-Jährige will Viktor Orbans Karriere beenden

Der Ungare tritt 2022 bei den Wahlen gegen den umstrittenen Amtsinhaber an – mit einer neuen Strategie.

Gregor Mayer, dpa
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Peter Marki-Zay, 49, hat sieben Kinder, wenig politische Erfahrung und einen einzigen Plan: Orban besiegen.

Peter Marki-Zay, 49, hat sieben Kinder, wenig politische Erfahrung und einen einzigen Plan: Orban besiegen.

Die Opposition in Ungarn hat ihren Spitzenkandidaten für die Wahlen im April 2022 gekürt. Überraschender Gewinner der Stichwahl ist der parteilose Konservative Peter Marki-Zay. Der 49-Jährige war als krasser Aussenseiter in die Vorwahl gegangen. Er ist seit diesem Wochenende der von allen sechs Oppositionsparteien unterstützte Herausforderer des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Eine derartige Vorwahl gab es in Ungarn zum ersten Mal. Die sechs Parteien, deren Spektrum von links-grün bis rechtskonservativ reicht, waren zuvor heillos zerstritten. Die Beteiligung an der Vorwahl übertraf alle Erwartungen. 630'000 Bürger stimmten in der ersten Runde ab, 660'000 in der zweiten.

Marki-Zay erklärte am späten Sonntagabend:

«Das ist die Revolution der kleinen Leute.»

Der Opposition könne es nur gemeinsam gelingen, «die korrupteste Regierung der letzten 1000 Jahre» zu abzuwählen.

Er will wiederholen, was ihm 2018 in seiner Heimatstadt gelungen ist

Marki-Zays setzt bei diesem Unterfangen voll auf seine Stärke: Als Konservativer, bekennender Katholik und Vater von sieben Kindern kann er Wähler auf dem Land ansprechen, die konservativ eingestellt, aber von Orbans Herrschaft nicht mehr so überzeugt sind. Zugleich vergrault er die urbanen Wähler der Grossstädte nicht, weil er nicht nur konservativ, sondern auch weltoffen und kompromissbereit ist.

Marki-Zay studierte Wirtschaft, Elektrotechnik und Geschichte. Von 2004 bis 2009 lebte er mit seiner Familie in Kanada und den USA. In die Politik stieg er erst 2018 ein. Damals gewann er die Bürgermeisterwahl in Hodmezövasarhely. Der Ort galt bis dahin als uneinnehmbare Hochburg der Orban-Partei Fidesz.

Die Wahlsiege in seiner Heimatgemeinde waren aber auch nur möglich, weil sich alle Oppositionsparteien um ihn geschart hatten. Insofern gelten die damaligen Kampagnen als die Blaupause für die derzeitige Oppositionsallianz, die Orban aus dem Amt drängen will.

Orban regiert seit 2010. Kritiker werfen ihm einen autoritären Führungsstil und massive Korruption vor.

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