Covid-19-Impfung
Für den Impfstoff bezahlt Grossbritannien fast doppelt so viel wie die EU – und die Schweiz?

Die Preise für die Covid-19-Impfungen sind geheim. Wahrscheinlich ist aber, dass die Schweiz schlechtere Konditionen erhält als die EU-Staaten.

Remo Hess, Brüssel
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Auftakt zur grossen Impfaktion: Am Mittwochmorgen in einem Altersheim im Kanton Luzern.

Auftakt zur grossen Impfaktion: Am Mittwochmorgen in einem Altersheim im Kanton Luzern.

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Als erste Person in der Schweiz wurde am Mittwochmorgen eine 90-jährige Frau im Kanton Luzern mit dem Corona-Vakzin der Firma BioNTech/Pfizer behandelt. Wie viel der Impfstoff kostet, von dem sich die Schweiz 3 Millionen Dosen gesichert hat, ist nicht bekannt. «Vertrauliche vertragliche Vereinbarungen können wir aus verhandlungstaktischen Gründen nicht offenlegen», heisst es dazu beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Einen Anhaltspunkt aber gibt es: Die belgische Budget-Staatssekretärin Eva De Bleeker veröffentlichte kürzlich aus Versehen eine Liste mit den Preisen, die die EU für ihre Impfmittel bezahlt. Demnach kostet eine Impf-Dosis der Firma BioNTech/Pfizer 12 Euro. Das günstigste Mittel kommt von AstraZeneca mit 1,78 Euro pro Dosis. Am teuersten ist Moderna mit 18 Dollar.

Kurz nach Veröffentlichung der Liste war der Tweet wieder gelöscht.

Kurz nach Veröffentlichung der Liste war der Tweet wieder gelöscht.

Screenshot Twitter

Ob die Schweiz denselben Preis bekommen hat, ist nicht gewiss. Die EU hat die Impfstoffbeschaffung gemeinsam organisiert und bringt mit ihren rund 450 Millionen Einwohnern eine andere Einkaufsmacht auf die Waage als die Schweiz mit ihren 8.5 Millionen. Gut möglich, dass der Preis für die Schweiz höher liegt. Der französische Staatssekretär für Europa Clement Beaune sagte am Mittwoch in einem TV-Interview, dass das Vereinigte Königreich 1,5 bis 2 mal mehr pro Impfdosis bezahlen müsse, weil es nicht bei der EU-Beschaffung dabei sei.

Neben BioNTech/Pfizer hat die Schweiz auch mit dem US-Hersteller Moderna (rund 4,5 Millionen Impfdosen) und dem britischen Konzern AstraZeneca Verträge abgeschlossen. Bei letzterem konnte die Schweiz von einer Klausel im EU-Beschaffungsvertrag profitieren: Schweden hat vom insgesamt 400-Millionen-Einkauf der EU-Kommission rund 5,3 Millionen abgezweigt und der Schweiz «gewinnfrei», also zum selben Preis, weiterverkauft.