Syrien
«Friede» steht halt nur drauf

Martin Gehlen
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Ein Mann flüchtet vor den Kämpfen in Aleppo.

Ein Mann flüchtet vor den Kämpfen in Aleppo.

KEYSTONE/EPA/MOHAMMED BADRA

«Pyramide des Friedens und der Eintracht» heisst der spektakuläre Bau in Astana, den der britische Stararchitekt Norman Forster seinerzeit zur Retortenhauptstadt Kasachstans beisteuerte. Ob sich jedoch Mitte Januar die verfeindeten syrischen Kriegsparteien in dem opulenten Glasbau treffen werden, steht bereits fünf Tage nach Wladimir Putins feierlich verkündeter Feuerpause wieder in den Sternen.

Die wichtigsten Rebellenverbände haben alle Vorgespräche für die russisch-türkische Syrieninitiative gestoppt. Sie werfen dem Assad-Regime und der Hisbollah vor, wie 2016 in Aleppo nun auch in der Umgebung von Damaskus den Waffenstillstand permanent zu brechen und zum eigenen militärischen Vorteil zu missbrauchen. Im Blick auf einen möglichen Frieden nämlich scheint das Kriegslager Assads alles andere als einig, ja haben sich die Risse nach dem Sieg in Aleppo eher noch vergrössert.

Der Diktator von Damaskus und seine Machtclique, aber auch die iranisch-irakischen Milizen und die libanesische Hisbollah wollen keinen politischen Kompromiss. Sie alle setzen auf einen totalen Sieg auf dem Schlachtfeld, der ihnen ein zusammenhängendes schiitisches Machtgebiet im Nahen Osten vom Iran über Irak und Syrien bis in den Libanon bescheren würde. Russland und die Türkei dagegen möchten das Blutvergiessen möglichst bald beenden, auch wenn das noch ein paar weitere Jahre Assad-Herrschaft bedeutet. Die Türkei ächzt unter zwei Millionen syrischen Flüchtlingen, einer beispiellosen Terrorserie des «Islamischen Staates» und will freie Hand im Kampf gegen das kurdische Autonomiestreben.

Moskau dagegen will sich nicht tiefer in den syrischen Sumpf hineinziehen lassen und möglichst bald kassieren, indem es sich seine Waffenhilfe mit einer militärisch-strategischen Präsenz in Syrien vergelten lässt.

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