Coronapandemie
Erste Spitäler in Deutschland müssen offenbar Patienten abweisen – wie schlimm ist die Situation im Nachbarland?

Eine Klink in Zittau kann nicht mehr alle Coronapatienten gleich gut versorgen, sagt der Klinikdirektor. Die Zahlen in der Schweiz sind dabei viel schlimmer als in Deutschland.

Christoph Reichmuth aus Berlin
Drucken
Teilen
Schwierige Entscheidung: In Deutschland müssen erste Kliniken offenbar Coronapatienten abweisen (Symbolbild).

Schwierige Entscheidung: In Deutschland müssen erste Kliniken offenbar Coronapatienten abweisen (Symbolbild).

Pixabay

Das Oberlausitzer Bergland-Klinikum in der sächsischen Kleinstadt Zittau hat die Kapazitätsgrenze wegen Corona überschritten. Das jedenfalls deutete der Direktor der Klinik, Mathias Mengel, in einem Online-Bürgerforum am Dienstagabend an.

Wir waren in den vergangenen Tagen schon mehrere Male in der Situation, dass wir entscheiden mussten, wer Sauerstoff bekommt und wer nicht.

Das soll der Mediziner in dramatischen Worten gesagt haben, wie deutsche Medien berichten.

Es sei auch nicht immer möglich, Coronapatienten für eine intensivmedizinische Betreuung auf andere Kliniken zu verlegen. «Wir sind im Epizentrum, manche Häuser nehmen gar nicht mehr auf.» Es sei schon vorgekommen, dass es für Patienten keine entsprechende Hilfe mehr gegeben habe.

Wer wird beatmet, wer nicht?

Der Hilferuf des Klinikdirektors sorgt für Schlagzeilen. Ist die Situation in Deutschland tatsächlich derart ausser Kontrolle geraten, dass gewisse Kliniken eine Triage bei Coronapatienten vornehmen müssen? Dass also Ärzte im Coronawinter 2020 vor der Entscheidung stehen, wem lebensrettende Hilfe durch Beamtungsgeräte zuteil wird und wem nicht?

Klar ist: Am frühen Dienstagnachmittag gab es von der ostsächsischen Krankenhausleitstelle nur ein halbes Dementi: Es sei korrekt, dass wegen der angespannten Coronasituation und wegen erschöpfter Aufnahmekapazitäten in den regionalen Kliniken in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zuletzt Patienten «verstärkt» in entferntere Krankenhäuser in Dresden oder Leipzig verlegt werden mussten, hiess es. Noch handle es sich hierbei um Einzelfälle, es sei allerdings mit einer Zunahme solcher Fälle zu rechnen. Dass Patienten in Not nicht beamtet werden könnten, bestätigte die Leitstelle indes nicht.

Kaum noch freie Spitalbetten in Berlin

Der Landkreis Görlitz, in dem die Klinik liegt, gehört zu den Corona-Hotspots in Deutschland. Die ostsächsische Region nahe der Grenze zu Tschechien und Polen weist eine Sieben-Tage-Inzidenz von weit über 600 auf. Das heisst, dass sich innerhalb von sieben Tagen mehr als 600 Menschen auf 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus infizieren.

Dass die Situation in einigen Bundesländern angespannt ist, belegen Statistiken der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. In der Sächsischen Schweiz sind fast 90 Prozent der 180 Intensivbetten durch Coronapatienten belegt, nur noch 10 Betten sind in der Region östlich von Dresden frei. Auch in der Hauptstadt Berlin sind nur noch 9 Prozent der Intensivbetten nicht belegt.