US-Wahlkampf
Donald Trump: Der Kandidat, den keiner ernst nimmt

Obwohl ihn Polit-Journalisten nicht ernst nehmen wollen, steht Donald Trump in den Umfragen an der Spitze der republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

Renzo Ruf, Washington
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Donald Trump.

Donald Trump.

KEYSTONE

Die «Huffington Post» lässt sich nicht beirren. Donald Trump ist für die Internet-Zeitung weiterhin bloss ein Amusement. Die Publikation weigert sich, den 69-jährigen Neo-Republikaner ernst zu nehmen und seine Aussagen im Politikteil abzuhandeln. Stattdessen sind Artikel über Trumps Wahlkampf-Verrenkungen in den «Entertainment»-Abteilungen zu lesen.

«Wir stehen zu unserem Entscheid», teilten zwei hochrangige Redaktoren der «Huffington Post» zu Wochenbeginn mit. «Trump ist kein legitimer politischer Anwärter mit einem seriösen Programm.» Die Berichterstattung über den Immobilien-Spekulanten, der sein Geld mit Spielcasinos, Hotels, Golfplätzen und Luxusartikeln machte, sei «peinlich» für sämtliche «seriöse» Publikationen, die atemlos über jeden seiner politischen Tricks berichteten.

Ein Etikettenschwindel

Trump wird sich an dieser Breitseite nicht weiter stören. Denn zum einen gilt die «Huffington Post» als tendenziell linksgerichtet. Die wenigsten Republikaner werden sich auf dieser Plattform über den Vorwahlkampf der Republikaner informieren. Zum anderen handelt es sich bei der Ansage der «Huff Post» («Wir werden dieser Versuchung nicht erliegen») um einen eigentlichen Etikettenschwindel. Denn natürlich kann auch die grösste Online-Zeitung Amerikas «The Donald» nicht einfach alleine lassen. In den vergangenen sieben Tagen berichtete die «Huffington Post» deshalb über Trumps Auftritt an der Landwirtschafts- und Gewerbemesse in Des Moines (Iowa), seine Vorschläge zur Reform des Einwanderungsrechts und die Fehde mit dem ehemaligen Top-Model Heidi Klum.

Diese Pirouette zeigt mit aller Deutlichkeit das Dilemma, das Donald Trump für amerikanische Polit-Journalisten darstellt: Sie weigern sich, ihn ernst zu nehmen und schreiben damit am breiten Publikum vorbei. Derzeit unterstützen gemäss einer Umfrage des Nachrichtensenders CNN 24 Prozent der republikanischen Wähler seine Kandidatur.

Der scharfzüngige Medienbeobachter Jack Shafer schrieb kürzlich in einer Kolumne, dass seine Zunft den republikanischen Präsidentschaftskandidaten komplett falsch verstehe. «Reporter sind der Meinung, dass Logik und Vernunft sich letztlich durchsetzen werden» und ein Politiker, der dieses Naturgesetz missachte, über die eigenen Beine stolpern werde. Trump aber, schrieb Shafer, sei «ein Demagoge», der frei von der Leber weg spreche, nicht auf das Geld der anderen angewiesen sei und deshalb Erfolg habe.

Wie im Immobilienhandel

Shafer erklärt den Hang Trumps, stets zu protzen, mit seiner beruflichen Herkunft: In der Immobilien-Branche, in der bereits Vater Fred erfolgreich gewesen war, gehe es letztlich immer darum, zu übertreiben. Der Standort eines Bauvorhabens? Fantastisch. Der Architekt? Ein Gewinner. Die Baumaterialien? Das Beste vom Besten. Und genau mit diesem Ansatz und dem fast identischen Vokabular sorge Trump nun auch in der Politik für Furore.

Trump, der sein persönliches Vermögen auf «mehr als 10 Milliarden Dollar» schätzt, insistiert, dass seine Präsidentschaftskandidatur ernst gemeint ist. «Nein, das ist keine Reality Show», sagte er am Wochenende dem Interview-Programm «Meet the Press». Dann fügte er an: Seine Kandidatur sei «das einzig Wahre», oder, im Original, «the real deal» – eine dieser Floskeln, mit denen Trump wohl jeweils in harten Verhandlungen um einen Immobilien-Deal auftrumpfte.

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