US-Wahlen
Der erste schwule US-Minister: Der Lieblings-Demokrat von «Fox News » verstärkt Joe Bidens Team

Das Amt als Verkehrsminister ist für den 38-jährigen Pete Buttigieg wohl nur der nächste Schritt auf dem Weg zu viel höheren Weihen.

Renzo Ruf aus Washington
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Pete Buttigieg (hier noch als Präsidentschaftskandidat) wird als zukünftiger Verkehrsminister rund 55'000 Leute unter sich haben.

Pete Buttigieg (hier noch als Präsidentschaftskandidat) wird als zukünftiger Verkehrsminister rund 55'000 Leute unter sich haben.

Keystone

Das Jahr 2020 begann für «Mayor Pete» mit einem Triumph: Am 3. Februar, kurz vor Mitternacht, liess sich Pete Buttigieg in Des Moines als Sieger der Vorwahlen von Iowa feiern. «Was für eine Nacht», rief der Jungpolitiker seinen begeisterten Anhängern zu, bevor ihn sein Gatte Chasten küsste und umarmte. Alles schien möglich für den Jungpolitiker aus dem Bundesstaat Indiana.

Es kam bekanntlich alles anders. Und deshalb endet das Jahr für Buttigieg nun mit einem Trostpreis. Am Mittwoch stellte der designierte neue Präsident Joe Biden ihn als neuen Verkehrsminister vor. Sollte Buttigieg im kommenden Jahr durch den Senat bestätigt werden, wäre er zuständig für die Infrastruktur der grössten Volkswirtschaft und Chef von rund 55'000 Ministeriumsangestellten, die ein Budget von 87 Milliarden Dollar verwalten.

Buttigieg getraute sich als einer der wenigen Demokraten in die «Fox News»-Studios

Dies klingt alles andere als glamourös. Aber vielleicht ist dies auch das Ziel von Buttigieg: An der Spitze eines Ministeriums, das neue Autobahnbrücken plant und ein Chaos im zivilen Luftraum verhindert, kann er sich als stiller Schaffer bewähren. In der ersten, wilden Phase der Vorwahlen war er zum Medienphänomen abgestempelt worden, auch weil der ehemalige Stadtpräsident von South Bend (Indiana) aus seiner Homosexualität kein Geheimnis machte. Dass Buttigieg, Sohn eines Einwanderers aus Malta, sich zudem in einem halben Dutzend Weltsprachen unterhalten konnten, machte ihn zu einem attraktiven Gesprächspartner.

Buttigieg kommt nun auch zugute, dass er den direkten Draht zum künftigen Präsidenten gefunden hat, nachdem sich die beiden im Wahlkampf nichts geschenkt hatten. So verglich ihn Biden mit seinem verstorbenen Sohn Beau, der wie Buttigieg freiwillig Militärdienst geleistet hatte. Auch bewährte sich der ehemalige Präsidentschaftskandidat in der heissen Wahlkampfphase als energischer Fürsprecher Bidens. Buttigieg trat wiederholte Male auf dem «Fox News Channel» auf. Um diesen Kanal machen demokratische Politiker normalerweise einen grossen Bogen, weil «Fox News» als Haussender Trumps gilt.

Hinzu kommt: Als Verkehrsminister besitzt Buttigieg einen grossen Spielraum. Demokraten und Republikaner sind sich einig, dass die amerikanische Infrastruktur sanierungsbedürftig ist; der Minister wird deshalb in den kommenden Jahren alle Hände voll zu tun haben. Er habe schon lange ein Flair für Verkehrsfragen, sagte Buttigieg am Mittwoch an einer Pressekonferenz. So habe er um die Hand seines heutigen Gatten am internationalen Flughafen von Chicago angehalten, erzählte er schmunzelnd. «Soll niemand sagen, O'Hare ist nicht romantisch.»

Und obwohl die Umweltpolitik nicht direkt in die Zuständigkeit des Ministeriums fällt, könnte sich Buttigieg als Vorkämpfer für nachhaltiges Bauen profilieren. Ein Plus des neuen Jobs: Ein Verkehrsminister ist ständig unterwegs, und es fällt nicht weiter auf, wenn er Kontakte zu Lokalpolitikern knüpft – und damit die Grundlage für eine weitere Präsidentschaftskandidatur legt.