Japan
Das bisher ruhige Tokio wird panisch – Deutschland legt Atomkraftwerk still

Frankreichs Atomenergiebehörde wertet die aktuellen Vorgänge im Kraftwerk Fukushima I auf Stufe 6 von 7 der Internationalen Bewertungsskala ein. Die Tepco warnt vor zu hoher Radioaktivität im Kraftwerk. Flüchtlinge müssen Minusgrade überstehen.

Michael Küng
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Japanische Atomkraftwerke

Japanische Atomkraftwerke

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17:00 Evakuierung Tokios «unmöglich» Der Experte Gerold Reichenbach sagt, Japans Katastrophenschutz zähle zwar zu den besten der Welt: «Wenn es jemand schafft, dann der japanische Katastrophenschutz». Doch so viele Menschen in derart kurzer Zeit aus Tokio zu bringen – die Metropolregion hat 35 Millionen Einwohner – sei undenkbar, sagt er gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa. Noch nie habe es etwas vergleichbares auf der Welt gegeben, zudem gelte es zu Bedenken, dass die Menschen nicht nur evakuiert, sondern anschliessend auch untergebracht und mit dem nötigsten versorgt werden müssten. Das schaffe auch kein gut vorbereitetes Land.

16:49 Erste Anzeichen von Panik in Tokio Nachdem in den ersten vier Tagen der Katastrophe Korrespondenten überwiegend beeindruckt waren von der Ruhe, die die Bewohner der Millionenmetropole bewahrten, beginnt die Stimmung nun an zu kippen: Viele Tokioter vertrauen der Informationspolitik von Regierung und Kraftwerkbetreiber Tepco nicht. Sie nehmen an, dass die Lage weit schlimmer ist, als kommuniziert. Grund zum Misstrauen gibt es: Vor neun Jahren wurden sämtliche Kernkraftwerke Tepcos auf einen Schlag abgeschaltet, nachdem aufgedeckt wurde, dass die Betreibergesellschaft während 16 Jahren Berichte gefälscht und Inspektionen verschleppt hat – um Kosten zu sparen.

Ein Tokioter schildert die aktuelle Gemütslage:

16:28 Deutschland legt Atomkraftwerk still Die Regierung Angela Merkels hat entschieden, per sofort das Kernkraftwerk Neckarwestheim I abzuschalten. Ausserdem wird geprüft, kürzlich genehmigte Laufzeitverlängerungen für sechs weitere Kraftwerke zurückzuziehen. Kurzfristig werden die betroffenen Atomkraftwerke für drei Monate abgeschaltet. In dieser Zeit sollen die Sicherheitsstandards geprüft werden.

15:34 Weiteres starkes Nachbeben in Tokio Um genau 22:30 Ortszeit erschütterte ein Erdbeben mit der Stärke 6,0 Japans Millionenmetropole. Aus der Nähe des Epizentrums, das 130 Kilometer südwestlich Tokios lag, gibt es Berichte, wonach das Nachbeben rund zehn Sekunden angehalten haben soll.

15:13 Arbeiter in Atomkraftwerk extrem hoher Strahlenbelastung ausgesetzt Zur Zeit weilen immer noch 50 Arbeiter im Kraftwerk Fukushima I und versuchen die sechs Reaktoren, die sich alle in kritischem Zustand befinden, unter Kontrolle zu halten. Zuletzt bekannt gewordene Berichte der Betreibergesellschaft Tepco geben an, dass in den Kontrollräumen bis zu 600 Millisievert gemessen wurden. Schon nur kurzfristige Belastungen von 250 Millisievert gelten als Auslöser der Strahlenkrankheit. Soweit bekannt, werden die Arbeiter bis auf weiteres nicht evakuiert.

15:03 «Die lokalen Medien spielen die Situation herunter» Die Lehrerin Lauren Cha aus Fukushima schreibt der BBC: «Gestern schien alles okay und wir haben aufgehört, über ein Verlassen Fukushimas zu reden. Aber heute sieht die Situation ernster aus und alle beginnen, sich Sorgen zu machen. Ausländer machen sich vermehrt Gedanken darüber, das Land zu verlassen. Die Berichte die wir aus dem Ausland mitbekommen klingen sensationell, während lokale Medien die Situation herunterspielen.»

14:58 Radioaktive Strahlung in Tokio gemessen Gemäss «Japan Times» lagen die Werte radioaktiver Strahlung in Tokio heute morgen Ortszeit rund 20 Mal höher als normal. Behörden geben an, es bestehe kein Sicherheitsrisiko.

14:42 Ausbau von Stromsperren angekündigt Die Tepco, die unter anderem auch das Problemkraftwerk Fukushima I betreibt, plant einen weiteren Ausbau der bereits in Tokio eingeführten Stromsperren. Weil das Land durch die massiven Reaktorprobleme bereits über einen Fünftel seiner Energieversorgung eingebüsst hat, sollen künftig kontrollierte Blackouts auf den Nordosten und den Norden des Landes ausgedehnt werden. Die Blackouts sollen bis mindestens Ende April weitergeführt werden. Kritiker fürchten, dass das Vorgehen dazu führt, dass die ohnehin von Erdbeben und Tsunami bereits schwer getroffenen Gegenden im Nordosten und Norden des Landes dadurch noch weiter benachteiligt würden.

14:09 Kühlung von Reaktor 4 gelingt nicht Laut neustem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo gelingt es Kraftwerkbetreiber Tepco nicht, den sich in kritischem Zustand befindenden Reaktor 4 mit Meerwasser zu kühlen.

14:04 Bericht über die Situation im Nordosten Japans Ein auf YouTube publizierter Bericht der BBC schildert die Situation in der Krisenregion:

13:36 100 000 Kinder obdachlos Laut der Organisation Save the Children seien um die 100 000 Kinder obdachlos: «Es ist unglaublich kalt und sehr nass», meint ein Sprecher. Meteodienste haben für die heutige Nacht in Japan Minusgrade angekündigt, weite Teile des Katastrophengebiets sind ohne Strom und fliessendes Wasser.

13:24 Zu hohe Radioaktivität in Fukushima I Laut einer Kurzmeldung der japanischen Newsagentur Kyodo ist die Radioaktivität im Kernkraftwerk Fukushima zu hoch für die 50 Mitarbeiter die noch in der Anlage sind. Sie versuchen zur Zeit noch, die die Lage so weit wie möglich unter Kontrolle zu halten, müssten aber wohl evakuiert werden, wenn sich der Bericht bestätigt.

13:10 Schweizer Soldaten unterstützen Alarmzentralen Sechs Soldaten der Sektion Information der Schweizer Armee unterstützen die Nationale Alarmzentrale (NAZ) in Zürich. Die Soldaten entlasten die NAZ, da diese mit Anfragen zu Japan überhäuft wird. Bis am Dienstagmittag sind gegen 100 Anrufe eingegangen.

13:06 Swiss untersucht Flugzeuge Immer mehr Fluggesellschaften reagieren mit Massnahmen auf die nukleare Krise in Japan. So fliegen Lufthansa und andere Tokio gar nicht mehr an. Eine österreichische Fluggesellschaft lässt ihre Flüge von ABC-Spezialisten der Bundeswehr begleiten, die im Landeanflug Messungen durchführen. Nun reagiert auch die Swiss: Wie andere Fluggesellschaften auch, lässt sie ihre Flugzeuge, die Tokio anfliegen, nun auf Radioaktivität prüfen.

12:44 Notfallmanöver führte zu Explosion Die Explosion letzte Nacht in Reaktor 2 wurde von einem fehlgeschlagenen Notfallmanöver ausgelöst, berichtet Spiegel Online. Die Newsseite sprach mit Wolfgang Sandner, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Er berichtet, dass die Experten vor Ort die Brennstäbe absichtlich trockengelegt haben. Das sollte es ermöglichen, kühlendes Meerwasser über eine Feuerwehrleitung einfliessen zu lassen.

12:05 Atomarer Ausfall schlägt über Pazifik nieder Laut der UNO-Wetteragentur WMO ist zur Zeit weder Japan noch ein anderes Land von atomarem Ausfall bedroht. Bei aktueller Wetterlage werde sich der Ausfall über dem Pazifik verteilen. Richtungswechsel von Winden seien allerdings möglich.

12:00 Starkes Nachbeben in Fukushima Die Präfektur wurde heute Abend (Ortszeit) von einem Nachbeben der Stärke 6,3 erschüttert, berichtet der meteorologische Dienst Japans.

11:49 Die Nacht bricht ein In Japan ist es jetzt 19:49. Gegenüber dem Fernsehsender THV berichten Bewohner von Notunterkünften, dass ihre grösste Sorge allfällige Nachbeben seien, die viele vom Schlafen abhalten würden. Ausserdem sei es sehr kalt, da sie keine Heizung haben. Am dringendsten wünschen sie sich eine Möglichkeit, um mit der Aussenwelt kommunizieren zu können.

Bewohner einer Notunterkunft machen Tee und wärmen sich bei Minusgraden am offenen Feuer

Bewohner einer Notunterkunft machen Tee und wärmen sich bei Minusgraden am offenen Feuer

Keystone

11:46 So kann sich die Bevölkerung im Ernstfall schützen Die Einwohner müssen beim Eintreffen einer radioaktiven Wolke die Fenster verschliessen, die Klimaanlagen und Lüftungen ausschalten und sich wenn möglich in einen Schutzraum begeben, so Roland Scheidegger, Strahlenbiologe des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI). Zum Artikel.

11:28 Fussballliga setzt Betrieb aus, Wahlen werden verschoben Die Fussballliga Japans führt bis auf weiteres keine Spiele mehr durch. Die Regierung plant ausserdem, Aprilwahlen in vom Unglück stark betroffenen Gebieten um voraussichtlich etwa 6 Monate zu verschieben.

11:22 Noch 50 Arbeiter in Atomkraftwerk In Fukushima I arbeiten zur Zeit laut Betreiber Tepco noch 50 von 800 Mitarbeitern. Bei einer weiteren drastischen Verschlechterung der Lage werden auch sie evakuiert werden müssen. Kernschmelzen zumindest in den Reaktoren 1 bis 3 gelten dann laut Experten als sehr wahrscheinlich. Einige spekulieren darauf, dass es Fernsteuerungsanlagen geben könnte, wie sie in einigen Ländern für ebensolche Situationen in Bunkern installiert sind. Ob das bei Fukushima I der Fall ist, ist jedoch nicht klar.

11:20 Statusbericht zu den sechs Reaktoren Die Agentur Kyodo hat eine Übersicht über die aktuelle Lage in den sechs Reaktoren des Kraftwerks Fukushima I veröffentlicht:

Reaktor 1: Kühlsystem ausgefallen, teilweise Kernschmelze, Wasserstoffexplosion, Meerwasser zur Kühlung eingeleitet
Reaktor 2: Kühlsystem ausgefallen, teilweise Kernschmelze, Meerwasser zur Kühlung eingeleitet, Schäden an den Hüllen
Reaktor 3: Kühlsystem ausgefallen, teilweise Kernschmelze, Wasserstoffexplosion
Reaktor 4: Während Erdbeben zu Wartungszwecken abgeschaltet, Wasserstoffexplosion und darauffolgendes Feuer, Kühlwasserstand fällt ab
Reaktor 5: Während Erdbeben zu Wartungszwecken abgeschaltet, Probleme mit der Kühlung
Reaktor 6: Während Erdbeben zu Wartungszwecken abgeschaltet, Probleme mit der Kühlung

11:02 70-jährige erfolgreich gerettet Zur Abwechslung eine gute Nachricht: Rettungskräften ist es laut dem japanischen Fernsehsender NHK gelungen, eine 70-jährige Frau aus den Trümmern ihres eingestürzten Hauses in Otsuchi zu retten. Sie ist unterkühlt und wird im Spital behandelt. Gleichzeitig wurde bekannt, dass ausserdem in Ishimaki ein junger Mann lebend geborgen werden konnte.

Erfolgreiche Rettung (Screenshot NHK)

Erfolgreiche Rettung (Screenshot NHK)

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10:58 Reaktorhülle bricht Die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtet, dass in Reaktor 4, wo vor einigen Stunden – laut Informationen von Spiegel Online offenbar mit Hilfe von US-Soldaten – ein ausgebrochenes Feuer gelöscht werden konnte, die äussere Reaktorhülle zwei acht Quadratmeter grosse Löcher aufgebrochen sind.

10:46 Flüge in die Schweiz komplett ausgebucht Die Flüge der Swiss von Tokio nach Zürich sind seit kurzem ausgebucht. Es wollten immer mehr Leute aus Japan in die Schweiz zurückkehren, sagt Swiss-Mediensprecher Jean-Claude Donzel auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Flüge erreichten vor dem Erdbeben keine Vollauslastung.

10:30 Kochendes Kühlwasser, Wasserpegel sinkt In einer Eilmeldung berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo, dass laut einem Offiziellen der Betreibergesellschaft Tepco nach dem Feuer in Reaktor 4 das Kühlwasser kochen könnte. Das würde zu einer weiteren gefährlichen Senkung des Kühlwasserstands führen.

10:21 Radioaktive Wolke könnte auf Pazifik getrieben werden Mehrere Meteostationen berichten einstimmig, dass sich der Wind von Fukushima aus zur Zeit nach Süden in Richtung Tokio bewegt. Allerdings solle der Wind im Verlauf des Tages kehren, wodurch allfällige radioaktive Wolken aller Voraussicht nach Richtung Osten auf den offenen Pazifik getragen werden.

10:18 Strahlung in Fukushima nimmt ab Laut einem Regierungssprecher ist die Strahlung vor dem Atomkraftwerk Fukushima I in den letzten 12 Stunden abgenommen. Die Explosion in Reaktor 2 hat sich kurz vorher zugetragen. Laut Angaben von Spiegel Online betrug die Strahlung vor 12 Stunden 11,9 Millisievert, heute morgen um 06:30 Uhr waren es noch 0,6 Millisievert. Die durchschnittliche Umweltbelastung liegt bei 2,1 Millisievert – schon eine kurze Belastung von vier Sievert gilt als tödlich.

10:03 Gau gilt als möglich Bei der Explosion in Reaktor 2 wurden die Arbeiter im Gebäude abgezogen. Deshalb ist zur Zeit unklar, wie stark der Reaktor beschädigt ist. Die Behörden haben Atomalarm ausgelöst. Sie sprechen von einer «sehr hohen» atomaren Belastung. Experten erachten es als wahrscheinlich, dass es in Reaktor 2 zumindest teilweise zu einer Kernschmelze gekommen ist.

09:59 Hamsterkäufe in Tokio In der 34 Millionen Einwohner zählenden Metropolregion sind laut Reuters Kerzen, Schlafsäcke, Radios und Taschenlampen restlos ausverkauft. Benzin und Nahrungsmittel sind bereits seit einigen Tagen in weiten Teilen des Landes Mangelware. Die Menschen würden vor allem Fertiggerichte kaufen, berichten Reporter vor Ort.

09:55 Reaktoren 5 und 6 instabil Nachdem es bereits in den Reaktoren 1 bis 4 zu ernsten Komplikationen gekommen ist, haben nun laut Nachrichtenagentur Kyodo auch die Reaktoren 5 und 6 Probleme mit der Kühlung. Die Lage in den Reaktoren 1 und 3 sei im Moment hingegen stabil, so ein Regierungssprecher. In Reaktor 2, in dem es in der letzten Nacht mitteleuropäischer Zeit zu einer Explosion gekommen ist, wird zur Zeit geprüft, ob auch dort der Einlass von Meerwasser zur Kühlung möglich ist.

09:52 Gespenstische Leere auf Tokios Strassen Dieses Video zeigt nach Angaben des Uploaders Tokios Expressway am Sonntagmorgen um 08:00 Uhr japanischer Zeit. Die sonst völlig verstopften Strassen sind leer, die wenigen Autos auf der Strasse haben eine hektische Fahrweise.

09:43 Japan Crisis Housing Die Webseite Couchsurfing hat einen speziellen Bereich eingerichtet, in dem Obdachlose in Japan nach einer Unterkunft bei Menschen suchen können, die das Unglück weniger hart getroffen hat. Couchsurfing ist ein Gastfreundschaftsnetzwerk, in dem man Reisenden Unterschlupf gewähren kann. Das Netzwerk wurde von einem US-amerikanischen Philanthropen gegründet, der sich die Stärkung des Kulturaustauschs auf die Fahne geschrieben hat.

09:30 Zahl der Toten und Vermissten steigt auf über 6000 Die Polizei gibt neu 2475 Tote und 3611 Vermisste an. Die Zahl dürfte noch deutlich steigen, da noch viele Leichen unidentifiziert sind.

09:22 102 Länder haben Hilfe angeboten Nach Angaben von Japans Aussenminister haben dem Land bereits 14 internationale Organisationen sowie 102 Staaten Unterstützung angeboten, darunter Länder wie Afghanistan und Ruanda, berichtet Kyodo. Gleichzeitig gibt es aber auch bereits erste Berichte wonach einige ihre Suchtrupps wieder zurückrufen würden, weil 90 Stunden nach dem Erdbeben kaum noch Hoffnung bestehe, Überlebende zu finden.

08:46 Feuer in Reaktor 4 gelöscht Ein in der Nacht ausgebrochenes Feuer in Reaktor Nummer 4 konnte gemäss dem japanischen Sender NHK gelöscht werden. Das Feuer entstand kurz nachdem sich in Reaktor 2 eine Wasserstoffexplosion ereignet hat, ähnlich, wie sie sich zuvor schon in den Reaktoren 1 und 3 zugetragen hat. Allerdings wird bei Reaktor 2 befürchtet, dass erstmals auch die Schutzhülle beschädigt worden sein könnte. Die Berichte dazu sind noch widersprüchlich.

08:20 Aargauer Parlament vertagt Atomdebatte Das Aargauer Kantonsparlament debattiert nicht wie vorgesehen am Dienstag über zwei Richtplangeschäfte für das AKW Beznau. Das Ratsbüro strich die Geschäfte am Morgen von der Traktandenliste und sistierte sie, wie es in einer Mitteilung heisst.

08:01 Toyota spendet 3,4 Millionen Franken Toyota hat die Produktion in Japan für zunächst drei weitere Tage ausgesetzt, um festzustellen, ob alle eigenen Mitarbeiter und die Mitarbeiter von Zulieferern einschliesslich ihrer Familien gesund und in Sicherheit sind. Gleichzeitig wurden Hilfstransporte in die am stärksten betroffenen Regionen im Nordosten Japans gestartet. Eine LKW- Kolonne, beladen unter anderem mit Lebensmitteln, Decken und transportablen Toiletten, sowie mehrere Fahrzeuge mit Benzin- und Wasservorräten sind bereits vor Ort, um die Menschen mit den lebensnotwendigsten Gütern zu versorgen. Weitere Transporte sind in der Planung, darüber hinaus ist eine erste Spende in Höhe von 300 Millionen Yen, umgerechnet 3,4 Millionen Franken, bereitgestellt.

07:53 Atomkrise löst Panikverkäufe aus Die neue Eskalation der Atomkrise mit einer drohenden Strahlenverseuchung Tokios hat an der japanischen Börse den grössten Kurssturz seit dem Höhepunkt der Finanzkrise ausgelöst. Der Leitindex der Börse büsste mehr als zehn Prozent ein und verbuchte damit das grösste Minus seit Oktober 2008. Zwischenzeitlich war das Barometer sogar um mehr als 14 Prozent abgestürzt - dies wäre der grösste Verlust seit dem Börsencrash 1987 gewesen. Der massive Kurssturz dürfte die enormen wirtschaftlichen Folgen des Erdbebens weiter verschärfen. Allein der Börsenwert der grössten an der japanischen Börse notierten Konzerne ist bislang in dieser Woche um rund 700 Mrd. Dollar gefallen.

07:18 Weiter verunsichernde Wetterlage Die Wettervorhersagen kündigten für heute Abend Wind und Schnee aus nordöstlicher Richtung an. Ein mögliche radioaktive Wolke aus Fukushima könnte so Richtung Tokio getragen werden. Später soll der Wind Richtung Westen auf das offene Meer beidrehen.

07:15 Strahlung in Tokio gemessen Nach einer neuen Explosion im Atomkraftwerk Fukushima 1 ist die radioaktive Strahlung auch in der Nähe von Tokio angestiegen. wurden geringe Mengen radioaktiver Substanzen gemessen, darunter Cäsium und Jod, wie die Verwaltung der Metropolregion nach Berichten der Nachrichtenagentur Kyodo erklärte. Gesundheitliche Bedenken gebe es nicht. In der Präfektur Ibaraki nahe der Region um Fukushima sei die Strahlung 100 Mal höher als normalerweise, teilten die Behörden dort mit. In der Präfektur Kanagawa südlich von Tokio stieg die Belastung auf das zehnfache des Normalwertes. In der Präfektur Chiba östlich der Hauptstadt seien zwei- bis viermal so hohe Werte wie normal gemessen worden. In der Stadt Utsunomiya nördlich von Tokio seien die Werte 33-mal höher als normal, hiess es weiter.

06:21 Flugverbotszone über AKW Die Regierung hat nach der erneuten Destabilisierung der Lage eine Flugverbotszone über dem Atomkraftwerk Fukushima eingerichtet.

03:21 Feuer in Reaktor 4 In Reaktor 4 der bereits schwer beschädigten japanischen Atomanlage Fukushima 1 ist ein Feuer ausgebrochen. Japans Regierungschef Naoto Kan sagte am Dienstag, dort sei zudem eine «deutlich erhöhte» Radioaktivität gemessen worden. Er rief die Bevölkerung in den Evakuierungszonen um die beiden Atomkraftwerke von Fukushima eindringlich auf, diese Gebiete zu verlassen. Die meisten Bewohner hätten diese Aufforderung bereits befolgt. Jetzt würden alle aufgefordert, die Zonen zu verlassen. Komplett geräumt werden sollen ein Umkreis von 20 Kilometern um Fukushima Eins und 10 Kilometer um Fukushima Zwei. Die Bevölkerung im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern wurde aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben. Zuvor hatte sich eine schwere Explosion in Reaktor 2 ereignet, in deren Folge laut einem Medienbericht südlich des Kraftwerks erhöhte Strahlenwerte gemessen wurden.

01:55 Explosion in Reaktor 2 Im Atomkraftwerk Fukushima ist es in der Nacht zum dritten Mal seit dem schweren Erdbeben zu einer Explosion gekommen. Nach einem lauten Knall im Reaktor 2 der Anlage sei der Druck abgefallen, teilte die Betreibergesellschaft Tepco mit. Dies deute darauf hin, dass im Unterschied zu den beiden ersten Explosionen am Samstag und Montag der Reaktor selbst beschädigt worden sei. Tepco bezeichnete die Lage als «sehr schlimm».