Syrien
Damaskus bereitet sich auf mögliche Angriffe durch die USA vor

Damaskus feiert den errungenen «Sieg» in Douma. Die Leute haben aber Angst.

Michael Wrase aus Masnaa
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Syrische Soldaten in Ost-Ghuta.

Syrische Soldaten in Ost-Ghuta.

EPA

Samira sieht müde und abgekämpft aus. Mehr als zwei Stunden, erzählt die junge Mutter mit dem quengelnden Kleinkind auf dem Arm, habe sie für die nur 40 Kilometer lange Fahrt von Damaskus zur syrisch-libanesischen Grenze gebraucht. Die Armee habe zusätzliche Checkpoints errichtet. Die Soldaten seien nervös und gereizt gewesen und hätten die Fahrzeuge unnötig lange aufgehalten.

Die «Unruhe» in der syrischen Hauptstadt bestätigt auch Abdelkader, der, wie Samira, seinen vollen Namen nicht gedruckt sehen möchte. «Natürlich haben die Leute Angst, sitzen fast den ganzen Tag vor dem Fernsehen und warten auf Breaking News», erzählt der syrische Kaufmann, den wir in der libanesischen Grenzstadt Masnaa trafen. «Trump», fügt der korpulente Mann schwer atmend hinzu, bringe die Syrer «mit seinen «Tweets, seiner psychologischen Kriegsführung» fast zur Verzweiflung.

Allerdings habe sich die Lage in Damaskus wieder etwas beruhigt. Die Restaurants in der Altstadt würden gut besucht, was auch damit zu tun habe, dass die Rebellen in Ost-Ghuta inzwischen kapituliert und den Granatwerferbeschuss der Hauptstadt eingestellt hätten.

«Dennoch müssen wir weiterhin mit dem Schlimmsten rechnen», betont Hassan, der mit seiner sechsköpfigen Familie im Libanon «nur ausspannen» will. Nach Damaskus, betont der Uhrmacher, werde man «natürlich» zurückfahren. Für eine Flucht, wie vor fünf Jahren, als der damalige US-Präsident Obama mit massiven Militärschlägen gedroht und diese später wieder abgesagt hatte, bestünde dieses Mal kein Anlass.

Der Reiseverkehr an der Grenze sei «wieder normal», bestätigt auch ein libanesischer Gendarm. Das sei zu Wochenbeginn noch anders gewesen. Allerdings würden aus dem Libanon jetzt weniger Menschen nach Syrien fahren, bemerkt der Gendarm mit einem vielsagenden Grinsen.

Chemiewaffen-Experten erwartet

Am Grenzübergang von Masnaa wurden gestern Nachmittag auch die Inspektoren der «Organisation für das Verbot chemischer Waffen» (OPCW) erwartet. Die Experten wollen bereits an diesem Wochenende mit der Untersuchung des mutmasslichen Giftgasangriffes in der Stadt Douma beginnen. Ihre Einreisevisa hatten sie innerhalb von 48 Stunden von der syrischen Regierung erhalten, die die OPCW ausdrücklich nach Syrien eingeladen hatte. Die Chemiewaffenexperten, heisst es in Damaskus, würden schon bald feststellen, dass es sich bei den mutmasslichen Chlorgasangriffen um «eine Inszenierung der Rebellen» handle. Die meisten von ihnen wurden inzwischen aus Douma evakuiert, in die noch von Rebellen kontrollierte Provinz Idlib im Norden des Landes gebracht.

In der verwüsteten Damaszener Vorstadt patrouillieren seit Mittwoch russische Militärpolizisten, die auch die Evakuierung der Aufständischen überwachen. Ihre vielleicht auch mit Giftgas erzwungene Kapitulation wird von der syrischen Regierung als ein «grosser Sieg» gefeiert – was aus dem Blickwinkel des Regimes auch zutrifft.

Denn mit Douma haben die Rebellen ihre letzte grosse, zur Festung ausgebaute Hochburg vor den Toren von Damaskus verloren. Fast 40 000 Aufständische wurden evakuiert. Für die syrische Armee und ihre Verbündeten bedeutet das eine enorme Entlastung.

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