Coronavirus
US-Gesundheitsbehörde sagt: Wer geimpft ist, kann das Coronavirus nicht übertragen

Die amerikanische Coronaexpertin Rochelle Walensky überrascht mit der Aussage, dass sämtliche geimpfte Menschen das Virus nicht mehr übertragen. Einen direkten Beweis für diese Aussage liefert Walensky allerdings nicht.

Renzo Ruf aus Washington
Merken
Drucken
Teilen
Gemäss den Aussagen von CDC-Direktorin Rochelle Walensky können Geimpfte das Coronavirus nicht übertragen.

Gemäss den Aussagen von CDC-Direktorin Rochelle Walensky können Geimpfte das Coronavirus nicht übertragen.

Susan Walsh / AP

Die Direktorin der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC hat am Wochenende die Entscheidung verteidigt, geimpfte Menschen ab sofort von der Maskenpflicht zu befreien – obwohl dieser am Donnerstag publik gewordene Empfehlung auch in Amerika auf Kritik stösst. In der Gesprächssendung «Meet the Press» sagte Rochelle Walensky, die ihren Posten dem neuen Präsidenten Joe Biden verdankt: «Diese Impfung wirkt im Alltag und sie schützt vor Mutationen.»

Eine brandneue wissenschaftliche Studie habe gar den Beweis erbracht, dass geimpfte Menschen, die an Covid-19 erkrankt seien, aber keine Symptome zeigten, den Virus «nicht wirklich übertragen können», sagte Walensky am Sonntag.

Aus den Ausführungen der CDC-Direktorin ging nicht hervor, auf welche Studie sie sich bezog, um ihre überraschende Aussage zu untermauern. Ihre Behörde zitierte allerdings in den vergangenen Tagen eine ganze Reihe von Studien, die detailliert nachweisen, dass die Coronaimpfungen wirksam sind.

Demnach hat die Pfizer- und Moderna-Impfungen, die in Amerika am häufigsten eingesetzt werden, 14 Tage nach der zweiten Dosis eine Wirksamkeit von 94 Prozent. Und selbst wer auf die zweite Spritze verzichtet, ist immer noch zu etwas mehr als 80 Prozent vor einer symptomatischen Erkrankung geschützt, wie es in der Publikation MMWR (Morbidity and Mortality Weekly Report) der CDC nachzulesen ist.

Eine israelische Studie, die zu Monatsbeginn auf der Internet-Plattform der American Medical Association publiziert wurde, wies zudem nach, dass die Pfizer-Impfung zu 86 Prozent wirksam sei, um vor asymptomatischen Ansteckungen zu schützen. Keine der beiden erwähnten Studien scheint sich allerdings direkt mit dem Szenario befasst zu haben, das Walensky erwähnte – mit der Frage also, um asymptomatische Erkrankte, die geimpft sind, das Virus noch übertragen können.

Glaubt man den Zahlen der CDC, die Buch über so genannte Breakthrough Infections führt, dann kommt das in der Praxis nur sehr, sehr selten vor. Vor einer Woche waren den Gesundheitsbehörden landesweit 1360 «Breakthrough Infections» bekannt – angesichts von 123 Millionen Menschen in den USA, die vollständig geimpft sind, eine verschwindend geringe Zahl. 282 dieser Patientinnen und Patienten sollen asymptomatisch gewesen sein. 223 starben.

An amerikanischen Flughäfen herrscht immer noch Maskenpflicht

Walensky verteidigte sich am Sonntag in mehreren Fernsehinterviews für das forsche Vorgehen ihrer Gesundheitsbehörde, die bisher die Maskenpflicht hochgehalten hatte. Sie sagte, die neuen CDC-Empfehlungen seien keine «Erlaubnis für alle, die Maske überall abzustreifen», sagte Walensky.

So herrscht an Flughäfen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Schulen immer noch die Pflicht, einen Gesichtsschutz zu tragen. Auch wollen einige private Ladenketten vorerst nicht von der Maskenpflicht abrücken. Letztlich wollten die CDC aber einen Anreiz für diejenigen Amerikanerinnen und Amerikaner bieten, die sich noch nicht geimpft haben. Wie sagte es doch Walenksy in «Meet the Press»: «Wer nicht geimpft ist, und keine Maske trägt, ist nicht geschützt.»