Covid-Pandemie
Corona in den USA: Getrübte Freude über stark gesunkene Fallzahlen

Der Januar 2021 brachte den Amerikanern ein neues Hoch an Covid-Fallzahlen. Seither gingen sie zwar rasant zurück, aber seit Anfang März stagnieren sie.

Christoph Bopp
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Entspannung oder Ruhe vor dem nächsten Sturm? Die Lage an der Corona-Front ist unklar. In Utah sollen die Restriktionen bald fallen.

Entspannung oder Ruhe vor dem nächsten Sturm? Die Lage an der Corona-Front ist unklar. In Utah sollen die Restriktionen bald fallen.

Rick Bowmer/Keystone

Seit dem letzten Sommer und dem darauffolgenden Herbst hat es uns gedämmert: Die guten Nachrichten von heute können die schlechten von morgen verbergen. So auch in den USA, wo die Fallzahlen nach einem dramatischen Peak im Januar drastisch zurückgegangen sind. Mittlerweile, seit Anfang März, haben sie ein Plateau erreicht und sinken nicht mehr in gleichem Ausmass.

Und so mischt sich schon wieder Sorge ins Aufatmen. Geht es wieder los? Oder haben wir das Schlimmste hinter uns?

Betrachten wir die Gründe, die angeführt werden dafür, dass die Fallzahlen so rapide gesunken sind, so gibt es in der Tat für alle ein «Caveat», wie die Amerikaner das nennen: einen «Hüte-dich-vor-vorschnellen-Schlüssen»-Hinweis.

Verhalten. Das Januarhoch versetzte vielen Amerikanern einen Schock. Damit hatten sie nicht gerechnet. Sie blieben zu Hause und vermieden unnötige Kontakte. Darauf deutet auch das Mobilitätstracking hin: Die Zahl der Autofahrten nahm nach Mitte Januar ab. Das Ab­flachen der sinkenden Kurven stützt auch der Umstand, dass mehrere Staaten die Massnahmen gelockert oder ausgesetzt haben, obwohl die Fallzahlen absolut gesehen immer noch hoch sind. Und wenn man den Frühling und das warme Wetter in Betracht zieht, dann kann man immer die Erinnerung an den letzten Sommer anführen: Auch der fühlte sich gut an, man merkte erst im Nachhinein, was man alles verpasst hatte, als es im Herbst zu einer neuen Welle kam.

Die Impfungen. Das Impftempo mit mittlerweile fast zwei Millionen Impfungen am Tag ist beeindruckend hoch. Und wenn noch mehr Impfstoffe die Zulassung kriegen werden, kann das Ziel von Präsident Joe Biden, bis Ende Sommer alle Impf­willigen geimpft zu haben, durchaus in Reichweite liegen. Was man auch nicht übersehen darf: Die Impfungen verhindern nicht nur neue Ansteckungen, sondern auch schwere Verläufe und damit verbunden auch Todesfälle.

Epidemiologen verbreiten manchmal die umstrittene These, dass sich das Virus während der Epidemie abschwäche. Bei den Impfstoffen ist das leider eine Tatsache. Je länger grosse Menschenmengen an Ungeimpften dem Virus zur Verbreitung zur Ver­fügung stehen, desto mehr und effektiver kann es Mutationen anhäufen. Was sicher schwächer wird während einer grassierenden Epidemie ist die Qualität der Impfstoffe.

Die Immunität. Sie wird auf durchschnittlich 15 bis 30 Prozent der Bevölkerung geschätzt, also weit von Herdenimmunität entfernt. Aber es könnte trotzdem ein ähnlicher Effekt am Werk sein. Das Virus grassiert in bestimmten Schichten mehr. Sie können sich nicht so gut schützen oder im Homeoffice arbeiten. Und hier könnte bereits ein grösserer Teil sich eine gewisse Immunität erworben haben.

Die Mutationen. Auch in den USA ist wie bei uns ein grosses Caveat: Dass hinter den sinkenden Zahlen bereits die neue Welle lauere. Während sich die Lage zu verbessern scheint, verbreiten sich die mutierten Varianten in der Population. Und werden dann, wenn sie die vorherrschenden Varianten sind, eine neue Welle triggern. Wie sich die Mutationen genau bei immunisierten oder geimpften Menschen auswirken, ist immer noch nicht definitiv geklärt. Wiederansteckungen scheint es punktuell gegeben zu haben.

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