Neuer Bericht
Bataclan-Überlebende: Einer der Attentäter spielte zwischen den Salven Xylophon

Neue Erkenntnisse über die Terror-Attentate von Paris. Ein Bericht des französischen Innenministeriums zeigt, wie zynisch und rationell die Selbstmord-Attentäter vorgingen.

Benjamin Wieland
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Das Bataclan Café und Konzertlokal, wo sich am 13. November 2015 einer der Terroranschläge ereignet hatte.

Das Bataclan Café und Konzertlokal, wo sich am 13. November 2015 einer der Terroranschläge ereignet hatte.

KEYSTONE/EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Über die Anschläge von Paris im November mit 130 Todesopfern sind neue Détails bekannt geworden. Wie Spiegel Online berichtet, liegt der New York Times liegt ein 55-seitiger Bericht des französischen Innenministeriums vor.

Das Papier verdeutlicht, dass es die Attentäter von Beginn weg auf weiche und allgemeine Ziele abgesehen haben – mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu töten. Anders als zuvor etwa Al-Kaida, wählten die Terroristen für ihre Taten am 13. November bewusst keine symbolischen Orte oder Einrichtungen aus wie etwa jüdische Schulen oder Museen.

«Trefft jeden und alles»

«Mein Rat ist, damit aufzuhören, nach speziellen Zielen zu suchen», wird im Report Boubacar a-Hakim zitiert. Er gilt als eine der wichtigsten Figuren im Kreise von Dschihadisten in Frankreich. «Trefft jeden und alles», soll a-Hakim in einem Interview gesagt haben.

Das «Bataclan» wird am Freitag, 13. November 2015, zum Sinnbild für einen der schlimmsten Terrorangriffe in der Geschichte Frankreichs.
19 Bilder
21.20 Uhr: Vor dem Café Le Carillon eröffnet ein Attentäter das Feuer.
Auch vor dem Petit Cambodge kommt es zur Schiesserei.
Paris im Ausnahmezustand, hunderte Polizisten stehen im Einsatz.
Im Bataclan richten weitere Attentäter während des Konzerts der Band Eagles of Death Metal ein Blutbad an, Dutzende Fans sterben.
Der damalige Präsident Hollande informiert sich im Stadion über die Ereignisse in der Stadt und wird in Sicherheit gebracht. Auch ausserhalb des Stadions wurde eine Bombe gezündet.
Menschen in Angst vor dem Konzertsaal Bataclan nach den Anschlägen in Paris.
Ratlosigkeit, Schrecken: Die Zuschauer nach Spielschluss im Stadion.
Ausnahmezustand in Paris: Über 150 Tote bei Attentaten.
Blutbad im Bataclan in Paris
Bataclan: Konzertbesucher fliehen durch die Hintertür.
Eine Frau hält sich verzweifelt an einer Fenstervorrichtung fest auf der Flucht vor den Attentätern im Bataclan.
Forensiker sichern Spuren im Café Comptoir in Paris.
Trauer in Paris.
Ein Polizist steht Wache beim Eiffelturm in Paris. Nach den Attentaten ist es zu ersten Festnahmen gekommen: Der Vater und Bruder eines getöteten Angreifers sind in Gewahrsam.
Blumen und Kerzen vor dem Club Bataclan in Paris.
Gedenken an die Opfer ein Jahr nach der Anschlagsserie im November 2016.

Das «Bataclan» wird am Freitag, 13. November 2015, zum Sinnbild für einen der schlimmsten Terrorangriffe in der Geschichte Frankreichs.

Christophe Petit Tesson / EPA/EPA

Diese Anweisung setzten die Attentäter unter anderem im voll besetzten Bataclan-Theater um. Wahllos schossen sie mit Kalaschnikow-Sturmgewehren auf die Besucher eines Konzerts. Bis die Polizei dem Gemetzel ein Ende setzte, waren bereits mehrere Dutzend Konzertgänger tot, insgesamt kamen im Bataclan mindestens 89 Menschen um.

Einer der Attentäter bestieg laut dem Bericht während der tödlichen Gewehrsalven die Bühne, um dort Xylophon zu spielen. Dabei habe er ein «sadistisches Lächeln» aufgesetzt, berichten mehrere Augenzeugen.

Sprengstoff unter Mantel versteckt

Es handelt sich bei diesem Täter um Samy Amimour. Wie die britische «Daily Mail» und der französische Sender «I-Tele» bereits zu einem früheren Zeitpunkt berichteten, hat der ehemalige Busfahrer das Schiessen mit halbautomatsichen Waffen im Schützenverein der französischen Polizei gelernt.

Vor den Schüssen im Bataclan, um 21 Uhr, betrat ein Mann das Bistro «Comptoir Voltaire». Es handelte sich um Ibrahim Abdeslam, den Bruder von Salah Abdeslam, der am Freitag bei einer Razzia in Brüsseleler Stadtteil Molenbeek verhaftet werden konnte.

Ibrahim Abdeslam war Zeugen durch seine Kleidung aufgefallen: Um den Sprengstoff zu verbergen, den er am Körper trug, hatte er sich einen Mantel mit Pelzbesatz, einen Anorak und eine Weste übergezogen. Bevor er sich in die Luft sprengte, hatte er sich noch bei den Gästen entschuldigt, dies jedoch, wie zu Protokoll gegeben wurde, «mit einem Lächeln im Gesicht».

Beim Sprengstoff handelte es sich um Triacetontriperoxid (TATP). Herstellen lassen sich TATP-Bomben relativ leicht, denn die Bestandteile finden sich unter anderem in Abflussreinigern, Nagellackentfernern und Haarbleichprodukten. Bei den Anschlägen von Paris wurden Rücktstände von TATP-Bomben an allen Tatorten gefunden.

Der am Freitag inhaftierte Ibrahim Abdeslam sitzt mittlerweile in Brügge in einem Hochsicherheits-Gefängnis in Haft. Laut seinem Anwalt will er die Auslieferung nach Frankreich weiterhin verhindern.

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