Don Beyer
Autohändler will via Bern in den US-Kongress

Don Beyer, der ehemalige US-Botschafter in der Schweiz, gewinnt die Vorwahlen in Virginia.

Renzo Ruf, Alexandria (Virginia)
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Der demokratische Politiker Don Beyer, als er noch «Washingtons Mann in Bern» war.

Der demokratische Politiker Don Beyer, als er noch «Washingtons Mann in Bern» war.

André Albrecht

Er hat sich schon viel Spott anhören müssen: Doch im Wahljahr 2014 kam es Don Beyer zugute, dass seine Familie im Grossraum Washington seit mehr als 40 Jahren Autos verkauft. Denn dank der starken Präsenz der Beyer-Garagen – in denen übrigens nicht nur Volvos, sondern auch Fahrzeuge der Marken Kia, Subaru, Volkswagen und Land Rover erhältlich sind –, war der Name des bald 64-jährigen Demokraten allseits bekannt. Im Rennen um die Nachfolge des Abgeordneten Jim Moran, der auf Ende Jahr nach mehr als 20 Jahren im nationalen Repräsentantenhaus zurücktreten wird, galt Beyer deshalb von Beginn weg als klarer Favorit.

Dieser Favoritenrolle ist Beyer nun gerecht geworden. Am Dienstag entschieden sich in einem Wahlbezirk im Norden von Virginia, das die wohlhabenden Vorstädte Washingtons umfasst, fast 46 Prozent seiner Parteifreunde für den Autohändler. Keiner seiner neun Gegner kam auf mehr als 18 Prozent der Stimmen, auch weil Beyer mehr als 1 Million Dollar in seinen Wahlkampf pumpte. Seine Wahl ins Repräsentantenhaus beim nationalen Urnengang im November ist damit nur noch Formsache. Denn der 8. Bezirk des Staates Virginia trägt den Beinamen «Disneyland für Progressive»; Präsident Barack Obama gewann hier vor zwei Jahren 68 Prozent der Stimmen.

«Spass gehabt» in der Schweiz

Beyer präsentierte sich im Wahlkampf als linker Demokrat und Vertrauter von Obama. Tatsächlich gehörte der Autohändler am Anfang der politischen Karriere des Präsidenten zu seinen Vertrauten, weil er im Wahlkampf 2008 als Spendensammler gewirkt hatte. Obama belohnte ihn daraufhin mit dem Botschafterposten in Bern, wo Beyer von 2009 an als Sprachrohr Amerikas in der Schweiz und Liechtenstein wirkte.

Diesen Posten füllte er recht geschickt aus; und seine regelmässigen Besuche in allen Ecken und Enden der Eidgenossenschaft waren erfrischend. (Beyer sagte kürzlich, er habe «Spass» gehabt in der Schweiz und sei traurig gewesen, als er im Sommer 2013 zurück in die USA gekommen sei.) In Bundesbern sprach sich aber schnell herum, dass Beyer keinen direkten Draht zum Weissen Haus besitze. So tappte der Botschafter gerade beim Hin und Her im Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA immer wieder im Dunkeln.

Frontenwechsel bei Homo-Ehe

Beyer sah sich im Wahlkampf dem Vorwurf ausgesetzt, er sei flatterhaft und wechsle seine Positionen allzu häufig – ein Autohändler halt. (Ähnliche Kritik war bereits 1997 geäussert worden, als sich Beyer in Virginia um den Gouverneursposten bewarb und selbst im demokratischen Norden des Staates das Nachsehen hatte.) Als Beispiel wurde seine Positionierung über die Legalität von homosexuellen Eheschliessungen genannt. Im Wahlkampf 2014 positionierte er sich als Anhänger von gleichgeschlechtlichen Trauungen. 1997 hatte er solche Eheschliessungen noch klar abgelehnt und seiner «Wertschätzung» für die «amerikanische Familie» Ausdruck gegeben; zu seiner Verteidigung muss gesagt werden, dass Beyer mit dieser Kehrtwende nicht allein ist. Bekannte Parteifreunde wie Barack Obama oder Hillary Clinton nahmen eine ähnliche Kehrtwende vor.

Beyer kündigte an, im nationalen Parlament Brücken bauen zu wollen. Er sei ein geborener Friedensstifter, sagte er am Dienstag, und sei der Meinung, dass es auch zwischen Demokraten und Republikanern Gemeinsamkeiten gebe. Beyer lehnte es gestern auf Anfrage ab, gegenüber dieser Zeitung Stellung zu nehmen.

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