Aussergewöhnliche Aktion
Samoa hängt rote Fahnen in die Fenster – doch mit Prostitution hat das nichts zu tun

Die Südpazifikinsel hatte bislang nur einen offiziellen Covid-Fall. Trotzdem ging sie jetzt in einen zweitägigen Lockdown. Und der wirkt wahre Wunder.

Barbara Barkhausen, Sydney
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Rote Fahnen im Garten der Samoaner signalisieren: Bitte impft mich!

Rote Fahnen im Garten der Samoaner signalisieren: Bitte impft mich!

Government of Samoa

Ende September hat Samoa für zwei Tage dichtgemacht – nicht wegen eines Covid-Ausbruchs, sondern um so viele Samoaner wie nur möglich gegen das Coronavirus zu impfen. Das Land, das nur einen einzigen Covid-Fall während der Pandemie meldete, verhängte am vergangenen Donnerstag und Freitag eine strenge Ausgangssperre.

Zwei volle Tage mussten die Bürger zu Hause bleiben, damit in einer koordinierten Aktion ein Grossteil der Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft werden konnte. Alle, die bisher noch keine Impfung erhalten hatten, waren aufgefordert, einen roten Stofffetzen an die Tür oder den Gartenzaun zu hängen.

Service: Statt in langen Schlangen vor den Impfzentren zu stehen, kamen die Impfteams direkt zu den impfwillgen Samoanern nach Hause.

Service: Statt in langen Schlangen vor den Impfzentren zu stehen, kamen die Impfteams direkt zu den impfwillgen Samoanern nach Hause.

Government of Samoa

In den zwei Tagen ging dann medizinisches Personal von Tür zu Tür, um allen über 18-Jährigen ihre erste Dosis des AstraZeneca-Vakzins zu verabreichen. «Die Impfteams werden in jedem Dorf verteilt und kommen direkt zu den Bürgern nach Hause kommen», versprach das Gesundheitsamt den rund 200'000 Bewohner der Südpazifikinsel. «Machen Sie es für Samoa!»

Ziel nur knapp verfehlt

Das Ziel der Aktion: Mindestens 99 Prozent der Bevölkerung mit ihrer ersten Dosis AstraZeneca zu versorgen.

Die auf den ersten Blick extrem anmutende Aktion sei vor allem deswegen notwendig gewesen, um keinen Tropfen Impfstoff zu verschwenden, erklärte Simona Marinescu, die UN-Repräsentantin im Land, am Mittwoch in einem Video-Briefing. Ansonsten hätte die Gefahr bestanden, dass Impfdosen abgelaufen wären.

Fast 95 Prozent der berechtigten Bevölkerung machte mit bei der Aktion.

Fast 95 Prozent der berechtigten Bevölkerung machte mit bei der Aktion.

Government of Samoa

Am Mittwoch teilte die Regierung in Samoa in einer E-Mail jedoch mit, dass das Impfziel knapp verfehlt wurde. Das Ergebnis kann sich aber trotzdem sehen lassen: Immerhin konnten inzwischen 94,4 Prozent der Bevölkerung ab 18 Jahren mit ihrer ersten Dosis versorgt werden. Über 52 Prozent sind inzwischen sogar vollständig geimpft.

Erinnerungen an verheerende Masernepidemie

Die samoanische Regierung hat zuletzt im Jahr 2019 mit einer ähnlichen Massenimpfstrategie gearbeitet. Auch 2019 waren Angestellte der Gesundheitsbehörde von Tür zu Tür gegangen, um zu impfen. Damals kostete eine Masernepidemie 83 Menschen das Leben, die meisten davon waren Kleinkinder.

Während dieser Krise habe die Bevölkerung ihre Lektion gelernt, betonte Simona Marinescu. Auch deswegen sei die Akzeptanz für die aktuelle Impfung in der Bevölkerung so hoch.

Samoa hat seit Juli eine neue Regierung und mit Fiame Naomi Mata'afa erstmals eine Premierministerin. Der frühere Premierminister war über 20 Jahre an der Macht gewesen, bevor er die Wahl im April knapp verloren hatte.

Regiert den Inselstaat erst seit kurzem: Fiame Naomi Mata'afa.

Regiert den Inselstaat erst seit kurzem: Fiame Naomi Mata'afa.

Wikipedia.

In den Monaten danach zerrieben Machtspiele das Land, da der frühere Regierungschef die Wahlniederlage nicht anerkennen wollte und die Wahlsiegerin kurzerhand aus dem Parlament aussperrte. Ein Gerichtsentscheid bestätigte Fiame Naomi Mata'afa im Juli dann aber offiziell, so dass die Politikerin ihre Arbeit antreten und nun auch die aktuelle Impfkampagne übersehen konnte.

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