Amerika
Wo ist Mike Pompeos 5800-Dollar-Whisky? Ein Geschenk an Trumps Ex-Minister ist wie vom Erdboden verschwunden

US-Regierungsangestellten ist es nicht erlaubt, wertvolle Geschenke von Ausländern zu behalten. Was also ist mit einer Flasche Whisky geschehen, die der damalige Aussenminister Mike Pompeo vor einem Japan-Besuch bekam?

Renzo Ruf, Washington
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Der ehemalige US-Aussenminister Mike Pompeo – hier während einer Pressekonferenz in der Schweiz – kann sich nicht an ein wertvolles Geschenk erinnern.

Der ehemalige US-Aussenminister Mike Pompeo – hier während einer Pressekonferenz in der Schweiz – kann sich nicht an ein wertvolles Geschenk erinnern.

Samuel Golay / TI-PRESS

Der Volksmund sagt: Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Als sich das US-Aussenministerium aber kürzlich beim ehemaligen Chefdiplomaten Mike Pompeo nach dem Verbleib eines wertvollen Geschenks erkundigte, das dieser im Vorfeld einer Japan-Reise im Juni 2019 bekommen haben soll, da gab sich der Republikaner ungewöhnlich verschlossen. Über seinen Anwalt liess Pompeo amerikanischen Medien ausrichten, er könne sich nicht mehr daran erinnern, beschenkt worden zu sein.

Warum das eine Rolle spielt? Amerikanischen Regierungsangestellten – in diese Kategorie fiel Pompeo während der Amtszeit von Präsident Donald Trump – ist es nicht erlaubt, von Ausländern Geschenke oder Vergünstigungen anzunehmen, die den Wert von 390 Dollar übersteigen. Falls sie es dennoch tun, weil sie ihr Gegenüber nicht blossstellen wollen, müssen diese Präsente offiziell deklariert und in Staatsbesitz übergeben werden.

In gewisser Regelmässigkeit veröffentlicht dann das Aussenministerium eine Liste, auf der diese netten, schrägen und ausgefallenen Präsente verzeichnet sind. Schräg war zum Beispiel das Geschenk von Vietnams Präsidenten an seinen amerikanischen Amtskollegen: Ein Porträt von Trump im Wert von 5250 Dollar.

«Verwendung – unbekannt»

Auf der aktuellen Liste, die am Donnerstag im US-Bundesblatt veröffentlicht wurde, ist auch das Geschenk der japanischen Gastgeber an Mike Pompeo verzeichnet. Es handelt sich dabei um eine Flasche Whisky aus heimischer Produktion, die angeblich 5800 Dollar gekostet haben soll. Pompeo soll sie am 24. Juni 2019 bekommen haben, einige Tage vor Beginn des G20-Gipfels in Japan. Weiter ist auf der Zusammenstellung zu lesen: «Verwendung – unbekannt.»

Ob Pompeo wohl den Inhalt der Flasche konsumiert hat, um herauszufinden, ob japanischer Whisky wirklich ähnlich schmeckt wie schottischer? Sein Anwalt will es nicht verraten. William Burck, prominenter Rechtsvertreter in Washington, sagte bloss, sein Klient könne sich nicht daran erinnern, mit einer Flasche beschenkt worden zu sein. Auch habe Pompeo keine Kenntnisse von einer internen Untersuchung des Aussenministeriums über den Verbleib des Whiskys.

2019 war übrigens auch das Jahr, in dem der damalige Bundespräsident Ueli Maurer – überraschend – von Trump im Weissen Haus empfangen wurde. Im Gegensatz zum österreichischen Kanzler Sebastian Kurz (ein Feldstecher im Wert von 1192 Dollar) und zum brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro (eine Holzbank in der Form eines Jaguars, Wert: 1175 Dollar), kam Maurer mit leeren Händen nach Washington. «Diese Handhabung wurde vorab von beiden Seiten vereinbart», sagt dazu eine Mediensprecherin des Eidgenössischen Finanzdepartments EFD in Bern. Insbesondere zwischen westlichen Staaten sei dies ein übliches Vorgehen.

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