Amerika
Sind Ferien in Amerika bald wieder erlaubt? Biden will «in den nächsten Tagen» über die Einreisesperre für Europäer entscheiden

Während ihres Abschiedsbesuchs in Washington bringt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel auch den einseitigen «Travel Ban» für Menschen aus dem Schengen-Raum aufs Tapet. Es gibt Hoffnung.

Renzo Ruf, Washington
Drucken
Teilen
Freundliche Worte, wenige Ergebnisse: Kanzlerin Angela Merkel war am Donnerstag zu Besuch bei US-Präsident Joe Biden.

Freundliche Worte, wenige Ergebnisse: Kanzlerin Angela Merkel war am Donnerstag zu Besuch bei US-Präsident Joe Biden.

AP

Vielleicht wollte er sie nicht vor den Kopf stossen. Oder vielleicht hat er sich tatsächlich noch nicht entschieden. Am Donnerstag jedenfalls vermied es Joe Biden, während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel im Weissen Haus eine konkrete Aussage über die Zukunft der amerikanischen Einreisesperre für Menschen aus dem Schengen-Raum zu tätigen.

Auf die entsprechende Frage einer deutschen Journalistin betonte Biden zwar, Merkel habe ihn auf die Probleme angesprochen, die der einseitige Bann verursache. Der Präsident verwies aber einmal mehr darauf, dass er sich in Covidfragen von den Ratschlägen seiner gesundheitspolitischen Berater leiten lasse. Und diese hätten ihm «in den nächsten Tagen» eine Antwort auf die Frage versprochen, wie schnell das Ende der einseitigen amerikanischen Einreisesperre verkündet werden könne. Dann werde er die Öffentlichkeit über das weitere Vorgehen informieren, sagte Biden.

Der im März 2020 in Kraft getretene Bann, von dem auch Schweizerinnen und Schweizer betroffen sind, stösst in der europäischen Geschäftswelt zunehmend auf Kritik – auch wenn die Auswirkungen nicht in allen betroffenen Staaten gleich stark wahrgenommen werden. So lobt Martin Naville, der Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, das Entgegenkommen der amerikanischen Botschaft in Bern beim Ausstellen von Ausnahmebewilligungen für Schweizer Geschäftsleute.

Merkel deutete den Journalistinnen und Journalisten im Weissen Haus an, dass sie nachvollziehen könne, warum das Weisse Haus bedächtig vorgehen werde – obwohl geimpfte Amerikaner zwischenzeitlich in Europa doch wieder willkommen sind. So verwies sie auf die Delta-Mutation des Coronavirus, die sowohl in Amerika als auch in Deutschland zu mehr Erkrankungen führe. Auch sei es nicht sinnvoll, die Einreisesperre nun zu lockern, um sie dann später wieder zu verschärfen. Die Kanzlerin sagte aber auch: «Ich vertraue mal auf das amerikanische Covidteam.»

Freundliche Worte an «Dear Joe»

Es war dies nicht das einzige Thema, bei Merkel und ihr Gastgeber nicht die gleiche Meinung hatten. So äusserte Biden erneut Kritik an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2; der amerikanische Präsident zeigte sich aber zuversichtlich, dass Deutschland einschreiten würde, falls Russland die Pipeline nutzen würde, um die Ukraine vom Energiemarkt abzuschneiden.

Die beiden altgedienten Politiker liessen sich von solchen Unstimmigkeiten aber nicht die Laune verderben. Stattdessen betonten sie die gute Zusammenarbeit, und die demokratischen Strukturen, auf denen die bilateralen Beziehungen ruhten. Merkel sprach Biden mit «Dear Joe» an, mit lieber Joe, und bedankte sich herzlich für den «freundschaftlichen Charakter» des rund zweistündigen Gesprächs. Der Amerikaner wiederum witzelte, dass Merkel das Oval Office im Weissen Haus wohl ebenso gut kenne wie er: Biden ist bereits der vierte US-Präsident, mit dem Merkel zu tun hat.

Aktuelle Nachrichten