Buch
Hunter Biden packt aus: Was der Präsidentensohn über Drogen, Liebe und seinen Vater schreibt

Der Sohn des amerikanischen Präsidenten gibt in einem neuen Buch einen Einblick in das Leben der berühmtesten Familie Amerikas. Hunter Biden beschreibt die tiefe Liebe, die ihn und sein Bruder verband, und seinen Absturz in die Drogensucht. 4 Erkenntnisse zu seinen Memoiren.

Renzo Ruf aus Washington
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Präsidentensohn Hunter Biden während eines TV-Interviews: In seinem Buch schreibt er Intimes über seine Familie.

Präsidentensohn Hunter Biden während eines TV-Interviews: In seinem Buch schreibt er Intimes über seine Familie.

Handout / Getty Images North America

Im Wahlkampf 2020 spielte Hunter Biden, der Sohn des heutigen Präsidenten, eine wichtige Nebenrolle, obwohl er öffentlich nicht in Erscheinung trat. Nun hat der 51-Jährige das Wort: In seinem Buch «Beautiful Things», das am 13. April auch auf Deutsch erscheint, wirft er einen ungeschönten Blick auf sein Leben.

Hunter Bidens «wahre Geschichte» ist wild

Zwar begann Hunter Biden bereits 2019 mit dem Verfassen seiner Memoiren – also lange vor der heissen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs, in der er sein Name im rechten Amerika zu einem Synonym für die bevorzugte Behandlung der Washingtoner Elite wurde. «Beautiful Things» aber ist in erster Linie der Versuch des Präsidentensohnes, Herr seiner selbst und seiner komplexen Geschichte zu werden.

Also führt Hunter die Leserinnen und Leser durch 51 Jahre voller Schicksalsschläge, Enttäuschungen, Liebesgeschichten und Eskapaden. Gerade an letzteren fehlt es nicht. Und der Autor, so hat man manchmal das Gefühl, lässt kein Detail aus, wenn er seinen temporären Absturz in die Drogensucht beschreibt. Im Nachhinein zeigt sich damit: Die Vorwürfe, die das Lager von Donald Trump im vorigen Jahr erhob, entsprachen mehr oder weniger der Wahrheit – obwohl das Biden-Lager doch behauptete, sie entsprängen der russischen Propaganda-Maschine.

Biden verteidigt sich gegen den Vorwurf der Vetternwirtschaft

Hunter Biden porträtiert sich in seinem Buch als respektablen Geschäftsmann: Dank Abschlüssen von Elite-Universitäten habe er sich bereits im jungen Erwachsenenalter zum Geldonkel seiner Familie gemausert, die sich weitgehend der Politik verschrieben hatte, sagt er. Auf fast 20 Seiten beschreibt Hunter auch erstmals in aller Ausführlichkeit, warum er sich 2014 in den Verwaltungsrat der ukrainischen Energiefirma Burisma wählen liess – derjenigen Firma also, die im Zentrum des ersten Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Trump stand.

Er habe der jungen, westlich ausgerichteten Demokratie beistehen wollen, schreibt er, deren Volkswirtschaft auf einen prosperierenden Energiemarkt angewiesen ist. «Sie können von den Russen bezahlt werden oder von den Menschen, die sie bekämpfen», zitiert Biden den ehemaligen polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski, der ebenfalls im Burisma-Verwaltungsrat sass.

«Beautiful Things» ist eine Liebesgeschichte

Zentraler Charakter des dünnen Buches ist Beau Biden, das erste Kind des heutigen Präsidenten. In berührenden Passagen erzählt Hunter Biden, warum er und sein Bruder, die ihre Mutter im Jahr 1972 nach einem Autounfall verloren, sich derart nahestanden. Und warum er nach dem frühen Tod von Beau im Frühjahr 2015 vorübergehend jeden Halt verlor. «Ich wünschte mir, Sie hätten Beau kennengelernt», schreibt der Autor über den ehemaligen Justizminister von Delaware. Hunter unternimmt auch den Versuch, zu erklären, warum sich die Brüder derart unterschiedlich entwickelten. «Mein Vater hat häufig gesagt, dass Beau seine Seele war und ich bin sein Herz. Das trifft den Nagel auf den Kopf», sagt er.

Über den berühmten Vater erfährt der Leser wenig Neues

Und obwohl sich Hunter Biden buchstäblich die Seelen vom Leib geschrieben hat: Das Buch weist auch klaffende Lücken auf. So schweigt sich der Autor über die steuerrechtlichen Ermittlungen gegen ihn aus. Am störendsten aber ist, dass der prominente Vater, mit dessen Wahlsieg das Buch endet, derart blass bleibt. Zwar taucht Joe Biden immer wieder auf. Hunter schreibt, dass «die Liebe und die geteilte Trauer» ihm und seinem Vater Kraft gegeben hätten. Wer aber Einblick in das Seelenleben von Joe Biden erwartet hätte, der wird von diesem Buch enttäuscht sein.