Amerika
Ein Fest zum Unabhängigkeitstag: Präsident Biden sieht Licht am Ende des Tunnels

Nach «100 Millionen Impfdosen in 100 Tagen» wartet Amerikas Präsident mit neuen Versprechen auf. Ab Mai sollen sämtliche Erwachsene geimpft werden, nicht nur ältere Amerikaner. Und für den 4. Juli stellt er den «Beginn der Unabhängigkeit vom Virus» in Aussicht.

Renzo Ruf aus Washington
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President Joe Biden holds up his face mask as he speaks about the COVID-19 pandemic during a prime-time address from the East Room of the White House, Thursday, March 11, 2021, in Washington. (AP Photo/Andrew Harnik)Joe Biden

President Joe Biden holds up his face mask as he speaks about the COVID-19 pandemic during a prime-time address from the East Room of the White House, Thursday, March 11, 2021, in Washington. (AP Photo/Andrew Harnik)
Joe Biden

Andrew Harnik / AP

Sein erstes Ziel hat Joe Biden fast schon erreicht. Vielleicht bereits in der nächsten Woche, 60 Tage nach Amtsantritt, werden unter seiner Ägide 100 Millionen Impfungen gesetzt worden sein. Das ist 40 Tage schneller als gedacht und diese Episode zeigt einmal mehr, dass ein amerikanischer Präsident besser abschneidet, wenn er nicht allzu hohe Erwartungen setzt.

Also gab Biden am Donnerstag, während seiner ersten Fernsehansprache im Weissen Haus, gleich zwei neue neue Versprechen ab. Erstens sollen ab dem 1. Mai alle Erwachsenen in Amerika die Möglichkeit bekommen, sich gegen die Pandemie zu impfen. An Impfstoffen jedenfalls fehle es nicht, sagte Biden – auch wenn dem Präsidenten natürlich bewusst ist, dass die Verabreichung der Dosen weitgehend in die Zuständigkeit der 50 Gliedstaaten fällt und einige Lokalregierungen mit dieser Aufgabe bisher überfordert waren.

«Beginn der Unabhängigkeit von diesem Virus»

Das zweite Versprechen Bidens: Falls alles gut läuft und es den Gesundheitsbehörden gelingt, auch Menschen zu impfen, die sich bisher skeptisch gegenüber den neuen Wundermitteln zeigten, dann werde Amerika am 4. Juli endlich wieder einmal feiern können, sagte Biden. An diesem Tag, sagte der Präsident, werde das Land im (kleinen) Familien- oder Freundeskreis nicht nur den Unabhängigkeitstag begehen können, «sondern auch den Beginn der Unabhängigkeit von diesem Virus».

Biden betonte allerdings auch, dass bis zu diesem Datum noch viel schief gehen könnte. Er warnte die Zuschauerinnen und Zuschauer deshalb davor, das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren und sich nicht über Nebensächlichkeiten zu streiten, über den Nutzen von Gesichtsmasken zum Beispiel. Auch rief er die Vorzüge des Coronahilfspakets in Erinnerung, das er am Donnerstag mit seiner Unterschrift in Kraft gesetzt hatte. Er wolle, sagte Biden sinngemäss, dass die Bevölkerung wieder das verloren gegangene Vertrauen in den Staat zurückgewinne.

Auf Distanz zum Vorgänger

Mit solchen Aussagen markierte der Präsident auch Distanz zu seinem Vorgänger, dessen Namen er in seiner 24 Minuten dauernden Ansprache nie erwähnte – wiewohl er es auch Donald Trump zu verdanken hat, dass Amerika mittlerweile über vier Impfstoffe gegen Covid-19 verfügt.

Biden warf in seiner Rede auch einen Blick zurück, auf die vergangenen zwölf Monate seit dem offiziellen Beginn der Pandemie. Er sprach über Schmerz und Trauer, so wie Trump nie über Dunkelheit und Verluste gesprochen hatte. Biden sagte: «Wir alle haben etwas verloren», und auf Dinge verzichten müssen, die das Leben lebenswert machten.

Dann las er die Zahl der Todesopfer vor, die seit März 2020 in Amerika an den Folgen von Covid-19 gestorben sind: 527 726. Zum Zeitpunkt seiner Rede allerdings war diese Zahl bereits veraltet: Gemäss den Datenexperten der Johns Hopkins University in Baltimore (Maryland) sind bereits 3000 Menschen mehr gestorben. Noch ist die Pandemie nicht besiegt.