Arabische Halbinsel
Al-Kaida profitiert vom Krieg im Jemen

Die schiitischen Huthi-Rebellen sind nach wie vor auf dem Vormarsch. Eine humanitäre Feuerpause ist nicht in Sicht. Al-Kaida ist nach Einschätzung des amerikanischen Terrorismusexperten Bruce Riedel der grosse Gewinner des Krieges.

Michael Wrase, Limassol
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Zerstörte Häuser in einem Dorf nahe Jemens Hauptstadt Sanaa.

Zerstörte Häuser in einem Dorf nahe Jemens Hauptstadt Sanaa.

Mehr als 1600 Luftangriffe der von Saudi-Arabien angeführten Koalition haben den Vormarsch der schiitischen Huthi-Rebellen bislang nicht stoppen können. Die von Truppen des jemenitischen Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh unterstützte Miliz lieferte sich über das Osterwochenende in Aden heftige Kämpfe mit lokalen Guerillaverbänden, die aus der Luft mit leichten Waffen versorgt wurden.

Die Verteidiger der südjemenitischen Hafenstadt kämpfen nach Einschätzung von Beobachtern nicht für die wohl unwahrscheinliche Rückkehr des ins saudische Exil geflohenen jemenitischen Präsidenten Mansur Hadi, «sondern für einen unabhängigen Süd-Jemen ohne Huhti-Rebellen». Dabei werden sie auch von Verbänden unterstützt, die mit dem jemenitischen Zweig der Kaida sympathisieren.

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist nach Einschätzung des amerikanischen Terrorismusexperten Bruce Riedel der grosse Gewinner des Jemen-Krieges. Der Gruppe gelang es am Freitag, 300 kriegserprobte Gesinnungsgenossen aus dem Gefängnis von Mukalla zu befreien. Die Küstenstadt liegt in der ostjemenitischen Provinz Hadramaut, die nun zu grossen Teilen von der AQAP kontrolliert wird. Der Widerstand der Hadi-Truppen gegen die Terrorgruppe war nach Berichten von Augenzeugen gering.

Greift al-Kaida bald Oman an?

Auch die von Saudi-Arabien geführte arabische Koalition hielt es bisher nicht für nötig, die jemenitische Kaida-Filiale anzugreifen. Diese könnte von ihren Stützpunkten im Hadramaut, der Heimat der Familie Bin Laden, schon bald den benachbarten Oman angreifen, befürchtet Riedel. Der krebskranke Herrscher des Sultanats wird seit Monaten in Deutschland behandelt. Die ungeklärte Nachfolge sorgt in dem Land für tiefe Verunsicherung.

Kein Interesse an Feuerpause

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation hat der Krieg im Jemen bisher fast 600 Todesopfer gefordert. Mehr als 400 waren Zivilisten. Gespräche im UNO-Sicherheitsrat über eine von Russland geforderte humanitäre Feuerpause sind bislang gescheitert. Weder die Huthi-Rebellen noch Saudi-Arabien sind gegenwärtig zur Einstellung der Kampfhandlungen bereit. Zunächst müsse verhindert werden, dass Hilfsgüter in die falschen Hände geraten, etwa die der Huthis, erklärte ein saudischer Militärsprecher.

Die Regierung in Riad hat nach Angaben des IKRK inzwischen die erforderlichen Genehmigungen erteilt, um mit einem Frachtflugzeug medizinische Hilfe nach Sanaa zu fliegen. Die Maschine habe aber Schwierigkeiten, auf dem Flughafen der Hauptstadt zu landen. Der Grund dafür seien ungewöhnlich tieffliegende Kampfflugzeuge der arabischen Luftwaffen gewesen, twitterten Einwohner von Sanaa gestern Nachmittag.

Medizinische und andere Hilfsgüter erreichten dagegen erstmals das umkämpfte Aden. Der für die Region zuständige IKRK-Offizielle Robert Mardini beschreibt Aden als «Geisterstadt». Fast alle Einwohner hätten sich wegen der schweren Kämpfe in ihren Häusern versteckt oder seien geflohen, die Strassen seien menschenleer. Die Strom- und Wasserversorgung ist zusammengebrochen. Der jemenitische Rote Halbmond zählte allein am Ostersonntag 53 Tote. In die schweren Kämpfe sollen auch arabischen Kriegsschiffe eingegriffen haben.

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