Letzten März führten die Experten der pädagogischen Hochschule die externe Schulevaluation in Hägendorf durch. Die Ergebnisse wurden nie publik, Gemeindepräsident Albert Studer war mit dem Bericht nicht einverstanden und hielt ihn zurück. Jetzt kommt endlich Bewegung in die Sache. Am Dienstagabend fand eine Sitzung mit Vertretern der Gemeinde, der kantonalen Schulaufsicht und der pädagogischen Hochschule statt, an der man sich über das weitere Vorgehen einigte.

Hägendorf muss der kantonalen Schulaufsicht einen Massnahmenplan vorlegen, wie und bis wann man die bei der Evaluation festgestellten Defizite im Schulbetrieb beheben will. Das soll bis Ende März geschehen. Der Massnahmenplan selber und der Zeitplan zur Umsetzung sind vom Kanton zu genehmigen, die kantonale Schulaufsicht kann auch für die Ausarbeitung beigezogen werden. Dieses Vorgehen ist vorgesehen, wenn in der sogenannten Ampelevaluation in einem oder mehreren Bereichen die Ampel auf rot gesetzt wurde.

Die Ampelbereiche sind Schul- und Unterrichtsklima, Betriebsklima (Zufriedenheit der Lehrkräfte), Elternkontakte, Erfüllung der Betreuungs- und Aufsichtsfunktion, Schulführung und Qualitätsmanagement. Eine Ampel auf rot heisst: Dringender Handlungsbedarf, die beurteilte Schule hat dem kantonalen Volksschulamt Rechenschaft über die Beseitigung der festgestellten Defizite abzulegen.

Bei einer gelben Ampel sind keine vom Kanton kontrollierten Massnahmen vorgesehen. Hier geht man davon aus, dass die Schule von sich aus in der Lage ist, die gefährdete Funktionsfähigkeit wieder vollumfänglich herzustellen.

Das Thema brennt
Die offensichtlich besorgniserregenden Ergebnisse der Schulevaluation in Hägendorf werden nun am kommenden Dienstag zunächst dem Lehrkörper und dann der interessierten Bevölkerung an einer öffentlichen Informationsveranstaltung präsentiert. Die Schulverwaltung hat den Auftrag, auf geeigneten Kanälen für eine Einladung zu sorgen, die so kurzfristig alle interessierten Kreise erreicht.

Das Thema sei so brennend, dass man einfach keine weitere Zeit mehr verstreichen lassen wolle, sagt die seit letzten September für das Ressort Bildung verantwortliche Gemeinderätin Andrea Aerni.

Ob eine oder mehrere von den Verfassern des Evaluationsberichts auf rot gesetzte Ampeln nun tatsächlich auch gegenüber der Öffentlichkeit so ausgewiesen werden, bleibt weiterhin unklar. Es handle sich bei Hägendorf um einen Spezialfall, da bis zum Ende umstritten blieb, ob bei der Beurteilung der Schule alle Aspekte ausreichend gewürdigt wurden, sagt Yolanda Klaus, stellvertretende Leiterin des Volksschulamts.

Die Frage dürfte nun aber auch etwas in den Hintergrund rücken, da man sich ja auf die Ausarbeitung eines Massnahmenplans geeinigt hat, wie er erst bei einem roten Signal vorgesehen ist. Und es sollte auch sichergestellt sein, dass sich die Bevölkerung aus erster Hand über die Differenzen in der Beurteilung zwischen ihrem Gemeindepräsidenten und dem Evaluationsteam der pädagogischen Hochschule orientieren lassen kann: Die Information erfolgt nicht einseitig durch die Gemeinde, am Anlass vom kommenden Dienstag werden auch die kantonale Schulaufsicht und die pädagogische Hochschule vertreten sein.

Man werde nicht jedes Detail aus dem Bericht öffentlich machen können, erklärt Gemeinderätin Andrea Aerni, aber: «Es soll nichts beschönigt werden, das bringt niemandem etwas. Ich habe ganz klar erklärt, dass ich nicht mit meinem Namen hinter einer Kommunikation stehen werde, die nicht offen darlegt, wo Handlungsbedarf besteht.»