Walter Husi ist in der Region kein Unbekannnter: Der 68-Jährige sass für die SP im Kantonsrat, war Gemeindevizepräsident in Wangen bei Olten und Ortsparteipräsident an seinem neuen Wohnort in Hägendorf. Derzeit ist er noch in einigen Vorständen aktiv, seit 2002 unter anderem im Verein des Wohnheims Bethlehem in Wangen bei Olten. Zuerst als Präsident, seit 2013 als Vizepräsident.

Nun hat ihm die ausserordentlich einberufene Mitgliederversammlung am Freitagabend einen unschönen Abgang beschert: Mit 44 zu 4 Stimmen wurde der Vizepräsident klar abgewählt. Ein Antrag von sechs der acht Vorstandsmitglieder kam damit durch. Husi wurde vorgeworfen, er schade mit seinem Verhalten gegenüber der Geschäftsführerin, gegen aussen, aber auch im Vorstand dem Verein. Es sei daher nicht zumutbar, ihn weiter im Vorstand zu behalten. Eine gute Zusammenarbeit sei trotz Aussprachen nicht zustande gekommen.

In der einstündigen Versammlung kamen aus dem Plenum mehrmals Voten, die Walter Husi aufforderten, Grösse zu zeigen und von selbst zurückzutreten. So sagte etwa Corinne Gisi, Vorstandsmitglied des Oltner Alters- und Pflegeheims Ruttiger, dass die verkrachte Situation im Vorstand «kein Zustand» sei und sie Angst hätte um das Wohl des Heims und der Bewohner. Sie hätte sich gewünscht, dass Husi vorgängig zurückgetreten wäre. Auch eine andere Teilnehmerin zeigte sich «irritiert und schockiert» über die Verhältnisse. Sie könnte sich unter diesen Umständen nicht vorstellen, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die einem deutlich sagten, nicht mehr erwünscht zu sein.

Weitere Voten mokierten, dass solche in der Öffentlichkeit ausgetragenen Diskussionen «schlechte Reklame für den Verein» seien. Allerdings hatten die Mitglieder zu Beginn mit nur einer Gegenstimme klar festgehalten, dass der Journalist an der Versammlung teilnehmen und darüber berichten darf. Ein Mitglied sprach Husi direkt darauf an, wieso er in dieser schwierigen Situation weiter im Vorstand verbleiben wolle. Husi antwortete, er sei sich «nicht bewusst, Fehler gemacht zu haben». Die Kritik, die er in den Vorstandssitzungen immer wieder geäussert habe, diene der Sache. Zudem stünden wichtige Geschäfte an, bei denen er seine Erfahrung einbringen möchte.
 

Präsident ist aufseiten von Husi 

Vereinspräsident Hans Jörg Burri war der Einzige im Vorstand, der sich noch für Husi stark machte. Husi sei als Querdenker nützlich und wichtig, auch wenn er so manchmal polarisiere. Zudem käme er immer sehr gut vorbereitet in die Sitzungen. Für sein Plädoyer, Husi nicht abzuwählen, hatte die Mehrheit der Versammlung allerdings kein Gehör.

Walter Husi nahm seine Abwahl ohne Gemütsregung zur Kenntnis. Er hielt danach lediglich fest, dass er prüfe, ob der Vorgang rechtens sei. Es stehe nirgends in den Statuten, dass eine Mitgliederversammlung eine Abwahl vornehmen könne. Er sei eigentlich für die vierjährige Legislaturperiode bis 2021 gewählt worden. Nach diesen Worten ging ein Raunen durchs Plenum. Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Husi allerdings, dass er sich keine Hoffnungen mache und er an der nächsten Vorstandssitzung sicher nicht teilnehmen werde.

Präsident Burri sagte auf Nachfrage, dass er vorläufig das Amt weiterhin ausübe, obwohl er als Einziger neben dem Betroffenen gegen die Abwahl war. Zudem bestätigte Burri, dass es bei gewissen Angelegenheiten Unstimmigkeiten zwischen dem Vorstand und der Geschäftsführung gebe. Einen neuen Vizepräsidenten kann der Vorstand nun selbst bestimmen.