Kunst

Hans Küchler – aus Olten nicht wegzudenken

So sah der gebürtige Innerschweizer Hans Küchler seine Wahlheimat Olten.

So sah der gebürtige Innerschweizer Hans Küchler seine Wahlheimat Olten.

Der Nachlass des 2001 verstorbenen «Kü» wird im Kunstmuseum Olten aufgearbeitet – ein Einblick.

Hans «Kü» Küchler gilt nach Martin Disteli als der wichtigste Oltner Künstler. Zu Recht, wie der riesige Nachlass des 2001 Verstorbenen belegt, der nun im Kunstmuseum Olten aufgearbeitet wird: So überbordend Küs Fantasie war, so vielfältig ist sein Werk.
In Olten, wo der 1929 in Stans geborene Küchler seit 1958 lebte, kannte man ihn insbesondere als den «Flügerlimaler». Bei den Pilatuswerken in Stans hatte er eine Flugzeugzeichnerlehre absolviert. Seine Flugzeuge, die auf unzähligen seiner Arbeiten zu finden sind, sind aber meistens erfundene Gebilde. Traumhafte, verspielte Flugobjekte, die in seinem letzten Schaffensjahrzehnt, nach mehreren Spitalaufenthalten, zunehmend düsterer wurden.

«Schaut selber, was ihr wollt»

Kü war ein intensiver Beobachter, interessierte sich für die Vielfalt der Erscheinungsvarianten im Alltag. Seine Freude an der Variation zieht sich durch sein Werk. Nie wollte er sich festlegen auf eine einzige Lösung, schuf daher meist eine ganze Bandbreite möglicher Varianten eines Themas. Auftraggeber waren es gewohnt, einen ganzen Stapel Zeichnungen zu erhalten, mit der Bemerkung: «Schaut selber, was ihr wollt.»

Als Chefgrafiker der Schweizer Verkehrszentrale (SVZ) und patriotischer Kosmopolit gestaltete er über 30 Jahre lang Inserate, Broschüren, Prospekte, Plakate, die die Schweiz auf humorvolle und augenzwinkernde Art im Ausland präsentierten. Er war ein hervorragender Zeichner, seine Linien waren prägnant und präzise. Für den «Nebelspalter» zeichnete der dezidiert linke Kü in den 60er-Jahren kritische und politische Stellungnahmen. Dennoch wurde er nicht angriffig, blieb immer leichtfüssig. Seine Themen machte er zumeist nicht am Zeitgeschehen fest, sondern spitzte sie auf ihre Essenz zu.

Der Politische: Küchler wurde nie angriffig, blieb immer leichtfüssig.

Der Politische: Küchler wurde nie angriffig, blieb immer leichtfüssig.

1972 reduzierte er nach einem Unfall sein Arbeitspensum bei der SVZ auf 50 Prozent und arbeitete vor allem in seinem Oltner Atelier an der Zielempgasse 12. Er war ein «wahnsinniger Schaffer», wie sich Weggefährten erinnern. Jeden Morgen stand er um acht Uhr im Atelier. An Wochenenden unternahm er mit seiner Frau Zugreisen, zeichnete auch während der Fahrt. Wegen seines allzeit sprudelnden Ideenreichtums lässt sich bei Küchler zwischen Kunst und Handwerk keine klare Grenze ziehen.

In seinen Aquarellgemälden brachte Küchler etwa die Innerschweizer Landschaft zu Papier, die er als Nidwaldner so liebte und wohin er oft zurückkehrte. Seine Kunst trägt lyrische, romantische, verträumte Züge. Für das «Oltner Skizzenbuch» etwa fing er Stimmungen in Olten ein: Nebel-, Wasser-, Stadtbilder. Eine Mischform zwischen Zeichnen und Aquarellieren sind seine Collagen. Er klebte Fotos und Zeitungsausschnitte übereinander, malte darüber, verdichtete Inhalte, konstruierte verschiedene Sinnebenen.

Auch die Innerschweizer Landschaft – hier die Rigi – brachte der Nidwaldner zu Papier.

Auch die Innerschweizer Landschaft – hier die Rigi – brachte der Nidwaldner zu Papier.

Geliebtes Olten

Neben Papier nutzte Küchler auch Glas als wichtiges Medium. Für den Bahnhof Olten schuf er Ende der Siebzigerjahre ein Glasbild, das derzeit im Historischen Museum lagert. Später entdeckte Küchler die Hinterglasmalerei für sich und arbeitete mit Begeisterung in der Glashütte Hergiswil. Küchlers Liebe zu Olten manifestierte sich in weiteren Arbeiten in der Stadt: Für das Theater im Zielemp malte er Bühnenbilder, er gestaltete Beiträge in den Oltner Neujahrsblättern. In der Kantonsschule, der Taverne zum Kreuz, dem Kunstmuseum sind Werke von ihm zu sehen. Kü ist aus Olten nicht wegzudenken.

Eines der traumhaft-verspielten Flugobjekte.

Eines der traumhaft-verspielten Flugobjekte.

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