Olten

Für Hupkorso reichte es trotz Niederlage allemal

(K)ein Risikospiel: Überraschend friedfertiges Publikum beim Public Viewing in der Schützi.

Für den Hupkorso reiche es allemal. So oder ähnlich hätte sich die etwas gedrückte Stimmung unter den albanischstämmigen Besucherinnen und Besuchern auf der Schützi in Olten beschreiben lassen. Dabei waren sie zumindest beim Public Viewing doch eher in der Überzahl gewesen. Vielleicht drei Fünftel der rund 900 Gäste hofften mit den Albanern gegen die Schweiz; vergeblich. Die Skipetaren verloren das EM-Fussballspiel schliesslich mit 1:0. Vielleicht nicht ganz unerwartet: Schon vor dem Match lauteten die Tipps nur vorsichtig optimistisch.

«Zwei zu eins für Albanien», meinte der 18-jährige Visar Shratolli aus Trimbach, der gleich auch noch erklärt, wie sich die Kopfbedeckung nennt, der er trägt. Plis nämlich, traditionell für Männer in Albanien. Auch Taulant L. schliesst sich dem Tipp Shratollis an. Der 26-jährige Oltner wird später noch etwas leiden müssen, dabei mit den Fingerknöcheln leicht gegen die Vorderzähne schlagen, vor Anspannung natürlich. Aber es hilft nichts. Und ebenso wenig hilft der stets drohende Reflex seines Nachbarn hinter ihm, der bei verpassten Möglichkeiten der Albaner die leer getrunkene Petflasche durch die Gegend schmeissen will, dann aber doch im letzten Moment immer wieder die Beherrschung findet.

Sehr friedlich

Die Stimmung unter den Gästen blieb stets friedlich, von einem Risikospiel keine Spur. Mit ein Grund: Viele albanischstämmige Spieler wirken bei der Schweizer Nationalmannschaft mit. Und: «Klar gibts auch Albaner, die für die Schweiz sind», so die 24-jährige Oltnerin Drenusha Mehmedi, die mit ihrem Tipp (2:1) ebenfalls daneben lag. «Wir sind ja fast alle hier aufgewachsen, da sympathisieren auch viele von uns mit der Schweizer Nationalmannschaft.» Und was sagen die leidenschaftlicher Fans der Albaner dazu? «Wir akzeptieren das», lacht sie laut und zuckt mit der Schulter.

Akzeptieren muss auch der Freund von Michèle Hug, dass eben seine Freundin für die Schweiz fiebert. «Er wollte sich das Spiel nicht hier auf dem Platz, sondern zu Hause ansehen», sagt die gut gelaunte Schönenwerderin; er sei zu nervös für die Atmosphäre hier. Dass sie sich für die Schweizer Nationalmannschaft begeistere, mache ihm nichts aus. Zum Glück, denn: «Ich kann darauf keine Rücksicht nehmen», meint sie noch.
«Nein, wenn die Schweiz spielt, gibts nie ein Risikospiel.» Das sagt auch Nicolás Castillo, der Gastgeber auf der Schützi. Zudem ist er mit Drenusha Mehmedi absolut einig. «Viele der albanischen Supporter sind in der Schweiz aufgewachsen; das färbt halt ab. Das ist mal das eine. Und zum andern trinken die albanischen Anhänger nicht.»

Wenig Bier

Tatsächlich: Beim Bier sieht man jene, die noch an Baschis Song «Bring en hei» aus dem EM-Jahr 2008 hängen. Und allenfalls die neutral gekleideten, die vielleicht Schweizer, Engländer oder Deutsche sind.
Für Aussenseiter mag es erstaunen, dass Mazedonier und Menschen aus dem Kosovo für die Albanische Nationalmannschaft fanen. «Sehen Sie, wir verstehen uns nicht als ein Volk innerhalb der albanischen Staatsgrenzen; Albanerinnen und Albaner leben ursprünglich im westlichen Teil der Balkanhalbinsel; wir gehören ein und derselben Ethnie an», sagt Taulant L.. Mit seinem Freund Driton nebenan unterhält er sich in Mundart. «Das geht einfacher so», sagt er noch. Zum Schluss des Spiels ein kurzer Applaus; dann verlassen fast alle die Public Viewing-Zone. Aus der Innenstadt sind schon bald die ersten Hupkaskaden zu vernehmen. Das gehöre einfach dazu, sagt einer. «Für den Hupkorso reichts allemal.»

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