So schlecht war sie ja eigentlich gar nicht, die Inszenierung des «Homo Faber» vom Ensemble des Theaters Kanton Zürich. Aber das sagt ja auch schon wieder alles. So richtig zufrieden verliess man das Oltner Stadttheater an diesem Abend nicht.

Formale Mängel

Eine Herausforderung ist es immer, einen Roman für die Bühne zu adaptieren. Max Frischs «Homo Faber» bildet da keine Ausnahme. Das 1957 erschienene Werk bietet eher noch die zusätzliche Schwierigkeit, dass es als «Bericht» angelegt ist, wie es im Untertitel heisst. Dieser wird dem Schweizer Ingenieur Walter Faber in den Mund gelegt, Mann der Tat und der Technik – ein «Homo Faber» eben, ein «schaffender Mensch». Sein durch und durch rationales Weltbild wird erschüttert, als er sich auf einer Schiffsreise in die dreissig Jahre jüngere Sabeth verliebt. Wie sich später herausstellt, ist sie seine Tochter, von deren Existenz er nichts wusste.

Ulrich Woelk, Autor der Bühnenfassung, entschied sich, die moderne Ödipus-Erzählung «mit ihrer emotionalen Dimension und ihrem tragischen Ende wiederzugeben», wie es im Programmheft heisst. Damit legt er den Schwerpunkt in erster Linie auf die Handlung der Geschichte. Das ist nicht unproblematisch: Weil im Vordergrund von Frischs Bericht nicht eigentlich das Geschehene steht, sondern Fabers gedankliche und sprachliche Auseinandersetzung damit. Zugespitzt liesse sich diese Feststellung auf die Formel bringen: Frisch ist Frisch, weil er schreibt, wie er schreibt.

Damit lebt auch der Roman «Homo Faber» von der Sprache – sie ist mindestens ebenso wichtig wie das Erzählte selbst. Ein Aspekt, der auf der Bühne zu kurz kam. Obschon die Schauspieler über weite Strecken überzeugten – Stefan Lahr in der Rolle des Walter Faber und eine mädchenhafte Anna Schinz als Sabeth; stark auch Katharina von Bock als deren Mutter Hanna –, wies das Stück selbst formale Mängel auf. So wirkten etwa die für die Aufführung verdichteten Dialoge zum Teil trocken, ja langweilig, was sicher der nüchternen Figur des Faber geschuldet ist. Erst mit dem Auftreten von Sabeth gewannen die Dialoge an Dynamik.

Wirkungsvolle Kulisse

Den sprachlichen Verlust indes suchte die Zürcher Inszenierung mit der sparsamen, aber durchaus wirkungsvollen Kulisse wettzumachen: Auf schwarzem Hintergrund wurde bei jedem Szenenwechsel das sicht- und hörbare Tippen einer Schreibmaschine eingeblendet – ein genialer Einfall.

Sozusagen live erlebte man mit, wie Faber oder eben Frisch tagebuchartig eine neue Szene einführt: «Houston, Texas, 1957. Flughafen.» Schwierig wurde es aber auch hier, weil das Stück zuweilen mehr einer chronologischen Aneinanderreihung von Episoden glich. Requisiten kamen nur spärlich zum Einsatz, hier zwei Stühle, da ein Radio, viel mehr Anschauungsmaterial war für das Verständnis auch nicht nötig.

Reflexartige Lacher

Und schliesslich kam man insbesondere als Schweizer und Frisch-Verehrer nicht umhin, sich ein wenig zu ärgern. So lässt der deutsche Bühnenautor Woelk – in einer Vorgeschichte zum Roman – die Fremdenpolizei zu Fabers deutscher Freundin Hanna sagen: «Sie befinden sich in der Schweiz, da müssen sie sich an die Regeln halten.»

Mehrere Äusserungen dieser Art, Schweizer Klischees aufs Korn nehmend, generierten zwar reflexartig Lacher – aber äusserst billige. Wann war der «Homo Faber» je eine Lachnummer? Eben. Da wollte Woelk wohl lustig sein und war es nicht. Gut möglich, dass Frisch in Deutschland anders funktioniert. Von einem Zürcher Ensemble dürfte man sich aber durchaus einen Zürcher «Faber» erwarten.