Behördenapéro im Restaurant Aarhof um 17.30 Uhr steht als nächster Punkt auf dem Programm der Rätschwyber. Handschlag hier, Küsschen da, egal wo die Obernaaren-Zunft auftaucht, sie werden sofort umzingelt. Nach dem Anstossen mit der lokalen und regionalen Politprominenz und einem spontanen Stelldichein von Obernaar Rahel und ihren Trabantinnen geht es zum Nachtessen in den «Chöbu».

Im Saal des zweiten Stocks warten die anderen Zunftmitglieder. Alle sind seit frühmorgens auf den Beinen. Von Müdigkeit allerdings keine Spur. Kunterbunt geht es zu und her. Und dies liegt nicht nur an den farbigen Gewändern der Rätschwyber. Man plaudert, grölt und singt. Nach Essen und Aufwärmen folgt das Einsingen vor Publikum, zwei Stockwerke weiter unten.

Vor Mitternacht

20 Uhr, Restaurant Kreuz: Der erste offizielle Auftritt steht an. Das Lokal ist bis zum letzten Platz gefüllt. Schon nach dem zweiten Schnitzelbank haben die Wyber das Publikum im Sack: Es wird gelacht, geklatscht, mitgewippt. Mitgebracht haben sie nebst stimmlichem Talent auch Gitarre, Handörgeli, Bass, Gachon und Tschinellen. Nun geht es Schlag auf Schlag, im 20-Minuten-Takt folgt ein neuer Auftritt: «Magazin», «Astoria», «Terminus», Stadttheater, «Bahnhofbuffet», hinüber auf die andere Stadtseite in die Hotels Arte und Olten.

21.40 Uhr: Mancherorts kämpfte frau zwar mit wackeligen Bühnen, die ersten Auftritte sind trotzdem erfolgreich über die Bühne. Im Terminus wartet eine Herausforderung. Die ins Programm gehörenden Leitern sind zu gross für die Bühne. Was nun? Handorgelspielerin Chregi hat die Lösung: «Wir postieren die Leitern vor der Bühne».

Rätschwyber mit Obernaar Rahel - Oltner Schnitzelbankabend 2018

Rätschwyber mit Obernaar Rahel - Oltner Schnitzelbankabend 2018

Damit die Wyber die Wege zwischen den Auftritten nicht zu Fuss absolvieren müssen, werden sie in zwei Minibussen herumchauffiert. Besonders gelegen kommt dies Sarah und ihrer Gitarre, die sich ständig verstimmt. «Der Temperaturwechsel bekommt ihr nicht gut», sagt sie und deutet auf das mit Klebern tapezierte Instrument. Auch die anderen Wyber erfreuen sich ob den Verschnaufpausen. So kann der Lippenstift nachgezogen oder die Larve gerichtet werden. «Man sieht und hört nicht so viel darin», ertönt es aus einer Ecke des Busses. Stets mit im Gepäck sind auch Täfeli und Mundspray – ohne sie geht gar nichts.

23 Uhr: Nach einem kurzen Marsch durch die Martin-Disteli-Unterführung folgt der Auftritt im Restaurant Bahnhofbuffet. Und damit die erste kleine Panne des Abends: Die Batterie des Verstärkers, der für den Bass benötigt wird, ist mitten im ersten Schnitzelbank ausgestiegen und muss ausgetauscht werden. «Dieser Auftritt ist uns nicht so gelungen», meint Helgengirl und Schlummerrätschwyb Esthy später. Es sollte der einzige sein.

Nach Mitternacht

24 Uhr: Nach insgesamt 13 Auftritten in vier Studen ist so manch ein Wyb etwas erschöpft. So erstaunt nicht, dass der Mitternachts-Snack im Hotel Olten, der als Drei-Gang-Menü serviert wird, deutlich weniger laut verläuft als noch das Abendessen im «Chöbu». «Es ist selten so ruhig an einem Rätschwyber-Tisch», meint die zweite Rahel in der Zunft neben dem Obernaar. Zu Ende ist die Nacht hingegen noch lange nicht: Vom Essen gestärkt erstehen die Rätschwyber wie Phoenix aus der Asche auf.

2.15 Uhr: Nach einem kurzen Abstecher ins «Zulo», ihrem Zunftlokal, wird kurzerhand entschieden, dass es noch ein Ständli im danebenliegenden «Tiger», der «Waadtländerhalle» geben soll. Ganz so einfach ist dies aber nicht: Das Restaurant ist proppenvoll, mit Ach und Krach kriegt der Besucher die Eingangstüre auf. «Nun beginnt die Fasnacht für die Fasnächtler», sagt Mädi als Begründung für den Auflauf.

Lange bleiben die Wyber aber nicht, dürfen sie auch nicht. Denn die Vorbereitung für den nächsten Programmpunkt steht an: Das Obernaaren-Apéro-Spektakel um vier Uhr in der Früh. Die Wyber stellen Bartresen und Tischchen parat, packen Mineral und Schämpis aus, füllen ihre farbigen Bauchläden mit Schenkeli und Bretzeln.

4 Uhr: Pünktlich ist der Ildefonsplatz in der Altstadt voller Fasnächtler. Die Guggenmusig Papapalagi geben ein, zwei Stücke zum Besten, dann überrascht die Säli-Zunft mit leuchtenden Drumsticks. Die ganze Oltner Fasnachtsszene ist da. Und während es für den Nicht-Fasnächtler langsam nach Hause geht, machen die Rätschwyber noch lange nicht schlapp – sie haben nur vereinzelt ein Glas Rosé oder ein Bier getrunken. Nach dem Aufräumen wartet der Frühschoppen im Café Ring. Oder wie es Trudi, eines der älteren Rätschwyber, sagt: «Mer göi no lang ned hei.»