Ortsgeschichte

Auf Zeitreise durch ein Dorf: Kappel bekommt eine Dorfchronik

Autor Stephan Hänggi lässt mit seiner Dorfchronik die Geschichte von Kappel hochleben.

Stephan Hänggi verfasste eine Ortsgeschichte über sein im Untergäu gelegenes Dorf Kappel. Darin lässt sich etwa nachlesen: Die Römer hinterliessen ihre Spuren dort auch am Hasenweg.

Seit Neuestem verfügt auch die Gemeinde Kappel über eine Dorfchronik. Sie trägt den Titel «Eine Zeitreise durch Kappel». Verfasst wurde das 350-seitige Werk durch den Einheimischen Stephan Hänggi. Die Zeitreise durch das Untergäu beginnt in der vorgeschichtlichen Zeit und endet mit dem Jahr 1899. Die frühesten Hinweise auf eine menschliche Besiedlung stammen aus der Jungsteinzeit, und Spuren der Römer fand man am Hasenweg und im Chrüzfeld.

Frühere Ersterwähnung

Die erste urkundliche Erwähnung von Kappel geht auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Am 6. Dezember 1260 verpfändete Ritter Rudolf von Pfaffnau nämlich ein Landgut beim Weiler «Capella in Buxgouwia». Bisher ging die Geschichtsschreibung davon aus, dass diese Urkunde den ersten schriftlichen Beleg für Kappel im Buchsgau enthält.

Stephan Hänggi machte jedoch die Entdeckung, dass sich im Staatsarchiv Basel ein Zinsrodel der Froburger-Grafen befindet, in welchem Kappel ungefähr ein halbes Jahrhundert früher ausgelistet worden ist: «ze kapella», heisst es dort, habe das Kloster Schönthal Anrecht auf ein Viertelmass Korn. Der Beamte, der dieses Zinsverzeichnis aufnahm, schrieb kein Datum dazu. Deshalb kann es nur auf die ungefähre Zeitspanne 1145–1223 datiert werden.

Hänggis «Zeitreise» durch das Dorf am Fusse des Born ist auf vierzehn Etappen aufgeteilt. Die einzelnen Kapitel tragen Titel wie Religion und Kirche, Beschäftigung und Landwirtschaft, Schulwesen oder Besonderes und Kultur. Speziell ist das Kapitel über die Dorfnamen, das heisst die Namen der in Kappel wohnenden Familien und ihre Übernamen. Im Abschnitt über das Dorfbild sind alle alten Häuser samt Assekuranznummer, Abbildungen und Lokalisierung behandelt. Unter ihnen auch die Stammbeiz Stephan Hänggis, das Restaurant Linde mit der Jahreszahl 1850 über der Türe.

Im Vorwort schreibt Hänggi, dass er keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebe. Deshalb verzichtet er auf einen genauen Nachweis der benutzten Quellen in Fussnoten. Immerhin listet er in einer Tabelle am Ende des Werks sämtliche benutzten Dokumente und Publikationen chronologisch geordnet auf. Und zuvorderst im Buch sind alle, die mit Fotos, Schriftquellen, Erzählungen und anderem zum Gelingen der «Zeitreise» beigetragen haben, namentlich genannt und abgebildet. Das Titelblatt, ein Aquarell des Alten Schulhauses (heute Gemeindekanzlei), stammt von Stefan Schmidt.

Lücken gefüllt

«Aus der Gegenwart in die Vergangenheit zu blicken, kann Interesse und Gefühle wecken», notiert Stephan Hänggi im Vorwort. Doch wie kam er selber zum Interesse an der Geschichte seines Dorfes? Der gelernte Maurer und Maurerpolier liess sich zum Zivilschutzinstruktor ausbilden und war für die Fachgebiete Rettung und Kulturgüterschutzdienst zuständig. Bei der Erarbeitung des Kulturgüterinventars in Kappel stellte er fest, dass Hintergrundinformationen zu den Schutzobjekten nur spärlich greifbar waren.

Damit war der Samen gelegt; 1999 begann Hänggi mit systematischem Zusammentragen von Quellen; Anfang 2016 begann beim inzwischen Pensionierten die Schreibphase.
Gegenwärtig ist die erste Auflage vergriffen. Von der zweiten Auflage, die am 1. Mai 2017 erscheinen wird, hat die Einwohnergemeinde bereits 50 Exemplare subskribiert. Ein Geschäft ist es trotzdem nicht; Stephan Hänggi hat die Druckkosten selber berappt und auch die ganze Arbeit ehrenamtlich geleistet. Dafür sind ihm manch faszinierende Bereiche begegnet, die auch ihn bereicherten, bilanziert Hänggi.

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