Es ist ein Junge namens Embolo, der den Basler Jugendtrainern Lobeshymnen entlockt. Weber versucht derweil, in der Basler U21 zu gefallen.

Niemand macht dem 19-Jährigen Hoffnungen – trotz guter Leistungen. Bald wird Weber klar, dass das Erreichen seines grossen Ziels, dereinst in der Super League zu spielen, nur mit einem Zwischenschritt möglich ist. Weber bezeichnet sich selber gerne als Realisten. Selbsteinschätzung war nie sein Problem. So wird er im Sommer 2014 im Freiamt vorstellig, Ciriaco Sforza testet den FCB-Jungspund.

Weber weiss: «Der Sprung aus der Basler U21 in die Challenge League ist nicht einfach.» Auch wenn das FCB-Etikett Qualität suggeriert. «Ich glaube nicht, dass jeder, der in Basels Jugendabteilung ausgebildet wurde, ein Leistungsträger in der Challenge League werden kann.» Dennoch ist genau das Webers Anspruch.

Das erste Jahr verläuft unbeständig. Nach anfänglichem Aufschwung bremst ihn eine Zerrung aus. Die Mannschaft hat Erfolg. Ohne ihn. Buess, Rapp und Brahimi heissen die Protagonisten. Weber ist bald wieder einsatzbereit, verharrt aber oft auf der Bank. «Ich kann dem Trainer doch keinen Vorwurf machen. Wenn die Mannschaft funktioniert, ist mir klar, dass nichts verändert wird.» Wenigstens kann Weber sich im Freiamt einleben.

Verantwortung und Tore

Ohne externen Erwartungsdruck. Eine sensationelle Saison des FC Wohlen geht zu Ende. Die Konsequenz: ein grosser Aderlass. Führungsspieler wie Buess, Rapp und Pnishi verlassen Wohlen für ein Engagement in der Super League. Coach Sforza tut es ihnen gleich. Und plötzlich fordert der neue Trainer Martin Rueda von Weber das, was er schon immer innehaben wollte: Verantwortung.

14 Spiele absolvieren die Wohler in der Vorrunde. Weber startet zwölfmal von Beginn weg. Das sind bereits jetzt mehr Starteinsätze als in der gesamten vergangenen Spielzeit. Der Realist befindet sich im Aufschwung. Auch in Sachen Torausbeute beobachtet der 21-Jährige eine erfreuliche Entwicklung: «Die beiden Tore in den letzten drei Begegnungen geben Selbstvertrauen.» Doch Webers Tore sollen auch Punkte bringen.

Denn diese fehlen, um im Freiamt von einer gelungenen Hinrunde sprechen zu können. «Spielerisch machen wir meist sehr gute Partien, die Belohnung dafür bleibt aber meist aus.» Erklärungen dafür will Weber gar nicht gross suchen: «Wir müssen einfach so weiterarbeiten, dann wird auch die Punkteausbeute bald stimmen.»

Familienzusammenkunft beim FC Wohlen

Von einer Krise will Weber nichts wissen. Die Stimmung im Team ist gut. Auch der heutige Gegner Biel weckt gute Erinnerungen: Der 2:0-Sieg war einer der bisher besten Wohler Auftritte. Weber steuerte damals einen Assist bei. Und ebendieser wird im durch Verletzungen und Sperren gebeutelten Wohlen-Kader immer wichtiger. Ob als Rechtsverteidiger, im zentralen Mittelfeld oder auf den Aussenbahnen, der 21-Jährige ist der Inbegriff von Polyvalenz. Von seiner Zeit beim FCB profitiert er heute noch, sowohl im taktischen als auch im technischen Bereich.

Diese Ausbildung genoss auch Webers jüngerer Bruder Manuel. Der FCB gab ihm allerdings nur ein Jahr Zeit, um sich zu entfalten. «90 Prozent der Spieler kriegen bei der U21 zwei Jahre, um Argumente für die erste Mannschaft zu sammeln.» Manuel Weber gehörte nicht dazu. Der Serienmeister lieh ihn im Sommer an die Black Stars aus. «Dort gibt er jetzt Gas», erklärt Bruder Michael. Nächsten Sommer wird Manuel das suchen, was Michael 2014 fand: eine Zwischenlösung. «Unsere Mutter träumt davon, dass wir nächstes Jahr zusammen beim FC Wohlen spielen», verrät Michael Weber. Es ist jener Moment, in dem sich der Realist erstmals seinen Träumen hingibt.