Die Oltner Stadtratswahlen rücken näher. In 150 Tagen fallen die Würfel. Mit der Kampfansage der FDP, die ihren zweiten Sitz zurückerobern will, und dem nicht ganz freiwilligen Verzicht auf eine Wiederkandidatur von SP-Stadtrat Peter Schafer (54) kommt im Hinblick auf die Wahlen vom 12. März 2017 Spannung auf.

Doch ein Run aufs Kandidatenkarussell, wie es vor sieben Jahren beim Jekami mit 14 Kandidierenden der Fall war, zeichnet sich nicht ab. Aus heutiger Sicht wird das Kandidatenfeld im nächsten Jahr auch unter jenem von 2013 mit damals 10 Kandidaturen liegen.

Sechs bis sieben Kandidaturen

Bis jetzt zeichnen sich sechs bis sieben Kandidaturen ab. Bei der SP ist damit zu rechnen, dass sie neben Vize-Stadtpräsident Thomas Marbet (49) die ehemalige Gemeinderätin Marion Rauber (50) als politische Wiedereinsteigerin ins Rennen schickt. Bei der FDP spricht man ebenfalls von einem Zweierticket.

Doch die Frage, wer neben dem amtierenden Finanzdirektor Benvenuto Savoldelli (54) auf den Schild gehoben wird, ist noch offen. Herumgeboten werden die Namen von Kantonsrat Andreas Schibli (47), der beiden Gemeinderätinnen Simone Sager (37) und Alexandra Kämpf (39) sowie von Parteipräsidentin Monique Rudolf von Rohr (60). Bei der CVP ist bis jetzt nichts zu hören von einer weiteren Kandidatur neben Martin Wey (54).

Die Grünen werden sich wohl auf die Verteidigung ihres Sitzes mit Iris Schelbert (60) konzentrieren. Kantons- und Gemeinderat Felix Wettstein (58), der bei den Grünen als Anwärter wohl auch infrage käme, kandidiert bekanntlich für den Regierungsrat. Keine grossen Anzeichen für eine Kandidatur gibt es bei der SVP, was doch etwas merkwürdig erscheint.

Denn mit Christian Werner (32) verfügt die Partei über einen Politiker mit echten Wahlchancen. Und Exekutiverfahrung könnte Werner, dem Regierungsratsambitionen nachgesagt werden, im Blick auf solche Bestrebungen nützlich sein.

Bei den Grünliberalen wird es kaum zu einer Stadtratskandidatur kommen, da die aussichtsreichsten Personen, die beiden Gemeinderatsmitglieder Beatrice Schaffner (52) und Christian Ginsig (44), ihren Verzicht erklärt haben.

Wahlmanöver zeitigen nicht immer Erfolg

Eine zentrale Frage bei den bevorstehenden Stadtratswahlen ist: Wie wirkt sich das gewagte Manöver der SP-Parteileitung, die Peter Schafer zum Rücktritt gedrängt hat, auf das Wahlergebnis aus? Die SP hofft wohl auf gutes Gelingen, frei nach dem Motto: «Wer wagt, gewinnt.» Doch was sympathisch tönt, trifft in der Politik nicht immer zu. Vor allem nicht bei Wahlmanövern.

Davon können zum Beispiel die Freisinnigen im Kanton Solothurn und in der Stadt Olten ein Liedchen singen. Sie haben bei den eidgenössischen Wahlen 2011 und bei den Kommunalwahlen 2013, bei denen unter Mithilfe der jeweiligen Parteiführung je ein altgedientes Politpferd ausgespannt wurde, ihre traditionsreiche Vertretung im Ständerat und den Sitz des Oltner Stadtpräsidenten verloren.

Profitieren konnte in beiden Fällen die CVP: Auf Ständerat Rolf Büttiker folgte Pirmin Bischof, Stadtpräsident Ernst Zingg wurde durch Martin Wey abgelöst.

Iris Schelbert ist nicht so einfach zu bodigen

Während etwa die FDP der Stadt Solothurn wohl nicht zuletzt als Folge dieser beiden politischen Schlappen bei den nächstjährigen Wahlen nochmals Kurt Fluri mit inzwischen 24 Amtsjahren ins Rennen ums Stadtpräsidium schickt, zeigen sich die Sozialdemokraten in der Stadt Olten unbeeindruckt. Als Partei mit der grössten Fraktion im Oltner Gemeinderat (14 Sitze, inklusive Junge SP) sieht die SP-Führung ohne die Kandidatur Schafer offenbar ihren zweiten Stadtratssitz nicht gefährdet.

Allerdings muss auch die SP erkennen, dass die FDP, die als zweitstärkste politische Kraft nur über zwei Gemeinderatssitze weniger verfügt, derzeit bloss einen Stadtratssitz besetzt. Und mit Schafer fehlt der SP jetzt ein Zugpferd, das bei den letzten Stadtratswahlen als einziges hinter der Grünen Iris Schelbert auf Anhieb die Volkshürde schaffte.

Alle andern Kandidierenden, darunter auch Stadtpräsident Martin Wey, mussten zu einem zweiten Wahlgang antreten. Was die SP ebenfalls berücksichtigen muss: Der Angriffswind der FDP wird sich auch gegen ihre Kandidaturen auswirken, selbst wenn die Freisinnigen den grünen Sitz ins Visier nehmen.

Denn die beliebte Iris Schelbert, die bei den Stadtratswahlen 2013 das Spitzenergebnis erreichte, ist nicht so einfach vom Sockel zu stossen. Ein allfälliger Sitzgewinn der FDP könnte sich demnach zulasten von SP oder Grünen entwickeln.

Für SP und Grüne wäre von Vorteil, wenn die SVP mit einer eigenen Kandidatur ins Wahlgeschehen eingreifen und damit der FDP Wind aus den Angriffssegeln nehmen würde.

Politischer Trend spricht gegen rot-grün

Sei dem, wie es will, die politische Frage, ob die rot-grüne Mehrheit im Oltner Stadtrat bei den nächsten Wahlen bestehen bleibt, ist offen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der politische Trend derzeit eher für die Bürgerlichen und gegen links-grün spricht.

Sicher ist nur, dass Peter Schafer abtritt. Mehr als symbolisch für seinen Abtritt ist, dass die SP mit ihm vor drei Jahren noch das Stadtpräsidium erobern wollte. Es kam nicht dazu, weil irgendwie die Anmeldung vergessen ging. Wie heisst es doch so schön: Ein Unglück bzw. eine Panne kommt selten allein ...