Wahlen 2019

Die Ausgangslage im Kanton Graubünden – die Wahl der Rekorde

Der grosse Ansturm. 100 Kandidatinnen und Kandidaten wollen für Graubünden in den Nationalrat, nur fünf dürfen.

Der grosse Ansturm. 100 Kandidatinnen und Kandidaten wollen für Graubünden in den Nationalrat, nur fünf dürfen.

100 Kandidatinnen und Kandidaten auf 20 Listen wollen für Graubünden in den Nationalrat – so viele wie nie zuvor.

In der Theorie ist die Ausgangslage zu den diesjährigen Nationalratswahlen in Graubünden schnell erzählt: Weil Silva Semadeni nicht wieder antritt, muss die SP ihren Sitz in der fünfköpfigen Delegation verteidigen. Aufgrund der aktuellen Kräfteverhältnisse zweifelt eigentlich niemand ernsthaft daran, dass das den Genossinnen und Genossen gelingen wird.

Die übrigen vier Bisherigen würden gerne für eine weitere Legislatur nach Bern reisen: Heinz Brand und Magdalena Martullo (beide SVP), Martin Candinas (CVP) und Duri Campell (BDP) treten erneut an. Wenn in Graubünden alles seinen gewohnten Gang nimmt, ändert sich im Oktober – nichts. Jedenfalls nicht an der parteipolitischen Zusammensetzung der Berner Delegation.

Keine Bisherigen-Garantie

Ganz so einfach, wie die Sache auf den ersten Blick scheint, ist sie in Wirklichkeit aber nicht. Bei den beiden letzten Nationalratswahlen im Kanton musste immer jeweils ein Bisheriger über die Klinge springen: Im Jahr 2011 traf es FDP-Mann Jürg Michel, der durch den Grünliberalen Josias F. Gasser ersetzt wurde. Gasser selber verlor sein Mandat vor vier Jahren an die SVP und Martullo. Der Bisherigen-Bonus ist also auch in Graubünden längst keine Garantie mehr für die erfolgreiche Wiederwahl.

Für die SVP, die etwas überraschende Gewinnerin der Wahlen 2015, kommt dazu, dass sie ihren Sitzgewinn nur hauchdünn schaffte. Am Ende gaben rund 300 Stimmen den Ausschlag. Mit dazu beigetragen haben damals der massierte Auftritt der Volkspartei mit vier eigenen Listen (zwei Hauptlis- ten, die Junge SVP und die SVP International) sowie die Allianz mit der Kleingruppierung Patriotisch Liberale Demokraten.

Listen über Listen

Das Erfolgsrezept der SVP wird von einem Teil der Bündner Parteien heuer munter kopiert. Das hat die Zahl der eingereichten Wahllisten – auch dank einer Neuregelung des Bundes zu den Unterschriftenzahlen für die Wahlvorschläge – explosionsartig in die Höhe schnellen lassen. Nicht weniger als 20 Wahllisten wurden bei der Standeskanzlei Graubünden fristgerecht angemeldet.

Einzig die Verda – Grüne Graubünden tritt mit nur einer Liste an. Rekordhalterin ist er- neut die SVP, die es diesmal auf gleich fünf Listen bringt, ein «Team 60+» inklusive. Die FDP schickt vier Listen ins Rennen, darunter je eine sogenannte Supporterliste aus der Gemeindepolitik und der Wirtschaft.

CVP und SP setzen auf je eine Hauptliste und zwei Listen der Jungen; bei der GLP und der BDP sind es jeweils eine Haupt- liste und eine Liste der eigenen Jungpartei.

Es ist vieles offen

Die beiden SVP-Sitze geraten zusätzlich unter Druck, weil BDP, CVP und FDP samt ihren mannigfaltigen Unterlisten zu einer Listenverbindung der bürgerlichen Mitte zusammengefunden haben – gleich wie das linksgrüne Lager mit SP, Verda und GLP. Damit muss die SVP als einzige Partei aus eigener Kraft zwei Mandate verteidigen.

Allerdings ist die SVP nicht die einzige Partei, welche unter Druck steht. Die letzten Wahlresultate sprechen auch nicht unbedingt für die BDP. Und spätestens seit den – vom Baukartell-Skandal überschatteten – kantonalen Wahlen von vergangenem Jahr hat man sich auch in Graubünden an Überraschungen gewöhnt.

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