«wir eltern»-Blog

Wie sich die Geburtenrate steigern lässt

Viele Babys

Viele Babys

Alle wollen die Geburtenrate steigern. Aber so richtig was dafür tun dann lieber doch nicht.

Geburtenraten sind ja so eine Sache: 1,3 Kinder pro Familie sind zu wenig, gut ausgebildete Paare bekommen keinen Nachwuchs mehr, allenthalben Unfruchtbarkeit und buhuhu, wir sterben aus. Gerade in meinem Heimatland Deutschland haben wir zu diesem Thema ein sehr schwieriges Verhältnis. Das fängt schon beim Wir™ an. Wir sterben überhaupt nicht aus. Vielleicht wir kalkweissen Herkunftsdeutschen oder wir Paare mit akademischer Ausbildung, aber nicht wir Deutschen. Wenn man mal auf diese Formen von Rassismus und Klassismus verzichtet, bei denen es darauf anzukommen scheint, dass möglichst weisse und möglichst mittel- bis oberschichtige Menschen sich vermehren, hat Deutschland schon seit längerem kein Problem mit der Geburtenrate. Trotzdem bleibt natürlich festzustellen, dass es in bestimmten gesellschaftlichen Gruppen in der Vergangenheit nicht so gut funktioniert hat und erst ganz allmählich besser wird. Und das liegt daran, dass wir zwischen Tür und Angel hängen.

Die Phase der völlig starren und statischen Geschlechterbilder mit einem Einkommen durch den über Jahrzehnte gleichbleibend krisensicheren Job ist vorbei. Und in eine geschlechtergerechte Phase, in der Care-Tätigkeiten fair verteilt werden, sind wir noch nicht eingetreten. Wir stecken immer noch irgendwo dazwischen fest. Auf der einen Seite versucht der Staat Anreize und Möglichkeiten für Konstellationen mit Kindern zu schaffen. Auf der anderen Seite schiebt die Gesellschaft Alleinerziehenden die Arschkarte zu und fragt sich scheinheilig, ob denn eine Führungsposition in Teilzeit wohl überhaupt möglich, ja gewollt ist.

Es fehlt nach wie vor an Infrastruktur, Flexibilität und tatsächlichem Willen. Kinder mögen ja irgendwie süss und vielleicht sogar die Rentenzahler von morgen sein. Das ändert aber nichts daran, dass ständig gefordert wird, man möge sie doch bitte wegorganisieren, so arbeiten als hätte man keine und so leben als wäre die vierte befristete Stelle in drei Jahren wichtiger als der Nachwuchs. Wir müssten uns mal entscheiden. In die Vergangenheit führt kein Weg zurück. Und zu ein paar beherzten Schritten in die Zukunft können wir uns nicht so richtig aufraffen. Also wurschteln wir uns in einem System an den Rand der Erschöpfung, das sich für Kinder immer nur auf dem Papier interessiert und Menschen gegeneinander ausspielt.

Zeit, das zu beenden und nach vorne zu gehen.

«wir eltern»

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