Strafgericht
Prostituierten-Mörder muss 18 Jahre hinter Gitter

Der Mann, der in Basel eine Prostituierte mit 37 Messerstichen getötet hat, muss für 18 Jahre ins Gefängnis. Das Strafgericht Basel-Stadt hat den 45-jährigen aus Angola stammenden Portugiesen am Mittwoch des Mordes schuldig befunden.

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Er stach 37 mal auf die Prostituierte ein. Dafür muss der Angeklagte nun 18 Jahre hinter Gitter. (Symbolbild)

Er stach 37 mal auf die Prostituierte ein. Dafür muss der Angeklagte nun 18 Jahre hinter Gitter. (Symbolbild)

imago/Steinach

Mit seinem Strafmass liegt das Gericht nur gerade ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte dagegen auf Totschlag plädiert und eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verlangt.

Bei der Urteilsfindung stützte sich das Gericht auf die schweren Verletzungen des Opfers sowie gewisse Spuren am Tatort. Weil die aus Kamerun stammende Frau auch Messerstiche an Armen, Händen und am Rücken aufwies, ging das Gericht davon aus, dass sich die zweifache Mutter zunächst zu wehren versucht hatte und langsam verstarb.

Grausame "Abschlachterei"

Die Ausführung der Tat sei zweifellos grausam gewesen, sagte der Gerichtspräsident bei der Urteilsbegründung. Er sprach von einer "Abschlachterei", da weit weniger als 37 Messerstiche gereicht hätten, um dem Tod der Frau herbeizuführen.

Als mutmassliches Tatmotiv sah das Gericht "sexuelle Frustration" und Unzufriedenheit mit der Dienstleistung. Dafür sprächen die am Tatort gefundenen gebrauchten Kondome, die keine Spermaspuren enthalten haben und Aussagen der Prostituertenvermittlerin, mit der das Opfer in der Wohnung des Täters noch telefoniert hatte. Dieses Motiv stehe in keinem Verhältnis zu einem Menschenleben.

Keine Reue und Einsicht

Nicht abnehmen mochte das Gericht dem Täter, dass das Opfer einen Mann in die Wohnung gelassen hatte, den er im Schrank entdeckt habe. Selbst wenn der Fremde existieren würde, wäre dies kein Grund für die Panik gewesen, mit welcher der Täter das Verbrechen begründet hatte, sagte der Gerichtspräsident. Er habe den Fremden ja nach eigenen Aussagen zuvor mit dem Messer aus der Wohnung vertrieben.

Vor der Tat soll die Prostituierte gemäss dem Angeklagten ihm eine Decke über den Kopf geworfen haben, weil er die Frau wegen des Unbekannten zur Rede gestellt hatte. Dass der Beschuldigte danach lediglich mit dem Messer "herumgefuchtelt" habe, wies das Gericht von der Hand. Die Tiefe der Messerstiche spreche gegen diese Darstellung.

Strafmildernd wurde berücksichtigt dass sich der Mann dem Verfahren gestellt hat. Reue und Einsicht vermochte der Gerichtspräsident indes nicht erkennen.

Das Gericht unterstellte dem Täter, dass er lediglich eine möglichst tiefe Strafe angestrebt habe, um später wieder nach Europa zu seiner Familie reisen zu können. Bis zur Verjährung des Mordes wäre dies nicht möglich gewesen.

Genugtuung für Kinder des Opfers

Ereignet hat sich die Tat am 7. Mai 2015 an der Hegenheimerstrasse in Basel. Der Mann hatte sein aus Kamerun stammendes späteres Opfer über eine ihm bekannte Prostituiertenvermittlerin zu sich nach Hause bestellt. Vor den mehrfachen sexuellen Handlungen hatte er Kokain konsumiert und Wodka getrunken.

Nach der Tat flüchtete der Vater von mehreren Kindern über Frankreich nach Marokko. Die Flucht finanzierte er mit Geld, das er sich nach der Tat unter einem Vorwand von einer Betreuerin eines kirchlichen Vereins erschlichen hatte. Am 3. Juni letzten Jahres stellte er sich der spanischen Polizei und wurde später an die Schweiz ausgeliefert.

Für die beiden inzwischen volljährigen Kinder des Opfers sprach das Gericht eine Genugtuung von je 25'000 Franken aus. Zudem muss ihnen der Täter einen Schadenersatz von gut 10'000 Franken für die Beerdigung erstatten.