«Privates noch mehr klären»

Für die Auswahl des Polizeichefs hat der Zofinger Stadtrat die gleiche Beratungsfirma wie die Kantonspolizei engagiert. Trotzdem: Das Privatleben von Bewerbern will man nun noch genauer abklären.

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Michael Spillmann

Dem freigestellten, in Untersuchungshaft sitzenden Mathias P. Müller gelang es, alle zu täuschen: Beim strengen Auswahlverfahren für den Posten des Polizeichefs blieben sein Drogenkonsum und die getätigten Drogengeschäfte unbemerkt. Und während seiner einjährigen Tätigkeit als Polizeichef verhielt sich der 36-Jährige offenbar nicht auffällig. «Er wurde über sein Privatleben befragt», so der Zofinger Stadtrat Herbert H. Scholl, der für die Regionalpolizei zuständig ist, «aber wir müssen in Zukunft Privates noch mehr abklären.»

Dass sich die Behörden im polizeilichen Quereinsteiger getäuscht haben, ist offensichtlich. Dabei wollte man in Zofingen bei der Wahl des neuen Polizeichefs nichts dem Zufall überlassen. «Wir haben uns vorgängig bei der Kantonspolizei erkundigt», erklärt Scholl. Danach habe der Zofinger Stadtrat für die Beratung die gleiche Assessment-Firma engagiert, deren Dienste die Kantonspolizei jeweils beim Einstellen von Polizeioffizieren in Anspruch nimmt.

Zwei waren am Schluss übrig

Von den ursprünglich 26 blieben nach der ersten Runde noch deren 5 Bewerber im Rennen. Diese wurden auf Herz und Nieren geprüft. Am Schluss waren Müller und ein zweiter Mitstreiter übrig. Nach intensiven Gesprächen mit beiden entschied sich der siebenköpfige Stadtrat für Mathias P. Müller. Sein Widersacher - gemäss MZ-Informationen ein aus der Region Zofingen stammender Bewerber - blieb auf der Strecke. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wollte sich Stadtrat Herbert H. Scholl nicht zu diesem Bewerber äussern.

«Sehr gute Referenzen»

Die Verantwortlichen erkundigten sich auch bei Müllers ehemaligen Arbeitgebern. Der aus Frauenfeld stammende diplomierte Informatik-Ingenieur war unter anderem bei der Fremdenpolizei des Kantons Thurgau angestellt und amtete zuletzt als IT-Gesamtprojektleiter für das Projekt Schengen/Dublin. «Überall war alles in Ordnung. Er hatte sehr gute Referenzen», sagt der Stadtrat.

Die polizeiliche Karriere des freigestellten Polizeichefs ist wohl besiegelt. Seine politischen Ambitionen begrub der Frauenfelder bereits vor rund zehn Jahren: Wie der «Tages-Anzeiger» berichtete, kandidierte Müller für die SP erfolglos für den Zürcher Gemeinderat, danach gab er ein kurzes Gastspiel in der Schulpflege Limmattal.

Verhaftung nach Stadtratswahl

Der Repol-Chef sitzt noch immer in U-Haft. Wie lange noch, ist unklar. Aufgeflogen waren seine Drogengeschäfte bereits vor knapp zwei Wochen, nachdem ein mittlerweile entlassener 33-jähriger Lenzburger Regionalpolizist seinen Drogenkonsum eingestanden und zur grossen Überraschung aller den Zofinger Polizeichef ins Spiel gebracht hatte. Erst am Montag holten Kantonspolizisten den 36-Jährigen an seinem Arbeitsplatz ab - einen Tag nach den Zofinger Stadtratswahlen.

Ein Zufall? «Der Stadtrat hat erst nach der Verhaftung von den Geschehnissen erfahren. Die Wahlen hatten darauf keinen Einfluss», betont Herbert H. Scholl. «Solche Ermittlungen brauchen Zeit. Wir mussten zuerst genau prüfen, ob an den Vorwürfen etwas dran ist», fügt Ueli Bruder, stellvertretender Lenzburger Bezirksamtmann, an.