Hooligans
Hooligans: Der Aargau greift durch

CVP-Präsident und Grossrat Franz Hollinger rennt mit dem Vorstoss zum Thema Hooligans (am Dienstag im Grossen Rat) offene Türen ein. Justizdirektor Urs Hofmann hat die Weichen bereits so gestellt, dass randalierende Fussballfans künftig auch im Aargau rasch und kompromisslos abgeurteilt werden können.

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Aargauer Zeitung

Toni Widmer

«Was in St. Gallen gemacht wird, das ist auch bei uns möglich. Auch wir können und wollen gegen die Fussball-Hooligans rasch und kompromisslos durchgreifen», sagt der Aarauer Bezirksamtmann Dieter Gautschi. Nur zu gerne hätte er am Samstag ein paar der Chaoten gepackt, die nach dem Spiel Aarau - Zürich Polizisten mit Pflastersteinen bewarfen und an der Hinteren Bahnhofstrasse zahlreiche Scheiben zertrümmerten.

«Die rechtlichen Voraussetzungen, solche Randalierer abzuführen und sofort zu bestrafen, sind gegeben. Ich habe die Kompetenz dazu und ich würde diese Kompetenz im entsprechenden Fall auch wahrnehmen. Gegen solche Leute ist hartes Durchgreifen angesagt», bekräftigt Gautschi.

Alter Hut, ganz aktuell

«Die alte Fasnacht ist vorbei», titelt die SVP eine Mitteilung zum Vorstoss des CVP-Präsidenten, der ein Schnellverfahren zur Bestrafung von Hooligans verlangt. Die SVP hatte das nämlich schon vor fünf Jahren verlangt. Schon damals wurde ihr beschieden, dass ihr Vorstoss offene Türen einrenne, weil das aargauische Strafprozessrecht bereits ein Schnellverfahren kenne. Der Vorstoss wurde vom Parlament auch gleich als erledigt abgeschrieben. Mit dem Hinweis, dass verhaftete Täter durch den Bezirksamtmann sofort abgeurteilt und kurze Freiheitsstrafen umgehend vollstreckt werden können. Wenn nun nach fünf Jahren von einem Koordinationsbedarf zwischen den Instanzen die Rede ist, lässt das die SVP mit leichter Ungeduld verlangen, nun auch tatsächlich nach den vorhandenen gesetzlichen Voraussetzungen zu handeln. (mou)

Eskalation vermeiden

Warum hat er es denn am vergangenen Samstag nicht gemacht? «Ich hatte Pikettdienst, wäre also sofort verfügbar gewesen. Doch ich habe weder im Voraus gewusst, dass beim Zürcher Spiel allenfalls mit Ausschreitungen zu rechnen ist, noch bin ich am Samstag direkt über die Vorfälle informiert worden», sagt Gautschi.

Der Bezirksamtmann will das allerdings nicht als Vorwurf an die Polizei verstanden wissen: «Ich bin nicht über die Strategie der Einsatzkräfte informiert. Es ist durchaus möglich, dass die Polizei bewusst darauf verzichtet hat, einzelne Randalierer festzunehmen und vom Bezirksamt in Haft setzen zu lassen», erklärt Gautschi. Eine solche Strategie werde jeweils gefahren, wenn durch Festnahmen vor Ort die Gefahr der Eskalation drohe.

Über die Strategie der Polizei will sich jetzt aber Regierungsrat Urs Hofmann genauer ins Bild setzen. Wie Bezirksamtmann Dieter Gautschi ist auch er der Überzeugung, dass gegen Hooligans sofort und hart durchzugreifen ist: «Ich kann Dieter Gautschis Haltung in jeder Beziehung unterstützen. Wir haben die gesetzlichen Möglichkeiten dazu, also nehmen wir sie auch wahr.»

Polizeiminister will koordinieren

Allerdings, sagt der Polizeiminister, brauche es vorab noch eine bessere Koordination zwischen den zuständigen Instanzen: «Ich habe das noch am Sonntag in die Wege geleitet und vom Polizeikommandanten entsprechende Auskünfte über den Ablauf der Randale vom Samstag verlangt», erklärt Urs Hofmann. Er sei überzeugt, dass die Polizei für ihre Einsatztaktik der blossen Beobachtung, Identifizierung und Verzeigung von Hooligans ihre Gründe gehabt habe. Schliesslich gelte es bei so heiklen Einsätzen vor allem auch, allfällige Eskalationen zu vermeiden.

Das Geschehen nach dem Spiel Aarau - Zürich - das der Regierungsrat übrigens im Brügglifeld ebenso privat verfolgte wie Bezirksamtmann-Stellvertreter Hans Frey - will Hofmann jetzt zusammen mit den Verantwortlichen analysieren und wenn nötig die entsprechenden Lehren daraus ziehen: «Franz Hollinger rennt mit seinem Vorstoss offene Türen ein. Was er verlangt, das ist von uns bereits seit einiger Zeit in die Wege geleitet», sagt der Polizeiminister.

Ziel von Urs Hofmann und Dieter Gautschi ist es laut übereinstimmendem Bekunden nicht, Chaoten so rasch einen Strafbefehl in die Hand zu drücken, dass sie Aarau noch mit dem Fanbus verlassen und sich dort mit dem Papier brüsten können: «Hart vorgehen bedeutet für mich, dass solche Leute eine oder zwei Nächte in der Zelle verbringen. Wer in Aarau randaliert, soll die Härte des Gesetzes zu spüren bekommen», sagt Gautschi.

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