Bahnhof Siggenthal-Würenlingen
Ein Bahnhof auf Wanderschaft?

Im Zuge der geplanten Automatisierung der Bahnstrecke durch das untere Aaretal könnte dem Bahnhof Station Siggenthal-Würenlingen eine Verschiebung um bis zu 200 Meter Richtung Norden drohen.

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Bahnhof Siggenthal-Würenlingen

Bahnhof Siggenthal-Würenlingen

Aargauer Zeitung

Philippe Neidhart

Noch zählt der Bahnhof beim Industriegebiet Hard in Station Siggenthal zu den bedienten Haltestellen. Das könnte sich aber bis im Jahr 2015 ändern. Die SBB planen bis zu diesem Zeitraum die Automation der Strecke bis nach Koblenz.

Komplette Automatisierung der Aaretal-Linie

Die Strecke von Döttingen bis Koblenz soll bis ins Jahr 2011 modernisiert werden Neben Station Siggenthal-Würenlingen sind auch die Haltestellen in Döttingen, Zurzach sowie Koblenz von der geplanten Automatisierung betroffen. Bei diesen drei Bahnhöfen wurde bereits ein Vorprojekt ausgearbeitet, das eine hohe Qualität aufweise, sagt Marco Lombardi, Projektleiter der Sektion Öffentlicher Verkehr des Kantons Aargau. Da es sich bei diesem Projekt um eine Investition von mehreren Millionen Franken handelt, muss der Verwaltungsrat der SBB über die Annahme bestimmen. Bei einem positiven Entscheid wäre der Baubeginn auf das Jahr 2011 angesetzt. Allerdings muss mit Einsprachen gerechnet werden. Ob und wie viel der Kanton und die jeweiligen Gemeinden an den Umbau beisteuern würden, ist noch in Abklärung. Der Döttinger Bahnhof wurde bereits in der Vergangenheit saniert. Zurzeit bestehen eine Unterführung sowie ein gut ausgebauter Kundenbereich mit Einkaufsmöglichkeit. Im Zuge der Automatisierung würde zusätzlich ein Aussenperron geschaffen. In Zurzach ist die Aufhebung des Fussgänger-Übergangs geplant. Dafür würde eine behindertengerechte Unterführung mit Rampe und Treppe entstehen. Ähnlich ist das Projekt in Koblenz. Beim Umbau würden die beiden bestehenden Hilfskanten aufgehoben und ein neuer erhöhter Mittelperron gebaut. Dies würde einen barrierenfreien Zugang zu den Zügen erlauben. «Wie man an diesen Beispielen sieht, hat eine Automatisierung durchaus Vorteile», sagt Lombardi. Zwar gebe es keine Bedienung mehr, doch die Kundenanlagen würden neu ausgestaltet. Ausserdem würden die Perrons behindertengerecht erhöht.

Ein automatisierter Bahnhof stellt hohe Anforderungen an die Infrastruktur. Bisher mussten die Passagiere beim Bahnhof Siggenthal teilweise die Gleise überqueren, um auf das gewünschte Perron zu gelangen. Dies sei jedoch nur verantwortbar, solange am Bahnhof Personal anwesend sei, sagt Marco Lombardi, Projektleiter der Sektion Öffentlicher Verkehr des Kantons Aargau. Wird die Haltestelle automatisiert, müssen schienenfreie Perronzugänge aus Sicherheitsgründen zwingend gewährleistet sein.

Verschiedene Lösungen

Um die bestehende Problematik anzugehen, stehen der SBB mehrere Möglichkeiten offen. Die erste Version besteht in einer Verschiebung des momentan bedienten Bahnhofs. Dies wäre nötig, da man die Gleisachse aufspreizen müsste, um den Perron dazwischen zu vergrössern. Da der Baustoffkonzern Holcim in direkter Bahnhofnähe liegt, müsste man zusätzlich auf den Rangierverkehr achten. Weil das Bahnhofgebäude unter Schutz steht, könnten auch Schwierigkeiten mit der Denkmalpflege entstehen.

Eine zweite Variante sieht den Bau einer neuen Haltestelle rund 150 bis 200 Meter nördlich des momentanen Standorts vor. Gebaut würde eine überdachte Haltestelle mit Sitzgelegenheiten sowie mit einem Veloständer. Der Perron würde eine Höhe von rund 50 Zentimetern aufweisen, was das Ein- und Aussteigen erleichtert.

Ausserdem bestünde die Möglichkeit, dass der Bus den überdachten Perron direkt anfahren könnte. Voraussetzung hierbei ist, dass die Situation übersichtlich und gut einsehbar gestaltet wird. Dies erfordert jedoch eine umfassende Planung und nimmt viel Zeit in Anspruch.

Ausserdem muss bei einem derart grossen Projekt mit Einsprachen gerechnet werden. Ein Baubeginn vor dem Jahr 2015 ist aus diesen Gründen unrealistisch. Ausserdem muss im Vorfeld noch Rücksprache mit der Gemeinde Würenlingen gehalten werden.

In einer früheren Phase wurden noch andere Möglichkeiten in Betracht gezogen. Zum einen prüfte man den Bau einer Haltestelle auf ungefährer Höhe des Einkaufszentrums Aarepark. Durch den dort vorhandenen Kreisel wäre die Anbindung an den öffentlichen Verkehr jedoch sehr ungünstig.

Eine weitere Option stellt ein Bahnhof an der Verbindungsstrasse zum PSI Ost dar. Diese Lage zeigte sich bei einer genaueren Analyse als noch ungünstiger als die Variante beim Aarepark. Aufgrund der abgelegenen Lage würden Sicherheit und Schutz vor Vandalismus nicht mehr gewährleistet sein. Ausserdem wäre dieser Standpunkt zu weit vom Würenlinger Dorfkern entfernt. Auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr würde sich schwierig gestalten und die Erschliessungswirkung würde abnehmen.

Anderweitige Nutzung

Falls es zu einer Verschiebung der Haltestelle kommen würde, könnte das alte Bahnhofgebäude auf verschiedene Weise genutzt werden. Möglich wäre eine kleingewerbliche Nutzung, beispielsweise als Blumenladen, wie man es von anderen nicht mehr genutzten Bahnhöfen kennt.