Die Armee schlägt Brücken

220 Männer aus der ganzen Deutschschweiz verbringen derzeit ihren WK in Biberist. Gestern demonstrierten sie rund ebenso vielen Besuchern ihr handwerkliches Können.

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Die Armee schlägt Brücken

Die Armee schlägt Brücken

Solothurner Zeitung

Elisabeth Seifert

Kathy Fagone und ihre beiden Jungs, vor allem der fünfjährige Alessio, sind begeistert. Derweil der kleine Diego im Kinderwagen schlummert, turnt sein älteres Brüderchen auf einer Hängebrücke aus Holz herum, die mehrere Soldaten gestern Morgen mal schnell aufgebaut und zwischen zwei Militärlastwagen gespannt haben. «Von solchen Brücken sind Buben natürlich fasziniert,» sagt seine Mutter. Und auch sie selbst freut sich über all die «Handwerkerarbeit», die es am Mittwoch anlässlich eines Nachmittags der offenen Tür bei der in Biberist stationierten WK-Truppe, der Sappeurkompanie des Geniebataillons 6, zu bestaunen gab. Etwas gelassener nimmts der ehemalige Soldat Franz Schnider: «Die technische Entwicklung ist nicht so wahnsinnig viel weiter als bei uns damals», blickt er auf seine eigene Zeit beim Militär zurück. Besonders hat es ihm der Anhänger mit Werkzeugen aller Art angetan. «Das Material ist äusserst langlebig, zum Teil gibt es hier Werkzeug, das 30 oder 40 Jahre alt ist.» Sagts und zieht davon, nicht ohne zuvor noch einige kulinarische Erinnerungsstücke ergattert zu haben, ein Pack Militärbiskuits samt zugehöriger Streichpastete sowie einen Riegel Militär-Schokoloade.

Imagepflege betreiben

«Brückenschlag» hiess sinnigerweise der Anlass, der die Kompanie der Brückenbauer in Kontakt mit der Biberister Bevölkerung bringen sollte. Gefolgt sind der Einladung gestern Nachmittag rund 200 Personen, vornehmlich ältere Herrschaften und Mütter mit ihren Kindern. «Wir sind mit dem Resultat zufrieden», hält Kompanie-Kommandant Thomas Gross fest, auf dessen Initiative hin dieser Begegnungsnachmittag zustande gekommen ist. «Die Einwohner sollen nicht einfach nur die Militärlastwagen durchs Dorf rollen sehen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, unsere Arbeit näher kennenzulernen.» Damit verbunden ist natürlich auch ein Stück Imagepflege: «Wir wollen dem negativen Bild, das die Armee in den Augen vieler hat, etwas Gegensteuer geben.» Und: «Die Armee muss zeigen, was sie kann.»

Zeigen wollten die Männer der Sappeurkompanie auf dem Parkplatz Bleichematt vor allem auch, dass ihr WK längst nicht nur aus Waffenübungen besteht, sondern auch für die Zivilbevölkerung durchaus sinnvolle Tätigkeiten einschliesst. In erster Linie ist da natürlich der Bau von Brücken aller Art zu nennen. Hinzu kommen aber unterschiedlichste Bauleistungen. «Falls heute Nacht irgendwo ein Unwetter passiert, können wir morgen bereits mit der ganzen Kompanie vor Ort sein und bei den Aufbauarbeiten helfen», betont Kommandant Gross, der im zivilen Leben als Ingenieur wirkt. Seine Kompanie besteht vor allem aus Handwerkern des Baugewerbes wie Zimmerleuten, Schreiner und Maurer. Dazu gesellen sich aber auch etliche Mechaniker, Landwirte, Gartenbauer und Chauffeure.

Es muss allerdings nicht immer gleich eine Katastrophe sein, damit die Sappeure für die Zivilbevölkerung zum Einsatz kommen. Gross: «Im Auftrag verschiedener Gemeinden haben wir auch schon Waldwege saniert, ein Fussgängerbrücklein gebaut oder Baracken aufgestellt.» Wichtig sei natürlich immer, dass die Armee mit ihren Arbeitsleistungen für eine Gemeinde nicht das lokale Handwerk konkurrenziert. «Wir sind in erster Linie unterstützend tätig.»

Ihr Können demonstrierten die Sappeure gestern in Biberist mit dem raschen Auf- und Abbau eines Abschnitts der maximal 30 Meter langen «Festen Brücke 69», die aus lauter flexiblen Einzelteilen besteht. Gross: «Mit 30 Mann brauchen wir für den Aufbau einer solchen Brücke weniger als eine Stunde.» Bewundern konnten die Besucher weiter den Militärfahrzeugpark und vor allem verschiedene Zimmermannsarbeiten, welche die Truppe eigens für den gestrigen Tag zusammengebaut hat. Besonders beliebt bei den Kindern war neben der eingangs erwähnten Hängebrücke eine stattliche Schaukel. Die älteren Frauen und Männer machten es sich auf einer Doppel-Sitzbank bequem, die auch vom Design her überzeugte. Nicht fehlen durfte natürlich ein grosszügig konzipierter Holzunterstand, unter dem die Gastgeber ihre Gäste bewirteten.

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