Da blieb auch einiges im Hals stecken

Bereits seit acht Jahren gehört der Begriff «Dreigänger» ins kulturelle Vokabular der Stadt. Um den oft erfolglosen Run auf Tickets zu schmälern, wurde die kulinarisch-kabarettistische Erfolgsveranstaltung nebst gestern Freitag und heute Samstag erstmals auch am Donnerstag durchgeführt.

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Da blieb auch einiges im Hals stecken

Da blieb auch einiges im Hals stecken

Solothurner Zeitung

Katharina Arni-Howald

Im Gegensatz zum westlichen Teil des Landhausquais, wo die Strassencafés an diesem kühlen Aprilabend mehrheitlich verwaist bleiben, herrscht im «Kreuz»-Saal am Donnerstagabend Hochbetrieb. Die Küche und das Personal haben sich auf das Event perfekt vorbereitet. Nach einem lärmigen Auftakt in der Bar konzentrieren sich die Blicke der 92 anwesenden Gäste pünktlich um halb acht auf die Menükarte. Das gebratene Red-Snapper-Filet auf rohem Spargelsalat mit Bärlauchvinaigrette weckt Essgelüste. Gut so, denn die Vorspeise muss im Eiltempo aufgetragen werden. Schliesslich geht es auch darum, dass der vorne im Saal auf einem in die Jahre gekommenen Perserteppich platzierte Tisch und der Stuhl nicht lange leer bleiben.

Stoff zum Nachdenken

Als Erster der eingeladenen und zwischen dem «Kreuz», dem «Löwen» und dem «Alten Stephan» rotierenden Kabarettisten betritt der Satiriker und ehemalige Journalist und Radiomann Heinz Däpp die Bühne, die an diesem besonderen Abend aus politischer und gesellschaftlicher Sicht die Welt bedeutet. Was er zu sagen hat, erzeugt nicht nur unzählige Lacher, sondern bietet auch Stoff zum Nachdenken. In sonorem Berndeutsch geht Däpp auf die Suche nach Schweizern, deren Vorfahren das Land schon zu Zeiten von Tell und Winkelried bevölkerten. Es ist eine Minderheit, doch Däpp besteht darauf: «Wär nit nachwiise cha, dass er ä ächte Schwiizer isch, wird usgschafft.»

«Nasechügeli» zu Kalbsbraten

Nach dem 30-minütigen Auftritt jongliert das Servierpersonal auf weissen Tellern Kalbsschulterbraten auf Marsalajus mit Pilzen und Bratkartoffeln durch die Menge. Drei viertel Stunden später setzt sich Beat Schlatter an den Tisch und liest mit holprigem Charme Märchen für Erwachsene vor. Nicht wenigen bleibt die Hauptspeise im Hals stecken, während der bekannte Komiker vom Knaben erzählt, der Weltmeister wird im Drehen von Kügelchen seines Naseninhalts. Auch eines von Schlatters Lieblingsthemen, der Kannibalismus, findet vor dem Publikum keine Gnade. Mit seinen Absurditäten bewegt er sich haarscharf am guten Geschmack vorbei und entlockt einem Gast den Satz: «Und wäge ihm bini cho.»

Der Mann des «Migros Magazins»

Das daraufhin servierte Panna cotta auf Rhabarberkompott mit Thymian-Crumble macht zum Glück einiges wieder gut, und auch der dank «Migros Magazin» berühmteste Hausmann und Kolumnist der Schweiz, Bänz Friedli, hellt die Gemüter wieder auf. Frech, lebensecht und urkomisch bringt er als «Desperate Househusband» seine Erfahrungen mit Kindern, Familienferien und Nachbarn auf den Punkt. Und kurz nach
23 Uhr ist der «Dreigänger» vorbei.

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