Rückblick viertes Benevol Forum
Babyboomer - Wir sind die Neuen

Für die Gesellschaft und die Freiwilligenkoordinatoren ist die Altersgruppe der Bevölkerung, welche in absehbarer Zeit beruflich in den Ruhestand treten wird und sich freiwillig engagieren will, Herausforderung und Bereicherung zugleich. Um den Wünschen der zweiten Babyboomer-Generation auf die Spur zu kommen, welche zwischen 1955 und 1964 geboren ist,  widmeten BENEVOL Aargau und BENEVOL Kanton Solothurn Mitte November das 4. BENEVOL: Diese Generation will auch nach ihrer Pensionierung aktiv bleiben,  etwas bewegen, der Gesellschaft etwas von ihrem Glück zurückgeben, sich weiterentwickeln, Sozialkontakte pflegen.  Sie will als Teil der Gesellschaft diese mitgestalten.

Doch sie weist auch neue Bedürfnisse,  Erfahrungen und Kompetenzen auf. Nun sind ausreichende Informationen und Angebote vonnöten, damit die zukünftige 60+ Bevölkerungsgruppe neue Rollen und Aufgaben findet. Die Identität, die ihnen die Berufstätigkeit gab, muss in neuen Lebensentwürfen und anderen sozialen Verankerungen gefunden werden, wie zum Beispiel in passenden freiwilligen Engagements.

Diese zukünftigen, neuen  Freiwilligen  haben klare  Vorstellungen und Wünsche an ein Engagement. Sie wollen sich mit eigenen Ideen in die angebotenen freiwilligen Einsätze einbringen. Dr. Stefan Güntert, Referent am 4. BENEVOL Forum und Mitautor des Buches „Psychologie der Freiwilligenarbeit - Motivation, Gestaltung und Organisation“, erzählt von seiner Begegnung mit einer Freiwilligenkoordinatorin, die ihm sagte: „Wenn ich mich für eine Organisation engagiere, dann mute ich mich denen zu.“

Wie gehen also Organisationen mit den „neuen“ Freiwilligen, für die Selbstbestimmung und Mitwirkung wichtig sind, um? An den Foren in Aarau und Olten gab es für die Teilnehmenden, vorwiegend Verantwortliche für Freiwillige aus verschiedenen Organisationen, spannende Inputs von Dr. Stefan Güntert zu diesem Thema.

Einig war man sich darüber, dass Organisationen ihre Strukturen überdenken und diese auf die zukünftige Generation 60+ anpassen sollten. „Als Arbeitspsychologe weiss ich, dass nicht nur Festangestellte spannende und abwechslungsreiche Aufgaben brauchen, um motiviert zu bleiben, sondern auch Freiwillige“, stellte Dr. Stefan Güntert fest. Es liegt bei den Organisationen, die Aufgaben, die sie für ihre Freiwilligen haben, neu zu überdenken und  zu erweitern, damit für die Engagierten mehr Spielraum bleibt.

„Die Ganzheitlichkeit spielt eine grosse Rolle. Diese Generation will weg von der Fliessbandarbeit hin zu anspruchsvollen Aufgaben, sie wollen Projekte von Anfang bis Ende begleiten und fordern ein Mitspracherecht.“ Die Aufgabe soll von Bedeutung sein und Rückmeldung bzw. Wirkung erzeugen. „Zudem definiert sich diese Generation über das Berufsfeld, aus dem sie kommt. Man möchte sich einerseits in die Gesellschaft einbringen, identifiziert sich aber noch immer stark mit dem Berufsleben.“ Deshalb sollten Organisationen versuchen, eine neue Identifikation für ihre Freiwilligen zu schaffen, um diese nicht nur zu gewinnen, sondern zu halten.

Was die Motivation für ein Engagement nicht fördert, ist Druck von aussen. Wer zum Beispiel mehrere Jahre in einem Verein mitwirkt, steht möglicherweise unter dem Druck, sich für ein bestimmtes Amt zur Verfügung zu stellen, auch wenn die Person das gar nicht möchte. Doch: „Langfristig zerstört das die Motivation“, erklärt Güntert.

Ob die Generation 60+ durch Freiwilligenarbeit gesünder ist, das konnte Güntert abschliessend nicht beantworten. „Wer seinen Job verliert oder nicht mit der plötzlichen freien Zeiteinteilung in der Pension klar kommt, dem hilft Freiwilligenarbeit sehr wahrscheinlich schon. Man wird gebraucht. Wer aber gesund und glücklich ist, den macht Freiwilligenarbeit nicht noch gesünder.“