Am 24. September gilt es ernst – dann nämlich entscheidet das Volk über die Rentenreform 2020. Dass die Vorlage in der Politik hohe Wellen schlägt, wurde an der Parteiversammlung der FDP Olten vom 8. September wieder einmal deutlich: Die geladenen Gäste Bea Heim (SP-Nationalrätin) und Andri Silberschmidt (Präsident Jungfreisinnige Schweiz) schenkten sich nichts und lieferten sich eine spannende Debatte rund um Sinn und Unsinn der Reform. Während Andri Silberschmidt den schwarzen Peter dem Parlament zuschob, das seine Hausaufgaben nicht gemacht habe und trotz der misslichen Finanzierungslage der AHV noch mehr Geld ausgeben wolle, betonte Bea Heim die Notwendigkeit einer Reform: „Das Parlament ist sich einig, dass es eine Reform braucht. Sonst saust die AHV das Loch ab, was auch für die 2. Säule ein Riesenproblem darstellen würde.“ Jungpolitiker Silberschmidt ging zwar mit Bea Heim einig, dass es bei der AHV einen Reformstau gibt, fügte aber hinzu: „Die FDP warnte schon lange davor, dass man die Renten nicht mehr sichern kann.“ Die Mitte-Links-Dominanz im Parlament sei bisher aber schuld daran gewesen, dass die Vorschläge der Freisinnigen kein Gehör gefunden hätten. Kritik von seiner Seite hagelte es auch für die geplante Erhöhung der Rente um 70 Franken: „Davon profitiert nur eine Übergangsgeneration. Die anderen bezahlen einfach mehr Mehrwertsteuer. Mit den 70 Franken hat das Parlament einen Ausbau der AHV beschlossen.“

Uneinig waren sich die beiden Politiker auch über die Gewinner und Verlierer der Reform. Während Silberschmidt vor allem die Unverantwortlichkeit gegenüber der jungen Generation anprangerte, entwarf Bea Heim das Bild einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten: „Für die Rentner und Rentnerinnen wird die Rente gesichert, für die KMUs ist die Reform die günstigste Option und auch für die Jungen ist sie gut.“ Denn würde die Reform verworfen, müsste die junge Generation nicht nur ihren AVH-Beitrag leisten, sondern auch noch die Löcher in der AHV stopfen und die 2. Säule sanieren, prophezeite Heim. Silberschmidt als Vertreter der angesprochenen jungen Generation liess diese Argumente nicht gelten, hatte er nicht zuletzt auch grundsätzliche Bedenken: „Es ist ein Grundirrtum, wenn man die drei Vorsorge-Säulen zusammen reformieren will. Die drei Säulen müssen in sich stark sein, um als Vorsorgedach der Schweiz funktionieren zu können.“

Die Abstimmungs-Empfehlungen Bea Heims und Andri Silberschmidts an die anwesenden Mitglieder waren angesichts der kontroversen Diskussion nicht erstaunlich. Bea Heim betonte eindringlich, dass ein Nein die AHV „an die Wand fahren würde“. Andri Silberschmidt hielt mit einem klaren Nein dagegen, da das Parlament danach nochmals 12 Jahre über die Bücher gehen könne – für ihn eine Chance, doch noch eine „saubere Reform“ hinzukriegen. Nach dieser anspruchsvollen Debatte schwirrte wohl so manchem Anwesenden der Kopf. Der anschliessende Grill-Plausch kam dann gerade recht, um in gemütlicher Atmosphäre nochmals über das Gesagte zu sinnieren und zu diskutieren.