Letzte Woche erschien in der NZZ ein ganzseitiger Artikel über Olten. In der Einleitung war zu lesen, dass Olten "ein schlechtes oder gar kein Image" hat und "in Olten steigt man nicht aus, man steigt um"… Weiter wurde zwar ausgeführt, dass unsere Stadt auch gute Seiten und einige Vorteile hat – ein schwacher Trost, angesichts des fest verwurzelten Klischees. Ich bin ein überzeugter Oltner, schliesslich lebe ich seit 50 Jahren sehr gerne hier und es schmerzt mich, wenn über meine Stadt so geredet wird. Doch, wenn wir nachdenken, statt klagen, werden wir zugeben müssen: Die Schweiz ist voll von schönen Ortschaften aber Olten gehört, leider, nicht dazu. "Olten gibt beim Bahnhof eine schlechte Visitenkarte ab", sagt Eva Gerber, Oltner Stadtentwicklerin. Und nicht nur beim Bahnhof, sage ich. Dass ist die Wahrheit, der wir uns stellen müssen! Kürzlich wurde eine Umfrage unter den HWV-Studenten und -Lehrkräften veröffentlicht: Sie kennen Olten kaum, haben kein Interesse, die Stadt zu erkunden, hier zu verweilen und schon gar nicht hier zu leben. Tönt recht ernüchternd! Wir haben viel, eher zu viel, Bauland erschlossen und müssen jetzt neue Einwohner anziehen – keine leichte Aufgabe für eine nicht gerade anziehende Stadt!

Viel zu lange wurden hier die städtebaulichen Anliegen nicht ernst genommen. Was gebaut wurde geschah auf Wunsch, oder auf Druck von Investoren, die, begreiflicherweise, ihre privaten Interessen verfolgten, während die öffentlichen oft auf der Strecke blieben. Martin Wey ist der Stadtpolitiker, der das (bisher) am besten erkannt und Ideen für das notwendige Vorgehen entwickelt hat. Worauf gründe ich diese Überzeugung? Ein paar Beispiele, als Antwort:

> Bei seinem Antritt als Baudirektor hat er das Bauamt umstrukturiert und mit neuen, ausgewiesenen Fachkräften verstärkt. Zu hoffen ist, dass er auf diesem Weg weiter schreiten wird.

> In Olten finden jährlich "Stattgespräche" statt. Eine Gruppe engagierter Mitbürger hat dieses Forum für Fragen der Oltner Stadtentwicklung gegründet. Unsere (damalige) Baudirektion hat auf diese überaus wertvolle Initiative mit einem Boykot reagiert und ein Teilnahmeverbot für alle Angestellten verhängt! Als Martin Wey Baudirektor wurde, hat er diese Praxis beendet und nimmt jetzt mit seinen Mitarbeitern aktiv Teil daran.

> In der Schweiz wird jährlich der Wackerpreis für herausragende städtebaulichen Leistungen verliehen. Die Oltner Baukommission, deren Mitglied ich seit 15 Jahren bin, besucht regelmässig diese Orte, um daraus zu lernen. Dabei erfahren wir immer wieder, dass sie ihre Erfolge der engen Zusammenarbeit von guten Stadtplanern mit engagierten Stadtpräsidenten zu verdanken haben. Letztes Jahr führte uns der Wackerpreis nach Köniz und (zum ersten Mal!) hat auch ein Oltner Stadtrat Interesse dafür gezeigt und sich uns angeschlossen: Martin Wey.

Martin Wey beweist Engagement, versteht die Bedürfnisse von Olten und handelt entsprechend. Ich weiss, dass sich die Städte langsam entwickeln und, dass niemand Wunder vollbringen kann, aber etwas mehr Einsicht und Druck in dieser Richtung darf man von unseren Politikern erwarten. Ich sehe im Moment Niemanden, mit dem ich diese Erwartung verbinden kann, ausser mit Martin Wey. Am 9. Juni werde ich für ihn stimmen, in der Hoffnung, dass er sich dann, als vollamtlicher Stadtpräsident, noch mehr der Stadtentwicklung widmen wird. Und, dass Benvenuto Salvodelli, als Vice, ihn dabei kräftig unterstützen wird.

Ivan Tihanov, Bauingenieur, Olten