Olten

SAC Olten auf dem südlichsten Viertausender der Alpen

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SAC Olten auf dem südlichsten Viertausender der Alpen

Die Barre des Ecrins ist der südlichste und für uns Oltner abgelegenste Viertausender der Alpen. Wir haben seine Besteigung deshalb mit einer Tourenwoche im Oisans-Massiv unter der Leitung von Bergführer Walter Fetscher kombiniert. Zentrum des Oisans ist Briançon. Der historische Ort ist ein wahres Mekka nicht nur für Kletterer und Bergsteiger, sondern auch für Kanuten, Mountainbiker, Trailrunner und Wanderer. Nachdem wir zwei Tage lang in Shorts und leichten Kletterschuhen das riesige Angebot an Sportkletter-Routen genossen haben, gilt es am 12.07.2017 Ernst: am Ausgangpunkt mit dem edlen Namen „Pré de Madame Carle“ schultern wir die schwer beladenen Rucksäcken und steigen ins SRéfuge du Glacier Blanc auf. Den Nachmittag nutzen wir für eine Klettertour über die Pointes des CinéastesS. Vom Gipfel können wir erstmals unser Wochenziel, die Barre des Ecrins in voller Grösse bewundern. Nach einer kurzen Nacht starten wir früh am anderen Morgen zum Südgrat des Pic du Glacier Blanc. Eine mehrstündige Kletterei und einige luftige Abseilfahrten bringen uns in die Brèche Cordier. Für das steile Firncouloir zum Réfuge des Barre des Ecrins müssen wir die Steigeisen montieren, sodass wir heute (fast) alle Alpin-Disziplinen ausgeübt haben. Die Hütte ist gestossen voll, denn morgen ist „quattorze juillet“ und die Wetteraussichten und die Verhältnisse am Berg sind gut. Die folgende Nacht wird noch kürzer und bereits um 03 Uhr schälen wir uns aus den Wolldecken. Nach der üblichen Hektik beim Aufbruch (wo ist das Seil? Wer hat meinen Pickel genommen? Wo ist mein Klettergurt hingekommen?) geniessen wir die Ruhe im weiten Gletscherbecken des zu Beginn noch angenehm flachen Glacier Blanc. Die ersten Serpentinen in der zunehmend steilen Ostflanke bewältigen wir noch im Licht der Stirnlampen. Allmählich geht im Osten die Farbe des Himmels von nachtschwarz in zarte Pastelltöne über und gegen 06 Uhr morgens erreichen uns die ersten langersehnten Sonnenstrahlen. Es sind diese magischen Momente, die besser als alle wortreichen Erklärungen die Frage beantworten, warum es Menschen auf die Berge zieht. Unter der Brèche Lory, nun auf schon fast 4000 m, beginnt der sportliche Teil des Abenteuers: der Bergschrund und das darüberliegende Blankeis müssen wir auf den Frontzacken überklettern und mit Eisschrauben absichern. Nach der Ueberwindung dieser heiklen Passage ist der Weg frei für die Kletterei über den langen Ecrins-Westgrat. Rechts fällt der Blick in die um diese Tageszeit noch schattige, über 1000 m tief abfallende Südwand, links über die Eisflanke direkt auf unsere Aufstiegsspur. Der Himmel ist zwar wolkenlos blau, ein giftiger Höhenwind droht uns uns in den ausgesetzten Gratpassagen aber immer wieder aus dem Gleichgewicht zu bringen. Nach 1.5 Stunden pausenloser Kletterei stehen wir alle etwas atemlos aber glücklich auf dem 4102 m hohen Gipfel. Die Aussicht ist an diesem klaren Morgen überwältigend, umsomehr als die Barre des Ecrins ihre Trabanten um mehrere hundert Meter überragt. Trotz Gipfeleuphorie ist für den Abstieg noch einmal volle Konzentration gefragt, denn wir müssen den ganzen Grat auch wieder hinunterklettern, was genau so viel Zeit erfordert wie der Aufstieg. Nach einer letzten Abseilstelle erreichen alle wohlbehalten wieder die Brèche Lory. Weil das Gebiet um die Barre des Ecrins nicht mit Seilbahnen erschlossen ist, bleibt uns nichts anderes übrig bleibt, als jeden Meter, den wir in den vergangenen zwei Tagen aufgestiegen sind, wieder zu Fuss zu vernichten. Hier hilft nur das Weyermann’sche Motto: „Grind aba uns s…ckle.“. Am frühen Nachmittag marschieren wir müde, aber rundum zufrieden bei „Madame Carle“ ein und bewundern noch einmal den ästhetischen und majestätischen Berg, den wir bei einmalig guten Verhältnissen besteigen konnten.

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