Boningen Der zweite Teil der Grenzwanderung beinhaltete auch das Eintauchen in vergangene Zeiten

Auch der zweite Teil der Boninger Grenzwanderung – der erste ging 2016 über die Bühne – war von der örtlichen Kulturgruppe organisiert worden. Rund 40 Interessierte besammelten sich am frühen Samstagnachmittag beim Rastplatz Eichliban, wo der frisch pensionierte Revierförster Ruedi Kissling nach der Begrüssung durch die Präsidentin der Kulturgruppe, Elsbeth Jäggi, den Anwesenden Einblicke in das Wirken des Borkenkäfers und dessen Bekämpfung durch Schlupfwespe und Ameisen-Buntkäfer vermittelte. Der Borkenkäfer, so Kissling, habe durch die Auswirkungen von Sturmtief «Burglind» von Anfang Jahr viel Nahrung gefunden, und die Forstmitarbeiter seien zum Teil heute noch dabei, das entsprechende Sturmholz zu beseitigen.

Einstmals: Prügelnde Fulenbacher …

Die Grenzwanderung nahm ihren Anfang via Eichliban und «Grenzweg» entlang der Gemarkung zu Gunzgen bis ins Gebiet «Dreiangel», wo der Kiesabbau derzeit in vollem Gang ist. Dort führte Kissling den Boningern vor Augen, wie die Gemeinde vor mehreren hundert Jahren zu ihrem Waldgebiet gekommen sei: Prügelnde Fulenbacher seien es gewesen, die bewirkt hätten, dass die Nachbargemeinde im Südwesten mit der Abgabe von 80 Jucharten Wald den Schadenersatzforderungen der Boninger habe nachkommen müssen. So sei die Gemeinde zu ihrem «Dreiangel» gekommen, an dessen zentralen Punkt heute die Gemeinden Boningen, Fulenbach, Gunzgen und Härkingen aneinanderstossen. Die Wanderung führte weiter der Fulenbacher Grenze entlang hinunter zum Buechbännli an der Aare, nicht weit von der «Hausenmühli» entfernt, die, so alt Bürgergemeindepräsident Guido Wyss, einst ein Mühlebetrieb war, um 1720 die heutige Funktion erhielt und sich seit 99 Jahren im Besitz der Familie Brönnimann befindet.

An der Aare selbst warteten bereits Mitglieder der Pontoniere Murgenthal – auch mit dieser Gemeinde hat Boningen auf rund 100 Metern in der Aare eine gemeinsame Grenze, und viele Boninger sind dort Vereinsmitglieder – auf die Wanderer, um sie an Bord von drei Weidlingen zu lotsen. Die Wanderung wurde somit zur Fahrt auf der Aare, entlang der Grenze zu Rothrist, hinunter bis zum Werk Ruppoldingen. Inzwischen zusammengebunden, fuhr der nun motorisierte «Dreier-Weidling» zurück zur Anlegestelle im «Fahr» in Boningen, besser bekannt als Brückenbau-Übungs- und Übersetzungsplatz des Militärs.

… und raufende Boninger

Dort angekommen, bekamen die Teilnehmenden von Wyss einen Einblick in frühere Zeiten, als an jenem Platz noch eine Fähre zwischen Rothrist und Boningen in Betrieb war. Er gewährte Einblick in eine Periode, die nicht gerade eben friedlich war und wo die grenzüberschreitenden Auswirkungen von Raufereien, Trunk- und Spielsucht an der Tagesordnung waren. – Den Abschluss bildete der Rückmarsch via Sandmatten, Hölzli und Bättel zum Rastplatz Eichliban. Dort wurden die Referenten des Tages von Elsbeth Jäggi mit einem Präsent geehrt, bevor der lehrreiche Anlass bei gemütlichem Beisammensein mit Wurst und Brot, Kaffee und Kuchen, gespendet von der Bürgergemeinde, langsam ausklang. – Übrigens: Der Kulturgruppe wird es auch künftig nicht langweilig. Laut der Präsidentin macht man sich bereits Gedanken, wie das 800 Jahr-Jubiläum der Gemeinde im Jahr 2026 gestaltet werden kann.

                                              Von Beat Wyttenbach (Text und Fotos)