Olten

Mehr Tote durch Lärm als durch Verkehrsunfälle

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Trotz Corona-Einschränkungen konnte am 2. September 2020 das Forum Strasse in Olten mit über 300 Teilnehmern durchgeführt werden; etwa 150 waren allerdings per Livestream zugeschaltet. Die Organisation war happig, wie Organisator Christian Angst berichtete; vor allem die fehlende Planungssicherheit bezüglich der behördlichen Auflagen gab zu schaffen.

Urs Walker, als Vertreter des BAFU Bern erläuterte die gesellschaftliche Bedeutung der Lärmbekämpfung sowie die juristischen Grundlagen: Lärm ist in der Schweiz die Umweltbelastung Nr. 1; beeinträchtigt die Lebensqualität und kann krank machen. Bei störenden Geräuschen gerät der menschliche Körper in Alarmbereitschaft, schüttet Stresshormone aus, was auf lange Sicht problematisch wird: Herzkreislaufkrankheiten, Bluthochdruck bis hin zu Schlaganfällen und Herzinfarkt können die Folgen sein. Eine Studie der Uni Basel rechnet mit 500 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr durch Verkehrslärm! Verglichen mit den Todesfällen durch Verkehrsunfälle (weniger als 200) eine deutlich höhere Zahl. Trotz bisherigen Erfolgen in der Bekämpfung des Strassenlärms bleibt der Handlungsbedarf nach wie vor gross. Die wirksamste Massnahme ist die Bekämpfung an der Quelle, also durch lärmarme Beläge.

An der Tagung wurden Erfahrungen der Kantone Aargau und Freiburg sowie von Bauunternehmungen ausgetauscht. In einem Blick über die Landesgrenze wurden die französischen Vorgehensweisen erläutert. Grundsätzlich ist das Vorgehen analog zur Schweiz, auch die Technologien sind vergleichbar. Dass auch die Reifenindustrie aktiv ist, zeigte ein Vertreter der Branche sehr eindrücklich.
Der bekannte Moderator Stefan Klapproth leitete eine spannende Podiumsdiskussion, bei welcher bauliche Massnahmen (Vertreten durch den aargauischen Kantonsingenieur Rolf Meyer) auf regulatorische Massnahmen (beispielsweise Temporeduktion), vertreten durch Herrn Mohler der Lärm Liga Schweiz, trafen.  
Der Gesamteindruck zeigte auf, wie mehrere Branchen (Bauproduktehersteller, Strassenbauer und die Reifenindustrie) mit grossem Aufwand Technologien zur Strassenlärmbekämpfung entwickeln. Viele Bauherren geben grosse Summen aus, um diese Spezialbeläge einzubauen und zu unterhalten. Leider können einige wenige Poser mit Ihren 4-rädrigen Statussymbolen diese Bestrebungen zu Nichte machen. Es bleibt zu hoffen, dass neben der Bauindustrie auch der Gesetzgeber nachzieht.

Sabrina Müller 
 

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